Stadtgeschichte

GMVA wurde vor 50 Jahren zum Thema in Oberhausen

Ein Blick aus der Vogelperspektive:  die Gemeinschaftsmüllverbrennungsanlage in Lirich.

Ein Blick aus der Vogelperspektive: die Gemeinschaftsmüllverbrennungsanlage in Lirich.

Foto: www.blossey.eu

Oberhausen.  In den 1960er Jahren wurde intensiv über eine städteübergreifende Müllentsorgung nachgedacht. 1972 wurde das Concordia-Kraftwerk zum Müllofen.

Man darf staunen: Heute vor 50 Jahren tauchte erstmals in einer Oberhausener Zeitung (NRZ vom 28. Juli 1966) die Frage nach einer gemeinsamen Müllentsorgung auf. Mittlerweile gehören die Müllöfen am Rhein-Herne-Kanal zum Stadtbild wie der Gasometer oder die Türme von St. Marien.

Was war geschehen? Der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR, Vorläufer des heutigen Regionalverbandes Ruhrgebiet) hatte seit Beginn der 1960er Jahre die Aufgabe erhalten, städteübergreifende Müllentsorgung zu planen. Zu bedenken: Bis dahin kippte so ziemlich jede Gemeinde ihren eingesammelten Müll in mehr oder minder unzugängliche Ecken, planierte sie bisweilen mit Baustoffen oder auch Mutterboden und kümmerte sich ansonsten recht wenig. Ältere kennen vielleicht noch den merkwürdigen Geruch, den solche Deponien verströmten – vom Emscherhauch war er nicht weit entfernt.

Bloß nicht mit RWE verscherzen

In Oberhausen immerhin existierten Pläne, mit den Stadtwerken ein Müllverbrennungskraftwerk in Sterkrade einzurichten. Zuvor hatte Oberhausen sich nicht dazu durchringen können, den „Karnap-Städten“ beizutreten, die gemeinsam ein Müllheizkraftwerk im Essener Nordosten betrieben. Zu weit weg, hieß ein Ablehnungsgrund (obwohl Oberhausener Müllfahrzeuge oft auch die Zentraldeponie Emscherbruch ansteuerten), und der damalige Beigeordnete Raimund Schwarz (später Oberstadtdirektor) ließ durchblicken, einer interkommunalen Großverbrennungsanlage skeptisch gegenüberzustehen.

Im Gespräch waren nämlich Duisburg, Oberhausen und Dinslaken. Schwarz wehrte sich schon deswegen dagegen, weil die Energieversorgung in Stadt- und Landkreisen unterschiedlich geregelt war – mit RWE wollte man es sich nicht verscherzen. Er favorisierte eine Müllverbrennung in Sterkrade und schätzte, dass sie „vor vier Jahren kaum stehen“ dürfte.

Er irrte, denn schon 1968 – auch unter dem Eindruck der Concordia-Stilllegung im März – schlossen sich die Städte Dinslaken, Duisburg, Homberg, Moers, Oberhausen, Rheinhausen und Voerde zum „Zweckverband Gemeinschafts-Müll-Verbrennungsanlage Niederrhein“ zusammen. Und 1972 war dann das 1968 stillgelegte Concordia-Kraftwerk zum Müllofen umgerüstet.

Zum Ende des Jahrtausends verließen außer Duisburg die alten Partner den Zweckverband und wandten sich einer Anlage in Kamp-Lintfort zu. Seit 2002 wird die jetzige „Gemeinschaftsmüllverbrennungsanlage Niederrhein“ (GMVA) als teilprivatisiertes Unternehmen geführt: Remondis hält 49 Prozent, Duisburg 35,83 Prozent und Oberhausen 15,18 Prozent.

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