Junge Klassik

Klaviertrio lässt frech Mendelssohns Kobolde wirbeln

Jamina Gerl am Flügel im Ebertbad – hier bei ihrem Solo-Recital des Vorjahres.

Jamina Gerl am Flügel im Ebertbad – hier bei ihrem Solo-Recital des Vorjahres.

Foto: Kerstin Bögeholz / Funke Foto Services

Oberhausen.  Das Klaviertrio mit Jamina Gerl, Karina Buschinger und Aiki Mori-von Schnitzler gestaltet die 202. Matinee des Künstlerfördervereins im Ebertbad.

Wie die Pianistin Jamina Gerl zu Beginn der 202. Matinee des Künstlerfördervereins erläuterte, war das Programm zusammengestellt im Hinblick auf den 200. Geburtstag von Clara Schumann am 13. September. Neben deren letzten, Robert Schumann gewidmeten Werk ging es um Musik aus ihrem Umkreis: Robert Schumann, Johannes Brahms, die Geschwister Felix Mendelssohn-Bartholdy und Fanny Hensel.

Gleich zu Beginn zeigte Jamina Gerl am Flügel ihre bekannten Qualitäten: Clara Schumanns Variationen über ein Thema von Robert Schumann gerieten zu einem abgrundtiefen Selbstgespräch, das in einem farbig durchschaubaren Geflecht verästelte Seelenschwingungen freilegte. Dass bei ihr auch einfache Melodien atmen und schwingen wie lebendige Organismen, zeigte sich in Mendelssohns „Gondellied“, das sie nahtlos übergehen ließ in die „Tarantella“ von Fanny Hensel, für deren virtuose Ausgelassenheit deutlich der Schlusssatz aus der „Italienischen Sinfonie“ des Bruders Pate stand.

Romantische Expressivität hinreißend ausgespielt

Zur Bereicherung des Programms trugen Violinistin Karina Buschinger und Cellistin Aiki Mori-von Schnitzler bei. Brahms´ lyrisch strömende Violinsonate in A-Dur kam bei aller Melodienseligkeit etwas verhalten und mit leicht melancholischem Unterton. Möglicherweise hat man sich durch Brahms` Bezeichnung „Sonate für Klavier und Violine“ veranlasst gesehen, den Part der letzteren etwas zurückzunehmen.

Ähnlich stellte sich die Situation dar in Robert Schumanns „Fantasiestücke“ op. 73 für Cello und Klavier, wo allerdings besonders im dritten Stück der Zugriff der Cellistin präsenter und energischer wurde. Ein ganz anderes Bild zum Schluss bot der Höhepunkt des Programms, das Klaviertrio d-moll von Mendelssohn-Bartholdy. Dessen romantische Expressivität wurde hinreißend ausgespielt im Wechsel von schwingenden Melodiebögen und stürmischem Drängen. Ein Paradestück das Scherzo: Da wirbelten alle Kobolde des „Sommernachtstraums“, nur viel frecher und rabiater. Das musste natürlich als Zugabe wiederholt werden.

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