Antisemitismus

Jüdische Gemeinde: Unbekannter klebt antisemitische Sticker

Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg haben im Dezember vergangenen Jahres die Chanukka-Kerzen auf dem Oberhausener Weihnachtsmarkt geleuchtet.

Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg haben im Dezember vergangenen Jahres die Chanukka-Kerzen auf dem Oberhausener Weihnachtsmarkt geleuchtet.

Foto: Kerstin Bögeholz

OBERHAUSEN.   Ein Unbekannter hat im März Aufkleber mit antisemitschem Inhalt an die Räume der Oberhausener Gemeinde „Perusch“ geklebt. Polizei ermittelt.

Die Jüdische Gemeinde ärgert sich über zwei Aufkleber, die Unbekannte in direkter Nähe der Gemeinderäume am Friedensplatz angebracht haben. Auf den Stickern prangte die Forderung, die bekannte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck zu rehabilitieren. Der Inhalt ist somit eindeutig als antisemitisch einzustufen.

Von dem Vorfall, der sich bereits im März ereignete, wurde erst nichts bekannt. „Unsere Gemeindemitglieder haben die Aufkleber umgehend entfernt“, erklärt Lev Schwarzmann, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde „Perusch“. Angezeigt wurde die Tat nicht.

Bündnis solidarisiert sich mit jüdischer Gemeinde

An die Öffentlichkeit gebracht hat sie das Antifaschistische Bündnis in Oberhausen. In einer Pressemitteilung solidarisiert sich dessen Sprecher Dirk Paasch mit der Gemeinde. „Mit Abscheu“ habe das Bündnis den Vorfall zur Kenntnis genommen. Die Gruppe fordert daher nun nicht nur mehr Schutz für die Jüdische Gemeinde durch die Polizei, sondern auch eine Anlaufstelle gegen Antisemitismus und Rassismus. Das zuständige Polizeipräsidium in Essen erklärt auf Nachfrage, dass die Polizei „jederzeit für die Gemeinde als Ansprechpartner zur Verfügung steht“.

Das Präsidium erfuhr erst durch die Anfrage unserer Redaktion von dem Vorfall – und hat nun nachträglich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

15 antisemitische Straftaten in 2018

Eine deutliche Steigerung an antisemitischen Straftaten können die Beamten des Staatsschutzes für Oberhausen nicht erkennen. Zwar hat sich die Zahl der Straftaten 2018 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt – allerdings nur durch einen einzelnen Verdächtigen. Für 2018 zählen die Experten 15 antisemitische Straftaten, 2017 waren es sieben.

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