Ausstellung

Fotos zeigen die Autoschrauber des tropischen Sozialismus

Die Kunst, 60 Jahre alte Autos zu warten: Auf Kuba müssen Autofahrer auch über Mechaniker-Qualitäten verfügen – und über Ersatzteile.

Die Kunst, 60 Jahre alte Autos zu warten: Auf Kuba müssen Autofahrer auch über Mechaniker-Qualitäten verfügen – und über Ersatzteile.

Foto: Hans-Peter Keller

Oberhausen.   Hans-Peter Keller zeigt seine Fotografien einer Kubareise im Osterfelder Bistro Surmann. Die Vernissage beginnt am Freitag 3. Februar, um 19 Uhr.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Havanna Impressionen“ des Fotografen Hans-Peter Keller zeigt das Osterfelder Bistro Surmann, Gildenstraße 11, und lädt ein zur Vernissage am Freitag 3. Februar, um 19 Uhr. In Kubas Hauptstadt fand der passionierte Lichtbildner nicht nur neue Freunde, sondern auch eine individuelle Oldtimer-Szene – logisch, denn „Newtimer“ sind rar auf der Insel des „Socialismo tropical“.

Fotoserien in London, Barcelona und New York

Fotoserien schuf der 61-Jährige in den Metropolen London, Barcelona und New York – aber auch im heimischen Bottrop. Vor seiner Reise nach Kuba hatte Keller über das Internet eine Dolmetscherin kennen gelernt: Miriam, Mitte 70, früher im Staatsdienst der Castro-Insel. „Miriam gefielen meine Fotos“, sagt Hans-Peter Keller, „und sie hielt sofort Ausschau nach einem, wie sie meinte, für mich passenden Guide.“

Und so traf er im Februar 2016 auf Faustino und dessen Sohn. Der Mittsiebziger mit dem klangvollen Namen Faustino De Jesus Zamora Vargas spricht perfekt Deutsch. Kein Wunder, „studierte er doch Germanistik im damaligen sozialistischen Bruderstaat DDR“, lacht Keller. Mit Vater und Sohn Vargas zog der Bottroper los. So fand er einen Auto-Verleih, in dem er für einen perfekt restaurierten Ami-Schlitten 80 Euro zahlte – nicht pro Stunde, sondern für vier Stunden. „Es ist dort alles irgendwie im Fluss, nichts so wirklich in Stein gemeißelt, auf jeden Fall nicht, wenn man mit Einheimischen unterwegs ist“, erzählt Keller.

Gedimmtes Tropenlicht im Februar

So fand er im Februar nicht nur ein wunderbares Licht – oft war es bewölkt und so fielen keine harten Schatten – sondern auch Orte, an denen man als Tourist normalerweise vorbei läuft. Kellers Bilder zeigen Blicke in Hinterhöfe, in denen alte Männer liebevoll altes Metall pflegen. Die riesigen Ami-Schlitten, die dort seit über 60 Jahren Dienst tun müssen, weil es keinen Nachschub gibt. Schon lange sind sie die automobilen Hingucker auf der Karibikinsel. Und in der letzten Zeit gibt es verstärkt Material, sie stilgerecht zu restaurieren. Buicks, Chevrolets, Oldsmobile in pastelligen Retrofarben – oft als Cabrios – bevölkern Straßen und Strand.

Keller inszeniert diese Oldtimer-Flotte vor den alten Kolonialbauten, wie der prachtvollen Oper oder der Kathedrale. Aber natürlich widmet sich der 61-Jährige zumeist den Menschen, die er en passant bei ihrer Beschäftigung oder ganz gezielt aufnimmt. Für einige Motive begab er sich sogar morgens um fünf Uhr auf die Pirsch. Das lohne sich in jeder Stadt, egal ob in Havanna, Paris, Berlin oder New York.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben