Jugendkriminalität

„Kurve kriegen“ für straffällige Kinder auch in Oberhausen

Oberbürgermeister Daniel Schranz und Polizeipräsident Ingolf Möhring unterzeichnen den Vertrag.

Oberbürgermeister Daniel Schranz und Polizeipräsident Ingolf Möhring unterzeichnen den Vertrag.

Foto: Fabian Strauch

Oberhausen.  Projekt „Kurve kriegen“ gibt es jetzt auch in Oberhausen. Schon Achtjährige werden manchmal kriminell. Bisherige Programme sprechen ältere Täter an.

Mit Hilfe des NRW-Präventionsprojektes „Kurve kriegen“ sollen bereits jüngste Straftäter wieder auf den rechten Weg gebracht werden. Im August startet „Kurve kriegen“ in Oberhausen. Oberbürgermeister Daniel Schranz und Polizeipräsident Ingolf Möhring vereinbarten am Montag einen entsprechenden Kooperationsvertrag.

109 Straftaten

Was passiert, wenn man straffällige Kinder nicht stoppt, verdeutlichte Projektleiter Martin Bornträger am Montag. Er forderte zwei seiner Kollegen auf, eine fünf Meter lange Papierrolle auseinanderzuziehen. Die Gäste in einem Konferenzraum des Polizeipräsidiums sahen so auf einen Blick die Eckdaten der kriminellen Karriere eines jetzt 20-jährigen Mannes. Im Alter von acht Jahren startete er seine traurige Laufbahn. Brachte es bis heute auf 109 Straftaten mit fast 100 Opfern und einem volkswirtschaftlichen Schaden von 1,7 Millionen Euro.

Mit dem NRW-Präventionsprojekt „Kurve kriegen“, sollen solche Lebensläufe gestoppt werden. Das Projekt, für das eine in der Kinder- und Jugendhilfe erfahrene Fachkraft engagiert wird, richtet sich an Kinder ab acht Jahren. So sollen schon die jüngsten Straftäter wieder auf den rechten Weg gebracht werden. „Wenn wir mit unserem Jugendprogramm an die 14-Jährigen herantreten, treffen wir auf fertige Täter“, sagte Kriminaldirektor Uwe Mainz über die Kinder, die so sehr jung auf die schiefe Bahn geraten.

Eltern müssen zustimmen

In Oberhausen sprach Werner Nakot, Leiter der Präventionsdienststelle der Polizei, von gut 100 Kindern im Alter von acht bis 13 Jahren, die zumindest schon straffällig geworden seien. „Bei 25 Kindern treffen Voraussetzungen für eine Aufnahme in das Projekt zu“, sagte Nakot. Sie hätten mindestens eine herausragende Gewalttat und drei Eigentumsdelikte begangen. Bei acht dieser Kinder seien bereits die Eltern straffällig geworden. Nakot schätzt: „Wir werden das Programm mit zehn bis 15 Kindern starten.“

Dabei entscheiden die Eltern, ob ihr Kind teilnimmt oder nicht. Sie müssen ihr Einverständnis geben, damit dem Nachwuchs geholfen werden kann durch aktive Unterstützung durch Fachkräfte, individuelle Förderung, etwa Sprachkurse, Lernhilfen oder Anti-Aggressionstraining und das Aufzeigen von neuen Wegen und Perspektiven. Wobei „Kurve kriegen“ als sehr erfolgreich gilt. „Nach einer Studie der Prognos AG werden 40 Prozent der Teilnehmer nicht mehr straffällig“, sagte Bornträger. Insgesamt seien Häufigkeit und Schwere der Straftaten gesungen. „Mit jedem Euro, den wir ausgeben, werden 3,22 Euro eingespart“, erklärte Bornfelder mit Blick auf den volkswirtschaftlichen Schaden, den Straftäter verursachen. Das Projekt läuft seit 2011 in acht Städten, jetzt kommen elf weitere dazu.

„Wir fangen in Oberhausen mit der Prävention nicht bei Null an“, stellte der Polizeipräsident klar. Verschiedene Projekte führten zu sehr guten Erfolgen bei jungen Intensivtätern, von denen es jetzt noch 17 gibt, anfangs mal über 50.

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