Junge Klassik

Verdi-Oper lockt Hunderte zum Schloss Oberhausen

Große Stimme und große Gesten: Sopranistin Désirée Brodka in ihrer Rolle als sterbenskranke Kurtisane Violetta in Verdis „La traviata“.

Große Stimme und große Gesten: Sopranistin Désirée Brodka in ihrer Rolle als sterbenskranke Kurtisane Violetta in Verdis „La traviata“.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Zuschauer-Rekord bei der „Oper im Espresso-Format“ im Hof des Schlosses Oberhausen. Verdis „La traviata“ hatte rund 700 Zuhörer.

Seinem Ziel, klassische Musik populärer zu machen, scheint der Verein „Music to go“ aus Kaarst zumindest in Oberhausen immer näher zu kommen. Beim dritten Gastspiel in Folge der von ihm organisierten „Oper im Espresso-Format“ im Hof des Schlosses Oberhausen kamen am Sonntagnachmittag so viele Zuhörer wie nie zuvor. Mindestens 700 dürften es gewesen sein. Und das, obwohl Giuseppe Verdis Oper „La traviata“ (italienisch für „Die vom Weg Abgekommene“), die diesmal in Kurzfassung gespielt wurde, wahrlich kein Happy End zu bieten hat.

Denn Violetta, die Hauptdarstellerin, stirbt am Ende in den Armen ihres Verehrers. Die ausdrucksstarke Rolle war der Kaarster Sopranistin Désirée Brodka, dem Kopf des Tournee-Ensembles, wie auf den Leib geschrieben.

Schauspielerisches Können gefragt

Verdis Oper nach dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas dem Jüngeren, spielt im Paris der Reichen und Schönen von 1843. Gesungen wird sie allerdings in italienischer Sprache. Deshalb kam es am Sonntag auch nicht auf das Verständnis des Gesungenen an, sondern auf das harmonische musikalische Ganze, die stimmliche Brillanz der Akteure und ihr schauspielerisches Können. Und das hatten neben Désirée Brodka auch ihre beiden männlichen Partner, der Tenor Carlos Moreno Pelizari und der Bassbariton Agris Hartmanis, mit ihren kraftvollen Stimmen zu bieten.

Pelizari sang die Rolle des forschen, aber aufrichtigen Alfredo, der sich bei einer Feier in die Begleiterin des Barons Douphol verliebt, die stadtbekannte Edelprostituierte Violetta. Hartmanis trat als sein Vater Giorgio in Erscheinung, der der Beziehung hinter dem Rücken des Sohnes ein Ende bereiten will, um die standesgemäße Heirat seiner Tochter nicht zu gefährden. Violetta erfüllt den Wunsch von Alfredos Vater und kehrt zu Douphol zurück.

Früher starb man an Tuberkulose

Alfredo macht ihr bei einer weiteren Feier daraus eine peinliche Szene. Dabei gibt es noch einen zweiten Grund, weshalb sie auf sein Werben nicht eingeht, obwohl sie möchte: Sie weiß, dass sie unheilbar an Tuberkulose erkrankt ist und bald sterben wird. Die Infektionskrankheit zerstört langsam das Lungengewebe, ist erst dank Antibiotika heilbar. Aber Violetta versucht noch, ihrem kurzen Leben eine Wende zu geben. Umso mehr sind Vater und Sohn über ihr Verhalten beschämt.

Natürlich durften die bekanntesten Melodien und Arien der Oper im Schlosshof nicht fehlen: der nachdenklich stimmende langsame Walzer der Ouvertüre und das berühmte Trinklied, ein Wiener Walzer. Aber auch Partien wie das Duett, in dem sich Violetta und Alfredo kurz vor ihrem Tod aussöhnen, setzte das Ensemble gekonnt in Szene. Es wurde wie in den Vorjahren dabei von einem Streichquartett begleitet. Das Publikum quittierte den Auftritt bei bestem Sommerwetter mit viel Applaus.

Erfolgsroman „Die Kameliendame“

Mit Ansagen zwischen den Akten machte Brodka das Geschehen für die Zuhörer verständlich. Sie vergaß auch nicht zu erwähnen, dass es die Geschichte tatsächlich gegeben hat. Es handelte sich um das Bauernmädchen Marie Duplessis, das aufgrund seiner vorzüglichen Umgangsformen in höchste Kreise aufsteigen konnte, aber nur 23 Jahre alt wurde. Einer ihrer Liebhaber, der damals 24-jährige Romancier Alexandre Dumas, hat ihr mit dem Erfolgsroman „Die Kameliendame“ ein Denkmal gesetzt.

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