Elektro-Festival

Ruhr in Love mischt Oberhausen mit Moguai und Matratzen auf

Gute Laune sowieso: 36.000 Fans feierten beim Elektro-Festival „Ruhr in Love“ in Oberhausen.

Gute Laune sowieso: 36.000 Fans feierten beim Elektro-Festival „Ruhr in Love“ in Oberhausen.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  DJ-Urgestein Moguai gab beim Elektro-Festival „Ruhr in Love“ in Oberhausen den Takt vor. Riesige Gartenparty mit 40 Freiluft-Tanzflächen.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Kaum schenkt man beim Festival „Ruhr in Love“ der harmonischen Trance-Musik sein Herz, schon drängt sich der brachiale Beat des Hardcore-Genres dazwischen. Dieses Wechselspiel liegt im Oberhausener Olga-Park nur wenige Schritte auseinander. 400 Discjockeys bespielen bei der großen Elektro-Fete die 40 dicht nebeneinander angeordneten Freiluft-Tanzflächen. Eine Gartenparty wird zur Großraumdiskothek!

„Ruhr in Love“ feiert die Vielfalt des Genres

„Hier findet jeder etwas Gutes zum Tanzen“, meint Samantha Tillmanns. Der Wind weht ihr einen weißen Hochzeitsschleier ins Gesicht. Die Liebe treibt die 26-Jährige in den Olga-Park. Ihre Freundinnen haben sie am Samstagmorgen kurzerhand in den Zug verfrachtet, liebevoll dekoriert und von Düsseldorf nach Oberhausen gebracht. Junggesellinnenabschied!

Nun prosten sie sich auf dem Tanzrasen in Themenshirts mit Plastikbechern zu. Mega-Stimmung sowieso – ist das besser als die Altstadt? „Keine Frage – wir bleiben hier!“ Das dürfte auch Musik in den Ohren von DJ-Ikone Moguai sein. Auf der Hauptbühne ist der 45-Jährige bei seinem Revier-Heimspiel bestens aufgelegt. Die Dekoration um den Plattenteller herum wirkt wie ein knallbunter Blumengarten in Übergröße. Liebling, ich habe das Publikum geschrumpft!

Das Line up bleibt dagegen üppig besetzt – die Fans warten auf den Australier Will Sparks („Ah yeah so what“) und den Niederländer Sam Feldt („Show me Love“). Eine Genre-Wanderung zwischen Elektro-Pop und Deep-Dance. Bebende Beispiele für die Vielfalt dieser Musikrichtung.

„Ruhr in Love“ baut Tanzflächen wie Kunstwerke

Doch man muss die Liebe hier erst entdecken. Außerhalb des Festivalgeländes klingen die 40 zeitgleich spielenden Freiluft-Tanzflächen wie eine Klangsoße, die eher an ein startendes Flugzeug erinnert. Steht man aber auf einer, der teils engen Flächen, bekommt man vom Nachbar-Wumms nicht viel mit.

Manches Schwof-Parkett wirkt wie ein Kunstwerk. Ein Gerüst überragt den Zappelbereich der Event-Reihe „Homebass“ aus nur einem Grund: Daran baumelt eine große silberne Discokugel.

Ein paar Tanzschritte weiter sieht das DJ-Pult aus wie eine Collage. Dort schmücken Bilderrahmen, Girlanden, Lampenschirme und ein Hirschgeweih als Spitze – an den Hörnern baumeln zwei Mini-Discokugeln. Schall-Schabernack! Wer will da noch widersprechen, dass das Auge nicht doch mittanzen kann. Da wundert es auch nicht mehr, dass alte Mustermatten aus dem Wohnzimmer auf der Wiese liegen. Klangteppiche zum Abhängen.

„Ruhr in Love“ lässt mit Wasserbällen planschen

Liegen ist ein gutes Stichwort. Am Kanal des Olga-Parks machen sie es sich am Ufer bequem. Abhängen und abtauchen klappt beides. Im Wasser schwimmen begehbare Quietscheenten und bunte Wasserbälle. Einen luftigen Flamingo verwandeln sie kurzerhand in ein Floß. Matratzen-Romantik für maritime Gefühle.

Früher malochten auf dem Parkgelände die Kumpel der Zeche Osterfeld, heute dient der alte Förderturm als Kulisse für eine nimmermüde Tanzschicht. Zehn Stunden frönen sie hier dem Wechselspiel aus Dauerbeschallen und Durchatmen.

Das Alter des Publikums ist so gemischt wie die elektronischen Musikstile. Bis zum späten Abend zählen die Veranstalter rund 36.000 Raver. „Ruhr in Love“ punktet nicht mit Gigantismus auf Monsterbühnen, sondern mit feiner kleinteiliger Klang-Kost.

Sicherheitsbilanz

Die Johanniter-Unfallhilfe hatte drei Hilfsstellen auf dem Veranstaltungsgelände aufgebaut. Hier wurden 260 Menschen behandelt – 32 Festivalbesucher mussten ins Krankenhaus.

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