Die Grippewelle hält Hausärzte, Krankenhäuser, Unternehmen und Stadtverwaltung in Oberhausen seit Januar hartnäckig im Griff – die neue Kältewelle verlängert nach Angaben von Medizinern auch noch diese Periode mit hohen Fehlzeiten und lebensgefährlichen Zuständen insbesondere für ältere geschwächte Oberhausener.
Krankenhäuser wie das Katholische Klinikum (KKO) mussten sogar schon nicht so dringende Operationen verschieben, weil die Intensivstationen mit zu vielen Grippekranken belegt waren. Doppelzimmer werden wegen der hohen Ansteckungsgefahr nur mit einzelnen Grippepatienten belegt – dies raubt den Stationen den Platz, um andere Kranke unterzubringen.
„Für uns ist diese Grippewelle eine enorme Belastung. Es gibt nicht deutlich mehr Fälle als in den vergangenen Jahren, aber wir haben mehr schwere Fälle – vor allem ältere Menschen“, sagt Prof. Claus Niederau, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St.-Josef-Hospital (KKO). In den warmen Tagen der vergangenen Woche sei die Grippewelle aber bereits langsam wieder abgeflaut; dieser Trend könnte allerdings durch die neue Zeit der Kälte wieder gestoppt werden. „Bis Ostern dürfte aber auch diese Grippe überstanden sein.“ Bis jetzt habe das KKO zum Glück keinen Todesfall durch Grippe zu verzeichnen; in ganz Deutschland seien daran bereits 500 Menschen gestorben.
An fünf Tagen 20 Patienten
Das Evangelische Krankenhaus Oberhausen (EKO) muss seit Anfang Februar vermehrt Grippepatienten aufnehmen. Zuletzt seien an nur fünf Tagen rund 20 Patienten mit eindeutigen Grippesymptomen in das Krankenhaus aufgenommen worden, sagte eine EKO-Sprecherin. „Auf der Intensivstation liegen zwei Patienten mit dem Virus der Influenza.“
Die Helios-Klinik St. Elisabeth meldet: „Die Zahl der erkrankten Grippepatienten ist weiterhin auf hohem Niveau. Wir gehen aber davon aus, dass der Höhepunkt der Grippewelle erreicht ist.“
In manchen Städten legten die Grippeviren den öffentlichen Nahverkehr fast lahm, weil so viele Busfahrer erkrankten. Verspätungen und sogar Ausfälle mussten die Kunden der Ruhrbahn in Essen und Mülheim im Februar und März hinnehmen – weil so viele Ruhrbahn-Fahrer im Bett bleiben mussten. Auch bei der Stoag lag der Krankenstand mit 13 bis 14 Prozent der Mitarbeiter sehr hoch. Busse und Bahnen fielen aber nach Angaben der Stoag nicht aus. „Die Mitarbeiter, die noch im Einsatz waren, leisteten Überstunden.“ Erfreulicherweise sei der Krankenstand jetzt rückläufig.
Während das EKO von einem üblichen Krankenstand bei Mitarbeitern in der Winterzeit spricht, räumt man beim KKO ein, dass die Krankheitswelle auch in der Belegschaft spürbare Folgen hat – ähnlich wie in Bochum.
Die Gewerkschaft Verdi nutzt die Grippewelle, um auf Personalprobleme in Kliniken hinzuweisen. „Es fehlen viele Kräfte. Wir bedanken uns bei den unermüdlichen Kämpferinnen in den Krankenhäusern, die oft auf Pausen und ein geregeltes Familienleben verzichten“, schreibt Björn Jadzinski vom Bezirk Ruhr-West. Die Politik müsse dafür sorgen, dass mehr Personal an Kliniken vorgehalten werde.


