Moskau-Visite

Oberhausener traf Gorbatschow – „ein einmaliges Erlebnis“

Karl Schumacher (li.) und Leo Ensel mit Michail Gorbatschow am Dienstag im Empfangszimmer der Gorbatschow-Stiftung in Moskau; ein Dolmetscher begleitete das Gespräch.

Karl Schumacher (li.) und Leo Ensel mit Michail Gorbatschow am Dienstag im Empfangszimmer der Gorbatschow-Stiftung in Moskau; ein Dolmetscher begleitete das Gespräch.

Foto: schumacher / WhatsApp

Oberhausen / Moskau.  Der Oberhausener Karl Schumacher ist nach Moskau gereist. Um 15 Uhr Ortszeit hatte er am Dienstag einen einzigartigen Termin.

Für den Oberhausener Karl Schumacher wurde dieser 20. August 2019 zu einem der wichtigsten und bewegendsten Tage in seinem Leben: Um 15 Uhr Moskauer Zeit (14 Uhr in Oberhausen) traf er am Dienstag in Moskau den ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Michael Gorbatschow.

Lange hat Karl Schumacher sich um diesen Termin bemüht. Die Visite bildet sozusagen den Schlusspunkt eines jahrzehntelangen Engagements.

Ein besonderer Festakt im Mai 2019 in Osterfeld

Seit Mai 2019 ist Oberhausen die erste Stadt bundesweit, die mit einer Gedenktafel an den im Mai 2017 verstorbenen Russen Stanislaw Petrow erinnert, der 1983 die Welt vor dem atomaren Untergang bewahrte. Für diese Erinnerung hat Karl Schumacher gesorgt, dem das Andenken an Petrows Heldentat seit Jahrzehnten am Herzen liegt. Im kleinen Park an der Vestischen Straße in Oberhausen-Osterfeld wurde die mehrsprachige Gedenktafel aufgestellt.

1983 rettete Stanislaw Petrow die Welt vor dem atomaren Untergang. In der Nacht zum 26. September 1983 meldeten die militärischen Kontrollgeräte in der Satellitenüberwachung Petrow als diensthabendem Offizier einen atomaren Erstschlag der USA. Minutenlang lag das Schicksal der Welt in seinen Händen, denn hätte er den roten Knopf gedrückt, dann hätte unverzüglich der atomare Gegenschlag der UdSSR begonnen. Doch Petrow entschied mit kühlem Kopf, dass es sich um einen Computer-Irrtum handeln müsse.

Visite als Krönung eines jahrzehntelangen Engagements

Der Kalte Krieg, Stanislaw Petrow, die letzten Jahre der Sowjetunion – all das hat Karl Schumacher, der den im Mai 2017 verstorbenen Petrow in den 1990er Jahren in Moskau besuchte und ihn auch in Oberhausen empfing, nicht mehr losgelassen. Jetzt also die Visite bei Gorbatschow, die all das in gewisser Weise krönt.

„Es ist einmalig, man sitzt so jemanden plötzlich gegenüber und das mit einer unglaublichen, gegenseitigen Sympathie“, berichtete Karl Schumacher unmittelbar nach dem etwa halbstündigen Treffen per Handy aus Moskau. Gorbatschow habe geradezu den Eindruck vermittelt, ihn schon lange Zeit zu kennen. „Daraufhin habe ich gesagt, Herr Gorbatschow, ich kenne Sie schon sehr lange.“ Was zu allgemeiner Heiterkeit im Empfangszimmer führte.

Das Treffen fand in der Gorbatschow-Stiftung am Leningradsky Prospect statt. Schumacher: „Die Stiftung residiert dort in einem großen Komplex. Wir mussten noch etwas warten, denn zuvor war noch der Außenminister von Malta da.“

„Danke für Abrüstungsvertrag von 1987“

Schumacher nutzte das Gespräch, um sich bei dem mittlerweile bereits 88-jährigen Gorbatschow für den Vertrag zur Abrüstung der nuklearen Mittelstreckenraketen von 1987 zu bedanken – „Und dafür, dass ich und meine Familie – wie viele Millionen anderer Menschen – seitdem in Frieden leben konnten“, wie der Oberhausener unterstreicht, der von seinem Freund Dr. Leo Ensel begleitet wurde.

Mit herzlichem Händedruck verabschiedeten sich alle voneinander. Schumacher: „Ich bin fix und alle.“ Nach dem Treffen sollte es zum Essen in ein georgisches Restaurant gehen – eine dringend notwendige Stärkung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben