Verwaltung

Mitarbeiter raten von Jobs in Stadtverwaltung Oberhausen ab

Das Ende der papierenen Ratsvorlage scheint in Oberhausen gekommen. Das Rathaus rüstet auf IPad um.

Das Ende der papierenen Ratsvorlage scheint in Oberhausen gekommen. Das Rathaus rüstet auf IPad um.

Foto: Ulla Emig / wazfotopool

Oberhausen.   Laut Umfrage des Personalrats würden 61 Prozent der Mitarbeiter in der Oberhausener Stadtverwaltung ihrem besten Freund von einem Job bei der Stadt abraten. 2005 hätten noch 67 Prozent ihren Job weiterempfohlen. Für die Verwaltungsspitze ist diese Erhebung jedoch alles andere als repräsentativ.

Freunden wünscht man nur das Beste – ein Job im Oberhausener Rathaus gehört offenbar nicht dazu. Das jedenfalls legt eine Befragung nahe, die der Personalrat unter den Beschäftigten durchgeführt hat. „Würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen, in der Stadtverwaltung Oberhausen zu arbeiten?“ Nein, antworteten 61 Prozent der Teilnehmer.

Bei der vorherigen Umfrage im Jahr 2005 hatten dagegen 67 Prozent bekundet, sie würden ihrem besten Kumpel den Verwaltungsposten in Oberhausen durchaus ans Herz legen. Der Personalrat sieht sich durch dieses und andere Ergebnisse darin bestätigt, weite Teile der Belegschaft seien überlastet. Er untermauert damit seine Kritik am „Stärkungspakt Stadtfinanzen“, vor dessen Hintergrund in den kommenden zehn Jahren mindestens 100 Stellen abgebaut werden sollen. Die Verwaltungsspitze wiederum macht an die Erhebung und die Schlussfolgerungen des Personalrats manches Fragezeichen.

Stadt meldet Zweifel an Statistik an

Neben Fragen von Motivation und Zufriedenheit ging es dabei vor allem um die konkrete Arbeitsbelastung und um gesundheitliche Beschwerden der Beschäftigten sowie um die Informationspolitik der Verwaltung im Rahmen des Sparprozesses. Fast alle Ergebnisse, die der Personalrat nun dem Oberbürgermeister und den Mitgliedern des Rates vorgelegt hat, zeugen von einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen.

So gaben 56 Prozent der Teilnehmer an, sie fühlten sich durch größere Arbeitsmengen stark oder sehr stark belastet. 2005 waren es 44 Prozent. 32 Prozent bezeichnen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut, 2005 waren es noch 43 Prozent. 32 Prozent beurteilen ihren Zustand als ausreichend bis mangelhaft (2005: 19 Prozent). Mit dem Interesse der Verwaltungsführung für die Mitarbeiter äußerten sich 78 Prozent als unzufrieden.

„Natürlich haben auch wir ein Interesse an motivierten, gesunden Kollegen“, so der städtische Personaldezernent Jürgen Schmidt. Manches der in der Umfrage angesprochenen Probleme erkennt er durchaus an, lässt aber Zweifel an der Repräsentativität der Untersuchung anklingen.

Belastungen abbauen – Personal aber auch

Laut Personalrat haben sich 801 von 2122 angeschriebenen Beschäftigten an der Umfrage beteiligt. Die Quote von 37,8 Prozent sei Ausweis des „hohen Interesses der Beschäftigten an der Befragung“, so der Personalrat in seinem Schreiben an den Oberbürgermeister und die Ratsmitglieder. Es handele sich um „Signalhinweise der Beschäftigten“, die Ergebnisse müssten „zwingend Beachtung finden“.

Personaldezernent Jürgen Schmidt relativiert: „Ich halte die Quote für eher gering.“ Er hätte sich eine Einbindung der Verwaltung und des städtischen Bereichs für Statistik gewünscht. Auch sei der Zeitpunkt der Befragung aus seiner Sicht unglücklich gewählt. „Kurz vor der Fertigstellung des Haushaltskonsolidierungsplans gab es viele zusätzliche Belastungen. Schon im Herbst wäre die Botschaft sicher eine andere.“

Thema Personalausstattung bleibt präsent

Nun bleibt das Thema Personalausstattung gleichwohl präsent – die Kürzungspläne aus dem nun verabschiedeten Sparpaket müssen umgesetzt werden. Schmidt sieht jedoch keinen Widerspruch darin, dass Stellen wegfallen sollen, obwohl mancher Bereich anerkanntermaßen zu viel Arbeit zu schultern habe.

„Da, wo Überlastungen sind, müssen wir versuchen, sie abzubauen. Wir wollen aber auch Stellen abbauen und uns dabei vor allem auf die demografische Entwicklung stützen.“ Angesichts dieser Aufgabe halte er Mitarbeiterbefragungen für richtig. „Uns liegt daran, die Dinge, die der Personalrat angesprochen hat, zu diskutieren.“ Eine solche Erhebung müsste aber umfassender sein. Bisher habe die Stadt eine solche eigene Befragung seiner Kenntnis nach nicht durchgeführt.

38 % fühlen sich über Sparpaket schlecht oder gar nicht informiert

Überhaupt, räumt Schmidt ein, gebe es bei der Kommunikation zwischen Stadt und Mitarbeitern Verbesserungsbedarf. Das habe sich bei der Erarbeitung des Sparpakets gezeigt – und das spiegelt auch die Umfrage wider. „Wie gut sind Sie über die Hintergründe des Haushaltssanierungsplans informiert?“, wollte der Personalrat wissen. Auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht) bis 5 (sehr gut informiert), vergaben 23 Prozent eine 4 oder 5. Dagegen fühlten sich 38 Prozent überhaupt nicht oder schlecht informiert.

Ein weiteres in der Umfrage auftauchendes Problem erkennt Schmidt ebenfalls an. „Zur Mitarbeitermotivation gehört auch, dass man Leute fördern kann.“ Das sei angesichts der eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten Oberhausens, was etwa Höhergruppierungen und unbefristete Arbeitsverträge angehe, bislang schwierig.

In der Befragung gaben 43 Prozent an, sie fühlten sich durch mangelnde Weiterentwicklungsmöglichkeiten stark oder sehr stark belastet. Durch den Stärkungspakt sollen sich hier neue Spielräume für die Stadt ergeben. Schmidt: „Ich bin überzeugt, dass wir da jetzt die Chance haben, die Rahmenbedingungen zu verbessern.“

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