Ernährung

„Unverkauftes Brot ist kein Müll“

Jedes fünfte Brot landet laut einer Studie nicht beim Kunden. „Im Müll allerdings auch nicht“, sagt Stefan Agethen.Foto: Dirk Bauer

Foto: WAZ FotoPool

Jedes fünfte Brot landet laut einer Studie nicht beim Kunden. „Im Müll allerdings auch nicht“, sagt Stefan Agethen.Foto: Dirk Bauer Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.   Oberhausener Bäckerinnungs-Vorstand kritisiert Münsteraner Studie: Es gebe keine neuen Erkenntnisse. Tafeln und Tierbetriebe profitieren vom Backwaren-Überschuss.

„In Deutschland werden in jedem Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Nach frischem Obst und Gemüse sind es Brot und Backwaren, die am häufigsten entsorgt werden. Der durchschnittliche Verlust an Brot und Backwaren pro Bäckerei beträgt 2,7 Tonnen pro Woche.“ Mit diesen Ergebnisse machte das Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft (iSuN) der Fachhochschule Münster kürzlich auf sich aufmerksam. Jedes fünfte gebackene Brot würde nicht beim Kunden landen. Kritisiert wird diese nicht repräsentative Studie vom Vorstand der Bäckerinnung für Oberhausen, Stefan Agethen: Er könne die Aufmerksamkeit nur bedingt verstehen, weil der Studie „eine Aussagekraft angedichtet“ würde, die „ich nicht nachvollziehen kann“.

Agethen kritisiert, dass sich an der Studie nur diejenigen Bäckereien beteiligt hätten, die es ohnehin „bereits verstanden haben“ und die Discounter und deren Retouren nicht erfasst würden. Auch in der Studie heißt es: „Die Großbäckereien jedoch haben leider eine Mitarbeit an diesem Projekt abgelehnt.“ Und das obwohl „mittlerweile über die Hälfte der Brote in Deutschland nicht mehr handwerklich hergestellt“ werden.

Sensibilisierung des Konsumenten

Bei den sechs untersuchten Betrieben kam die FH Münster zu folgendem Ergebnis: „Die gemessene Retoure lag in unserer Untersuchung zwischen 7 und 17 Prozent.“ Agethen merkt dazu an, dass die Berechnung der Retouren in Prozent den Umsatzstärksten zugute kommen. Seine Bäckerein hatten im Februar eine Retoure-Quote von 18 Prozent.

Das Problem der großen Anzahl der Retouren ist auch in seinem Bäckereibetrieb, ansässig in Alstaden, bekannt und es würde bereits daran gearbeitet. Wirklich neue Erkenntnisse konnte Agethen aus der Studie nicht ziehen: „Sollten wirklich Lösungen zu Tage treten, werden wir Bäcker uns diese ganz sicher anhören und übernehmen, aber aktuell sind die Handlungsempfehlungen zu schwammig und nicht anwendbar.“ Die Studie setzt vor allem auf die Optimierung des Verkaufs und auf die Sensibilisierung des Konsumenten.

„Verfügbarkeit zu jeder Zeit“

Agethen betont außerdem, dass die Backwaren, die als Retouren zurück in den Betrieb nach Alstaden kommen, keinesfalls auf dem Müll landen: „Weggeworfen wird hier nichts. Es wird für die Fütterung von Tieren genutzt.“

Konzepte zur Zweitverwertung von Retouren oder „Vortagsläden“ hätten sich nicht bewehrt. „Ich kenne kaum einen Menschen, der gerne ältere oder zweifelhafte Produkte kauft.“ Auch ein geringeres Sortiment oder weniger verfügbare Backwaren am Abend seien nicht umsetzbar, denn laut Agethen wünschten sich die Oberhausener „Verfügbarkeit zu jeder Zeit“.

Andere Bäckereien lassen ihren Überschuss der Oberhausener Tafel zukommen. Die wäre von einer Reduzierung der Retouren wenig begeistert. „Wir sind dankbar, für alles was uns gespendet wird. Ohne die zahlreichen Backwaren würden wird alt aussehen“, so Wolf Neu vom Vorstands-Team der Tafel, die von Oberhausener Bäckereibetrieben und Discountern beliefert wird. Derzeit bekommen die Tafel-Kunden zwei Brotpäckchen. Sollte sich die Menge der gespendeten Backwaren reduzieren, müsste bei der Tafel umgeplant werden. „Vielleicht müssten wir dann auf ein Brotpäckchen pro Person zurückfahren“, so Neu.

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