Wahrzeichen

Flüchtlinge reparieren Oberhausen-Schriftzug am Berufskolleg

Das Hans-Böckler-Kolleg in Oberhausen - bald mit neuem E.

Foto: Christoph Stark/Kitev

Das Hans-Böckler-Kolleg in Oberhausen - bald mit neuem E. Foto: Christoph Stark/Kitev

OBERHAUSEN.   Verein Kitev hat mit jungen Geflüchteten das E in "Oberhausen" repariert, um der Stadt ein Geschenk zu machen. Am Montag soll es wieder leuchten.

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Noch hat Oberhausen sie nicht mehr alle – zumindest nicht alle Buchstaben auf dem Dach. Doch das soll sich ändern. Ab kommender Woche werden Gäste wieder mit einem vollständigen Schriftzug begrüßt. „Oberhausen – Wiege der Ruhrindustrie“ erstrahlt dann wieder in hell leuchtenden Lettern vom Dach des Hans-Böckler-Kollegs. Über viele Jahre war das erste E im Schriftzug defekt – und verkrüppelte den Stadtnamen zu einem peinlichen „Ob rhausen“. Das Künstlerkollektiv Kitev aus dem Bahnhofsturm hat den Buchstaben nun repariert, gemeinsam mit Jugendlichen, die als Flüchtlinge in der Stadt leben.

Am Montag soll das reparierte E montiert werden. Die zuständige Oberhausener Gebäudemanagement GmbH wird einen Steiger zur Verfügung stellen, bei den Arbeiten wird auch das Kitev-Team dabei sein. Eigentlich sei die Aktion bereits für Weihnachten geplant gewesen, erklärt Kitev-Mitbegründer Christoph Stark.

Ein Geschenk für Oberhausen

Doch eine eingerüstete Fassade hatte den Machern einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Jetzt passt es zwar nicht mehr zur Weihnachtsthematik, aber die Grundidee bleibt: Das E ist ein Geschenk von uns für Oberhausen.“

Als „edler Spender“ möchte Kitev aber nicht gesehen werden. „Uns geht es um das Zeichen, das wir setzen.“ Und das Zeichen, das die geflüchteten Jugendliche setzen wollen: „Sie sind nicht hier, um zu nehmen oder anderen Menschen auf der Tasche zu liegen“, erklärt Christoph Stark. „Sie möchten sich einbringen, sich als Teil dieser Stadt sehen, etwas zurückgeben.“ Das habe er bei der gemeinsamen Arbeit gemerkt.

Das E tourte durch ganz Oberhausen

Mit Herzblut und Perfektionismus waren die jungen Menschen dabei, wollten alles richtig machen. „Ich kann nicht in Worte fassen, wie stolz das Team auf die Arbeit ist.“ Das zeigt auch die Tour, die die Truppe mit „ihrem“ E unternommen hat: Das E vor dem Rathaus, auf dem obersten Deck des Parkhauses in der Innenstadt, am Hauptbahnhof, am Kanal. An all diesen Orten wurde der Buchstabe in Szene gesetzt, hat sich die Gruppe mit ihrer neuen Heimat auseinandergesetzt.

Für Kitev ist das Projekt eines von vielen. Sei es die Belebung des alten Bahnhofturms oder die Aufwertung des sonst verpönten Hochhauses an der Friedrich-Karl-Straße: Kitev will Menschen aktivieren, will Hilfe zur Selbsthilfe geben, sie animieren, für ein glückliches Miteinander einzustehen.

Sich jahrelang über ein fehlendes E aufzuregen, ändert nichts. „Will ich was ändern“, sagt Christoph Stark, „muss ich anpacken“.

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