Für saubere Straßen

Falschparker in Oberhausen nach sieben Minuten abgeschleppt

Wenn Autos im absoluten Halteverbot stehen, dürfen sie sofort abgeschleppt werden – auch ohne konkrete Behinderung. Auf unserem Archivfoto ist ein Beispiel aus Essen zu sehen.

Wenn Autos im absoluten Halteverbot stehen, dürfen sie sofort abgeschleppt werden – auch ohne konkrete Behinderung. Auf unserem Archivfoto ist ein Beispiel aus Essen zu sehen.

Foto: Stefan Arend

Oberhausen.   Ein Oberhausener übersieht ein Verkehrsschild: Sein Wagen im absoluten Halteverbot wird zügig abgeschleppt – wegen der Straßenreinigung.

Die Geschichte des Oberhauseners Benno Talhoff lässt sich eigentlich kurz zusammenfassen. Er kam, er parkte – und schon war sein Auto futsch. Abgeschleppt. „Von 8.27 Uhr bis 8.34 Uhr, für nur sieben Minuten, habe ich mein Auto an der Nohlstraße im absoluten Halteverbot geparkt“, sagt Talhoff. Er wollte in einer nahen Arztpraxis schnell ein Rezept abholen. Durch den Schilderwald an der Straße habe er nicht gesehen, dass Straßenreinigungs-Tag war.

Seit 2012 lässt die Stadt die Straßen in den Bezirken Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld einmal im Monat gründlich reinigen. In den betroffenen Straßenzügen gilt von 7 bis 10 Uhr ein absolutes Halteverbot. Wagen, die dennoch dort parken, werden abgeschleppt.

Fahrer akzeptiert das Verwarngeld

Genau das passierte Benno Talhoff. „Als ich um 8.35 Uhr zum Abstellplatz zurückkam, war mein Pkw bereits durch eine Abschlepp-Firma weggeräumt worden. Auch ein anderer Autofahrer war erstaunt, dass sein Wagen fünf Minuten im absoluten Halteverbot bereits entfernt worden war“, schildert Talhoff.

Ihm ist nach eigener Aussage zwar klar, dass es ein Vergehen ist, im absoluten Halteverbot zu parken. Er akzeptiert deshalb das Verwarngeld. Aber er fragt sich: Wird hier nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen?

Ordnungsamt zeigt kein Verständnis

Da zwei Autos in Windeseile entfernt wurden, lässt vermuten, dass die Abschlepper von der Stadt bereits vorher geordert wurden, um hinter der Straßenreinigung mitzufahren, meint der Oberhausener. Er selbst bezahle in seinem Stadtteil ebenfalls die Straßenreinigung, die in seiner Straße aber nicht immer eingehalten werde.

Dort gebe es wohl nichts zu verdienen. „Also gehe ich davon aus, dass die Reinigungsfahrzeuge gezielt pünktlich Gebiete anfahren, in denen Fahrzeughalter schon mal unerlaubt parken.“ Das sei für ihn eine absolute Abzocke. „Ich finde es übertrieben, dass die Autos so schnell abgeschleppt wurden.“

Beim Ordnungsamt hat man dagegen kein Verständnis für die Falschparker. Diese behinderten die Arbeit der Kehrmaschinen. Deren Fahrern stünde für die Erledigung ihres Jobs nur ein kleines Zeitfenster zu Verfügung. Deshalb würden die Halter festgestellt und die Autos abgeschleppt. Grundsätzlich gelte, zitiert ein Sprecher den Gesetzestext: „In Bereichen, in denen ein Halteverbot angeordnet ist, ist das sofortige Abschleppen zulässig, auch wenn keine konkrete Behinderung vorliegt.“

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