Konzert

Israelische Sängerin Noa begeistert im Theater Oberhausen

Die israelische Sängerin Achinoam Nini, international als Noa bekannt, mit ihrem Gitarristen Gil Dor.

Die israelische Sängerin Achinoam Nini, international als Noa bekannt, mit ihrem Gitarristen Gil Dor.

Foto: Sven Thielmann

OBERHAUSEN.   Sie sang, plauderte und machte sogar an den Percussions eine gute Figur: Die international gefeierte Noa war zu Gast in Oberhausen.

Ob Achinoam Nini, als sie mit 16 Jahren als Gast des Jugendaustauschprogramms „Multi“ in Oberhausen lebte, den schönen Ruhrgebietssatz „Kommse nich heute, kommse morgen…“ kennenlernte? Nun, ganz so schlimm kam es bei ihrem exklusiven Konzert – dem einzigen Deutschland-Auftritt in diesem Jahr – im ausverkauften Theater Oberhausen nicht. Doch hatten 25 Minuten Verspätung mehr als nur den Ruch von Popstar-Attitüde, den man der als Noa gefeierten Sängerin aus Israel durchaus zubilligen kann.

Umso erfreulicher, dass sich die 48-Jährige vom Fleck weg als ausgesprochen warmherzige und charmante Persönlichkeit ohne Allüren erwies. Mit einer großen, raumgreifenden Stimme in mädchenhaft höheren Lagen, die sich im Laufe des bewegenden Abends als ungemein wandlungsfähig erwies und in ihren besten Momenten für Gänsehaut-Feeling sorgte.

Niveau rührt zu Tränen

Musikalisch ist Noa klar im Singer-/Songwriter-Genre zu verorten, wobei sie dank ihrer jemenitschen Herkunft – „auf die ich sehr stolz bin“ – und einer großen Offenheit für andere Klangwelten auch Elemente aus Pop, Folk, Weltmusik und Jazz in ihre meist kurz betitelten Stücke einbringt. Was zusammen mit dem flirrenden Saitenzauber ihres langjährigen Partners Gil Dor, einem hochvirtuosen Gitarristen von erstaunlich weit gefächertem Klangspektrum, eine hinreißende Strahlkraft entfaltete.

Da erinnerten die englischen Songs mal an die Helden ihrer Jugend wie Paul Simon, erkannte man in den reduziert gezupften Wanderklampfen-Akkorden den Hintergrund von Leonard Cohen – nur ohne dessen textliche Lakonie –, dann brachte Gil Dor das Kunststück fertig, seine Nylon-Strings wie rockige Stahlsaiten klingen zu lassen. Rhythmisch buntschillernd, gern auch mal perkussiv, was Noa nicht allein mit ihrer faszinierenden Stimme überglänzte, sondern auch verblüffend kompetent an Congas und Frame-Drum bereicherte. Das wirkte zunächst illustrativ und unscheinbar, fand dann aber in einem klug konzipierten Solo zu aberwitziger Intensität auf einem Niveau, das selbst gestandene Perkussions-Artisten der ersten Liga zu Tränen gerührt hätte.

Zwischendurch plauderte Noa immer wieder über ihre Lieder und deren Geschichte. Etwa zu „Motor Lullabies“, einem musikalischen Road Movie, wo sie Andre Zimmermann am Cajon eine rasante Gastrolle bot. Bewegend ihre in orientalischen Farben funkelnde Version eines uralten Songs über das harte Schicksal jemenitischer Frauen, den sie als Kind von ihrer inzwischen 95-jährigen Großmutter lernte. Da zeigte sich kurz ihr politisches Engagement, für das Noa in ihrer Heimat durchaus umstritten ist – setzt sie sich doch für die Aussöhnung von Palästinensern und Israelis ein. Und dann berichtete sie, dass die Wurzeln dafür in Oberhausen lägen: „Ihr könnt stolz sein auf Multi!“

>>> GEBOREN IN TEL AVIV, AUFGEWACHSEN IN NEW YORK

Achinoam Nini wurde 1969 in Tel Aviv geboren, ihre Eltern stammen aus Jemen. Aufgewachsen ist sie in New York, mit 17 Jahren kehrte sie in ihre Heimat Israel zurück. Dort lebt sie auch heute noch, mit ihrem Mann und ihren drei Kindern.

1997 sang die als Noa bekannte Sängerin den Titelsong zu Roberto Benignis oskarprämiertem Film „Das Leben ist schön“. 2009 vertraten sie und die palästinensische Sängerin Mira Awad Israel beim Eurovision Song Contest – und belegten Platz 16.

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