Stromerzeugung

Oberhausener Miniturbine rettet Energie für alle Bürger

Turbonik-Gründer Björn Bülten (rechts) erläutert noch ein paar Details zur Miniturbine dem Klima-Expo-Geschäftsführer Heinrich Dornbusch, EVO-Vorstand Bernd Homberg und Christian Dötsch vom Fraunhofer Institut (von links)

Turbonik-Gründer Björn Bülten (rechts) erläutert noch ein paar Details zur Miniturbine dem Klima-Expo-Geschäftsführer Heinrich Dornbusch, EVO-Vorstand Bernd Homberg und Christian Dötsch vom Fraunhofer Institut (von links)

Foto: Frank Oppitz

Oberhausen.   Der Prototyp kostet 1,2 Millionen Euro und ist so klein, dass er auf einen Gabelstapler passt: Die Miniturbine erzeugt Strom für 60 Haushalte.

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Das ist mal ein tolles Start-up, das im Ruhrgebiet mit einem handfesten Marktlücken-Produkt heißes Wasser in wertvollen Strom verwandelt – und nicht einfach nur wie andere in Berlin-Friedrichshain eine Handy-App programmiert: Die Dortmunder Minifirma Turbonik, eine Ausgründung des Oberhausener Fraunhofer-Instituts Umsicht, hat ein Forschungsprojekt marktreif gemacht – und nun 50 000 Kunden in ganz Europa im Visier.

Die produzieren etwa für Fernwärme Dampf mit hohem Druck, den sie für Privathaushalte absenken müssen. Dieser Druckunterschied verpufft bei kleinen Anbietern bisher wie die Kohlensäure einer geschüttelten Cola-Dose. Diese Energie zu nutzen, dafür gab es keine echte wirtschaftliche Möglichkeit. Das gilt besonders für Betreiber kleiner Prozessdampfanlagen, etwa Brauereien und Papierfabriken.

Prototyp kostete 1,2 Millionen Euro

In diese Lücke springen die Dortmunder: Sie entwickelten mit Anschub des Bundes von 1,2 Millionen Euro eine so kleine, so leichte und so kompakte Turbine, dass die Gesamtanlage auf einen Gabelstapler passt. „Entscheidend dafür war, dass wir gelernt haben, dass kleine Turbinen nicht unbedingt kleine Wirkungsgrade haben, sondern man kann hohe Wirkungsgrade gut erreichen“, erläutert Turbonik-Gründer Björn Bütten. Der Marktpreis für diese Miniturbine liegt bei 200 000 bis 300 000 Euro. Bereits in drei Jahren hat der Käufer das Geld raus.

Dass die Erfindung funktioniert hat der Oberhausener Energieversorger EVO seit 2017 getestet: Bei der Reinigung des Fernwärmewassers entstehen Druckunterschiede, die nun die Miniturbine in Strom umwandelt. „Wir können damit 60 Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Strom versorgen“, begeistert sich EVO-Technik-Vorstand Bernd Homberg. „Wir verbinden hier gerade Tradition mit Innovation.“ Umsicht-Energiebereichsleiter Christian Dötsch sieht in dem Miniturbinen-Beispiel das Ziel von Fraunhofer ideal erfüllt: „Wir wollen anwendungsorientierte Forschung auf die Straße bringen.“

Bei so viel Erfolg ist eine Auszeichnung nicht fern: Professionell zelebrierte Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der Klima-Expo NRW, die Aufnahme des Projekts in die landesweite Leistungsschau für den Klimaschutz mit bisher 300 Vorzeige-Projekten. „Hier sieht man: Im Ruhrgebiet entstehen zukunftsträchtige Arbeitsplätze.“

>>> INFO: 300 000 Kilowattstunden Strom produziert

Mit einer Leistung von 70 Kilowatt produziert die Turbine jährlich 300 000 Kilowattstunden Strom am EVO-Standort an der Danziger Straße zusätzlich – der Strombedarf eines Jahres von 60 Haushalten.

Die Energieversorgung Oberhausen spart circa 90 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ein und kann gleichzeitig seine Energiekosten senken.

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