Extremismus im Netz

Oberhausener Schüler üben kritischen Umgang mit Social Media

Im Rahmen des „Smart Camps“ drehen Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums einen Video-Beitrag mit dem iPad.

Im Rahmen des „Smart Camps“ drehen Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums einen Video-Beitrag mit dem iPad.

Foto: Foto: Zoltan Leskovar

Oberhausen.   Die Elftklässer des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums absolvieren ein dreitägiges „Smart Camp“. Experten klären auf: Wo lauern Gefahren im Internet? 

Auf dem Lehrerpult, wo sonst Bücher oder Arbeitsblätter liegen, ist ein Laptop aufgeklappt, gleich daneben blinken Router und USB-Sticks. Die 24 Schüler im abgedunkelten Klassenraum S104 lauschen bedächtig, während ein Mann in Kapuzenpulli und Turnschuhen ihnen erzählt, welche Gefahren in sozialen Netzwerken lauern – etwa, wenn man ein Foto seines Flugtickets bei Instagram teilt. Denn: Ist der darauf befindliche Barcode für jedermann sichtbar, lassen sich in Windeseile die eigenen Daten abgreifen und für kriminelle Zwecke missbrauchen.

Gefahren im Netz sind vielfältig

Der junge Mann am Laptop heißt Chris Wojzechowski. Er ist Experte für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Sein Vortrag unter dem Titel „Live-Hacking - Wie sicher sind meine Daten?“ ist Teil des dreitägigen „Smart Camps“, das in dieser Woche am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Sterkrade gastiert. Rund 120 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 nehmen an den Projekttagen teil, die die Initiative BG3000 in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung seit 2017 deutschlandweit an Schulen durchführt. Schirmherr in Oberhausen ist Oberbürgermeister Daniel Schranz, der sich am ersten Tag sogleich selbst ein Bild von dem Projekt macht, dessen Ziel ist, junge Menschen für die Gefahren im Netz zu sensibilisieren – von Cyber-Mobbing über Fake News bis hin zu Methoden von Extremisten.

Zurück im Klassenzimmer. Wojzechowski scrollt durch eine Vielzahl öffentlich einsehbarer Fotos, sie alle zeigen Boardingpässe. Über einen Beamer verfolgen die Schüler jeden seiner Klicks. „Was glaubt ihr: Wie viele solcher Bilder findet man auf Instagram?“, fragt er seine Zuhörer. „Ein paar hundert, vielleicht tausend?“, hallt es aus einer Ecke. „Fast“, witzelt Wojzechowski, „ aktuell sind es über 100 000.“ Ein Raunen geht durch die Runde, einige müssen lachen.

Lernen, wie man sich schützen kann

Zu Beginn stehen theoretische Grundlagen auf dem Programm, an Tag zwei und drei sollen sich die Schüler dann selbst – und auf völlig neue Weise – mit der Materie auseinandersetzen. „Der Fokus unserer Workshops liegt auf einem sicheren und bewussten Umgang mit sozialen Medien“, erklärt Sofie Kiefer, Projektleiterin der BG3000. „Am Ende sollen die Schüler wissen: Wie bewegen sich Extremisten im Netz? Wie kann ich mich schützen, wie dem entgegenwirken?“, so die 21-Jährige weiter.

Die Praxis-Kurse tragen Namen wie „YouTube – Dein Video gegen Extremismus“ oder „Podcast – Deine Stimme gegen Hass“. Geleitet werden sie von ausgewiesenen Experten, darunter Medienpsychologen, Journalisten, Anwälte – und sogar Influencer. Sie alle sollen mit den Elftklässlern eine Kampagne erarbeiten, ein Zeichen gegen Hass setzen. „Mithilfe des Smart Camps wollen wir die Schüler zu einer Haltung bewegen – und darauf aufbauend Medienkompetenz entwickeln“, erklärt Frank Windeck, Koordinator des Projekts bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auf diese Weise sollen aus Schülern mündige Bürger werden, auch im Netz.

OB Schranz sieht großen Bedarf

Chris Wojzechowski ist einer der Experten. Er demonstriert den Schülern derweil, wie einfach ihre Profile bei Facebook von Fremden ausgelesen werden können – spezielle Hacking-Websites machen es möglich. „Früher habe ich exemplarisch die Accounts von Anwesenden benutzt, aber das ist zwei Mal in die Hose gegangen“, so der IT-Profi vielsagend. Während er die Datenlecks vorführt, herrscht gespannte Stille im Raum.

Auch Oberbürgermeister Daniel Schranz hört interessiert zu, er hat sich am Rand des Klassenzimmers dazugesellt. Zum Auftakt des Projekts besucht er Kurse, spricht mit den Organisatoren und der Schulleitung des Gymnasiums. Das „Smart Camp“, das nun erstmals Halt in Oberhausen macht, soll das Thema Digitalisierung konkreter machen: „Hier geht es darum, welche Möglichkeiten das Internet und die sozialen Medien bieten. Aber eben auch welche Grenzen und Gefahren“, so Schranz. Ob es das Projekt künftig auch an anderen Oberhausener Schulen geben wird? „Wünschenswert wäre es, Bedarf ist sicher überall“, erklärt der 43-Jährige. Die Umsetzung müsse jedoch mit den Schulen und den Verantwortlichen von BG3000 und der Konrad-Adenauer-Stiftung abgesprochen werden.

>>> Angebot der BG 3000 geht über Schule hinaus

Finanziell gefördert wird das „Smart Camp“ durch das Bundesministerium für Familie.


Die BG 3000 bietet auch digitale Nachhilfe für Lehrer, Azubis und zum Thema Gesundheit.

Weitere Infos unter: https://www.bg3000.de/projekte/

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