Junge Klassik

Kabinettstückchen farbig glänzenden Klavierspiels

Mit Franz Liszts höllisch schwieriger „Dante-Sonate“ bewies Jamina Gerl ihre hohe Klasse

Mit Franz Liszts höllisch schwieriger „Dante-Sonate“ bewies Jamina Gerl ihre hohe Klasse

Foto: Kerstin Bögeholz

OBERHAUSEN.   Jamina Gerl beeindruckt in der letzten Klassik-Matinée des Jahres im Ebertbad. Hohe Virtuosität gerät bei ihr nie zum Selbstzweck.

Die bereits weltweit gelobte junge Pianistin Jamina Gerl hat schon mehrere Male im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr ein Recital gegeben. Jetzt hat sie auch den Weg ins Ebertbad gefunden zur 196. Matinée des Künstlerfördervereins und dort überzeugend bewiesen, dass sie zu Recht in den Kreis jener aufgestiegen ist, die vom Veranstalter als „Weltelite der Pianisten“ apostrophiert werden.

Ihr Programm spiegelte im ersten Teil noch den Schwerpunkt „Frankreich“ des Klavierfestivals vom vergangenen Sommer: In Camille Saint-Saëns teilweise hochvirtuosem „Album für Klavier“ op. 72 machte sie aus jedem Teil ein Kabinettstückchen der Ausdruckskunst. Das melancholisch-zergrübelte, aber doch französisch-klare Nocturne in es-moll von Gabriel Fauré konnte den Satz eines ausgewiesenen Frankreich-Kenners ins Gedächtnis rufen: „Frankreich ist das Land der richtigen Gefühle“.

Virtuosität wurde nie zum Selbstzweck

Magische Vergegenwärtigung erfuhren in glühenden und wieder verdämmernden Farben Maurice Ravels „Wasserspiele“ und die „Insel der Freude“ von Claude Debussy, inspiriert von den Rokoko-Gemälden Antoine Watteaus.

Francesco Petrarcas für einen Poeten des 14. Jahrhunderts unerhört frei schwebende Subjektivität findet in Franz Liszts „Petrarca-Sonetten“ ein Pendant, dem Jamina Gerl eine faszinierende Transzendenz verlieh. Auch in der abschließenden „Dante-Sonate“ mit ihren horrenden Schwierigkeiten ließ sie die Virtuosität nie zum Selbstzweck werden, sondern verwandelte die wild tobende Chromatik der Dante’schen „Hölle“ in schmerzlich-hoffnungsvollen Gesang.

Danach war ein stilles, am Schluss offen bleibendes „Adagio“ von Robert Schumann die passende Zugabe. Dass die Pianistin zu ihrem anspruchsvollen Programm kurze Erläuterungen gab, vergrößerte noch zusätzlich die Aufnahmebereitschaft der Zuhörer.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben