Ludwiggalerie

Hollywood-Effekte: Wie Stars früher in Szene gesetzt wurden

Linda Schmitz im nachempfundenen Instagram-Fenster führte am Samstag neun Bloggerinnen und Blogger durch die Ausstellung „Hollywood Icons“ in der Ludwiggalerie.

Linda Schmitz im nachempfundenen Instagram-Fenster führte am Samstag neun Bloggerinnen und Blogger durch die Ausstellung „Hollywood Icons“ in der Ludwiggalerie.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Heutige Stars pflegen selbst ihr Image via Instagram. Frühere Stars wurden gezielt in Szene gesetzt. Blogger spürten diesen Fotoeffekten nach.

Zumindest die Fernsehzuschauer der 70er und 80er Jahre kennen sie alle, Hollywoodgrößen wie Katherine Hepburn, Grace Kelly, Marlon Brando oder Humphrey Bogart. Dabei ist die Ausstellung „Hollywood Icons“ in der Ludwiggalerie weniger ihnen gewidmet, als jenen größtenteils unbekannten Top-Fotografen, deren Aufnahmen für Kino-Plakate oder von den Dreharbeiten am Set sie erst berühmt gemacht haben.

Freier Eintritt für Bloggerinnen und Blogger

Neun Bloggerinnen und Blogger hatten am Samstag freien Eintritt bei einer Führung mit Linda Schmitz. Auf diese Weise pflegt das Oberhausener Museum seine Kontakte in die neue Medienszene des Internets.

Bettina Blass, freie Journalistin aus Köln, und ihr Mann Jörg Düspohl gehörten zu dem kleinen Kreis. „Meine Internetseite hat zwar nur 6000 Aufrufe im Monat“, berichtete sie. Aber immerhin seien darauf rund 750 Beiträge aus journalistischer Feder zu finden. „Op Jueck“ heißt sie in kölscher Mundart, was so viel bedeutet wie „unterwegs sein“. Es sind Berichte von Reisen und Ausflügen in NRW, die Blass darauf einstellt und die ihrerseits auch zum Besuch der Ludwiggalerie animieren. Denn ihren Besuch bei den „Hollywood Icons“ wird Blass dort auch veröffentlichen.

„Das ist noch ganz große Fotokunst“, schwärmte die Kölnerin am Samstag. Bei Bildern mit der Plattenkamera konnten nicht von einem Motiv 20 Aufnahmen gemacht werden, ehe man sich nachher in Ruhe die gelungenste aussuchte. Nach einem oder zwei Versuchen musste es klappen.

Fotowirkung entschied über die Karriere

Wie es klappte, das zeigen die Aufnahmen von Fotografen wie Ernest Bachrach (1899 bis 1973), George Hurell (1904 bis 1992), William Willing jr. (1904 bis 1983) und anderen Lichtbildnern. „Es war wohl damals so, dass die Wirkung eines Künstlers beim Foto-Shooting über seine Filmkarriere entschied“, hatte Blass dem Vortrag von Linda Schmitz entnommen. Hollywood habe seine Stars irgendwie geformt, habe vorgegeben, wie sie wirken sollten. Das hätten sie dann ein Leben lang durchgehalten. „Frauen sind eher als zerbrechliche Wesen gezeigt worden, Männer dagegen als Beschützer“, berichtete Blass.

Das sei so ganz anders als die heute übliche Selbst-Inszenierung zum Beispiel auf Internet-Foren wie Instagram. Deren Kennzeichen ist übrigens das immer gleiche quadratische Fotoformat. Das sollte bei der Führung am Samstag noch eine Rolle spielen. Die Studio-Fotografen hätten jedenfalls nicht viel vom großen Erfolg ihrer Motive gehabt. Sie hätten die Rechte an ihren Bildern an die großen Produktionsgesellschaften abtreten müssen.

Skurrile Geschichten

„Da gab es skurrile Geschichten“, berichtete Katharina Seck, die in der Ludwiggalerie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. So sei beim Fotografen für Marlene Dietrich, den deutschen Filmstar, in Hollywood nicht dessen Fotokunst ausschlaggebend gewesen, sondern seine Deutschkenntnisse. Damit die Dietrich so in Szene gesetzt werde konnte, wie Hollywood sich das vorgestellt hatte.

Jörg Düspohl jedenfalls musste sich mit einer Schablone im Instagram-Bildformat auf die Suche nach jenem der über 200 Schwarzweiß-Fotos in der Ausstellung machen, die exakt zugeschnitten war. Denn die sogenannten Hashtags darunter, Schlagwörter, nach denen man im Internet danach suchen kann, ließen nur ein Bild zu: eine Aufnahme von Charlie Chaplin, wie er auf Zehenspitzen mit dem Rücken zur Kamera steht und durch ein Loch in ein Zirkuszelt lugt. Der Name des Fotografen ist leider nicht überliefert. Der Film von 1927 hieß denn auch „Der Zirkus“. „Dieses Spiel hat noch einmal zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Bild geführt“, lobte Bettina Blass.

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