Sommerkultur

Vier Tage mit Steampunk und Wunderkerzen in Oberhausen

Wunderkerzen nicht vergessen: Sie sind essenziell für die festliche Stimmung beim Weißen Dinner auf dem Saporishija-Platz.

Foto: Gerd Wallhorn

Wunderkerzen nicht vergessen: Sie sind essenziell für die festliche Stimmung beim Weißen Dinner auf dem Saporishija-Platz.

Oberhausen.   Als „Sommerkultur“ firmiert das Wochenende vom 3. bis 6. August. Beim eleganten „Weißen Dinner“ sorgen die Teilnehmer selbst fürs Entertainment.

Haben „The Lovin’ Spoonful“ etwa Tantiemen eingefordert für den Titel ihres inzwischen 51 Jahre alten Sommerhits? „Summer in the City“, die Marke für ein randvolles Kulturwochenende, firmiert jetzt schlicht als „Oberhausener Sommerkultur“ – hat deshalb aber nicht weniger zu bieten. Im Gegenteil: Das Kulturbüro zieht weitere Kreise. Und so geht’s zum Auftakt der vier Tage vom 3. bis 6. August mit den NRW-weiten Filmschauplätzen ‘mal nicht auf den Friedensplatz, sondern zum Großen Markt nach Sterkrade.

Filmschauplatz Großer Markt

Bewährtes bleibt. Deshalb sorgen am Donnerstag, 3. August, um 20.30 Uhr wieder die von Volker Buchloh dirigierten German Silver Singers für den stimmigen Auftakt zur langen Filmnacht. Neben vertrautem Liedgut könnten dann auch einige Perlen des DDR-Repertoires zum Vortrag kommen – es würde zum Hauptfilm passen. Doch zunächst gibt’s den charmanten Kurzfilm „Einwurf zwanzig Pfennig“ über eine allgegenwärtige Attraktion, die nur kleine Kinder (und dann ihre genervten Eltern) wahrnehmen: Pferde, Einhörner, Elefanten oder Rennwagen zum davongaloppieren. Mit elf Minuten ist dieser Film ein kurzes Vergnügen (schließlich ist Oberhausen die Stadt der Kurzfilmtage) – kostet aber keinen Geldeinwurf.

Gegen 21.45 Uhr folgt dann die deutsch-deutsche Agentenkomödie „Kundschafter des Friedens“ mit einer Rentnergang um Henry Hübchen und Jürgen Prochnow: 27 Jahre nach dem Mauerfall werden die Ostspione vom BND reaktiviert, weil sich das Know-how der grummeligen Pensionäre plötzlich als Alleinstellungsmerkmal erweist.

Wie bei allen „Filmschauplätzen“ gilt: Die Zahl der vom Veranstalter bereitgestellten Sitzgelegenheiten ist eher gering. Komfortabler ist’s, wenn man sein eigenes Klappmöbel aus dem Garten mitbringt.

Straßentheater am Altmarkt

Große Bilder – allerdings in „3D“ und nicht auf planer Leinwand – erlebt das Publikum auch am Freitag, 4. August, um 21 Uhr auf dem Altmarkt. Wie im Vorjahr spielt eines der großartigen polnischen Ensembles vor der Kulisse von Gdanska und Herz-Jesu-Kirche. „Das polnische Straßentheater hat eine Tradition“, so Kulturdezernent Apostolos Tsalastras, „mit wenig bis gar keinem Text auszukommen und die Bilder sprechen zu lassen“.

„TeatrAkt“ heißt die Truppe, „Beyond Time“ (also „Jenseits der Zeit“) ihre Produktion. Gemeint ist eine Zeitreise, wie sie jeder unbewusst jeden Tag unternimmt, meint TeatrAkt: „Reisend sammeln wir Erfahrungen, erkennen und überwinden Schwächen – und dann werden wir nie wieder die gleichen bleiben.“ Dargeboten wird die fantasievolle Geschichte im angesagten Stil des „Steampunk“, der viktorianischen Look mit der Science-Fiction eines Jules Verne vereint. Mit Bewegungstheater, Pantomime, Tanz zu Live-Gesang und zirzensischen Elementen sorgt TeatrAkt für ein Rundum-Spektakel.

Weißes Dinner am Sapo-Platz

Beim Weißen Dinner am Samstag, 5. August, von 19 bis 23 Uhr sind die Teilnehmer selbst die Stars auf dem Saporishija-Platz. „Ausgenommen Schuhe und Gürtel, Brillen und Geschmeide“, wie Volker Buchloh sagt, sollten die Dinierenden Weiß tragen. Außer der farblich passenden Garderobe bringt jeder mit: einen guten gefüllten Picknickkorb, Tische und Stühle, weiße Tischdecke, Geschirr und Deko und Wunderkerzen. Und zum Schluss sollte man ein weißes Tüchlein zum Winken parat haben.

Wer die Tischgesellschaft musikalisch oder zirzensisch unterhalten möchte, sollte sich anmelden: kulturbuero@oberhausen.de – „wir versuchen zu koordinieren“, erklärt Volker Buchloh.

Christel von der Post moderiert „Espresso-Operette“

Vor zwei Jahren geriet das herrschaftliche Flair leider zu drückender Enge, denn damals musste die „Oper im Espresso-Format“ vor den Regenströmen ins Schloss-Innere ausweichen. Statt Papageno und Papagena aus Mozarts „Zauberflöte“ gibt’s nun am Sonntag, 6. August, um 12 Uhr im Schlosshof (das bestellte schöne Wetter vorausgesetzt) ein genussvolles Konzentrat des „Vogelhändlers“.

Schon der Name des Komponisten klingt nach reiner Operettenseligkeit: Carl Adam Johann Nepomuk Zeller (1842 bis 1898) war nicht nur Notensetzer, sondern als Jurist aufgestiegen zum österreichischen Ministerialrat und Leiter des Kunstreferates im Unterrichtsministerium. Doch klangvoller als alle Titelhuberei ist natürlich Zellers Beitrag zur goldenen Operettenära. Und diese k.u.k.-spezifische Epoche weiß das kleine Ensemble von „Music to go“ auch jenen mit ansteckender Begeisterung zu vermitteln, die sonst mit Operette und klassischer Tonkunst wenig am Hut haben.

Füllhorn amüsanter Verwicklungen

Dafür übernimmt Sopranistin Désirée Brodka nicht nur die Dirndl-tragende Rolle der „Christel von der Post“, sondern führt auch als Moderatorin durchs komödiantische Geschehen. Neben einem Streichquartett genügen vier weitere Gesangs-Solisten, um diesem Füllhorn amüsanter Verwicklungen und echt österreichischen Hofschranzentums auch eine gehörige Klangfülle mitzugeben: Es sind So­pranistin Lisa Kaltenmeier als Kurfürstin, Tenor Walther Rösler als Vogelhändler – mit Ambitionen zum Menageriedirektor – Tenor James Park als Graf Stanislaus und Bass-Bariton Agris Hartmanis als Baron Weps. Sie alle weiß die gute Christel mit Charme um den kleinen Finger zu wickeln.

Désirée Brodka hatte in den Vorjahren bereits die aromatischen Espresso-Versionen der „Zauberflöte“ und des „Freischütz“ produziert. Die Schauer-Oper war 2016 mit fast 200 Zuschauern ein echter Publikumserfolg – noch dazu vor der wahrlich uninspirierenden Kulisse des Technischen Rathauses in Sterk­rade. Für den weit stilvolleren Schlosshof dürfte das die Erwartungen noch höher schrauben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik