Versicherung

Neunjähriger soll Autos zerkratzt haben – und niemand zahlt?

Ermittler der Polizei beschäftigen sich derzeit mit dem Fall eines Neunjährigen, der rund 50 Autos zerkratzt haben soll.

Ermittler der Polizei beschäftigen sich derzeit mit dem Fall eines Neunjährigen, der rund 50 Autos zerkratzt haben soll.

Foto: Lars Heidrich

Oberhausen.   Ein neunjähriger Junge soll 50 Autos in Oberhausen zerkratzt haben. Die Halter könnten auf den Kosten von rund 50.000 Euro sitzen bleiben.

Diese Nachricht hat für viel Aufsehen gesorgt: Ein gerade einmal neun Jahre alter Junge soll in der vergangenen Woche insgesamt 50 Autos zerkratzt und so einen Schaden von rund 50.000 Euro verursacht haben. Etliche Anfragen gehen seitdem bei der Pressestelle der Polizei ein; etliche Fernsehsender und Zeitungen wollen wissen, was genau passiert ist. Doch während sich Polizei und Staatsanwaltschaft zum Schutz des Kindes sehr bedeckt halten, treibt vor allem die Besitzer der beschädigten Autos eine Frage um: Wer kommt für den Schaden auf?

Im schlimmsten Fall niemand. Denn die eigene Versicherung zahlt nur, wenn die Halter der Autos bestimmte Zusatzklauseln vertraglich abgeschlossen haben. Und die Eltern des Kindes, sollte es denn tatsächlich für die Kratzer verantwortlich sein, können nur dann belangt werden, wenn ihnen nachgewiesen wird, dass sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Versicherung mit Zusatzleistung

Auf eine Erstattung der Kosten können Halter hoffen, wenn ihre private Haftpflichtversicherung eine sogenannte Forderungs-Ausfalldeckung beinhaltet inklusive eines Gewaltopferschutzes. Das erklärt Ingo Aulbach, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute im Bereich Rhein-Ruhr. Bei den Klauseln handelt es sich allerdings um Zusatzleistungen; vor allem viele Besitzer älterer Autos dürften beim Abschluss ihrer Versicherung auf diese kostenpflichtigen Zusatzleistungen verzichtet haben.

Auch juristisch ist der vorliegende Fall kompliziert. Sollte das Kind die Autos zerkratzt haben, so ist es mit neun Jahren nicht strafmündig. „Eine rechtliche Verfolgung scheidet somit aus“, erklärt Jens Kassen, der als Oberhausener Anwalt unter anderem auch für die Verbraucherzentrale tätig ist. Die Halter der beschädigten Autos könnten aber einen zivilrechtlichen Anspruch geltend machen. Problem: Minderjährige haften nicht. „Es sei denn, ein Richter bescheinigt ihnen eine sogenannte Einsichtsfähigkeit“, erklärt Kassen. Bei einem Neunjährigen ist dies jedoch recht unwahrscheinlich.

Schwierige Beweisführung

Um die Eltern zur Verantwortung zu ziehen, braucht es einen Nachweis, dass sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Eine solch schwierige Beweisführung wäre etwa gegeben, wenn sie ihren Sohn wissentlich alleine lassen, obwohl dieser in der Vergangenheit Ähnliches angestellt hat. Der Junge soll die Autos, so sagen es Zeugen, auf dem Weg von der Schule nach Hause zerkratzt haben.

Zeugen brachten Neunjährigen ins Gespräch

Die Polizei Oberhausen hatte berichtet, dass zunächst am Mittwochnachmittag ein oder mehrere Vandalen Autos an der Alstadener und Derfflingerstraße sowie am Breitenbruch zerkratzt hatten.

Am Freitag war es dann an ähnlicher Stelle zu weiteren Beschädigungen gekommen. Zeugenhinweise führten auf die Spur des Neunjährigen. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an.

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