Die verheerenden Erdbeben in der Türkei und in Syrien haben am 6. Februar große Zerstörungen angerichtet und bisher mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet. Die Bilder in den Nachrichten sind kaum zu ertragen. Besonders für die, die das Gebiet kennen, dort Familie und Freunde haben. „Ich kann den Fernseher nicht mehr einschalten“, sagt Metin Şenocak, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Oberhausen. Die Trauer und das Entsetzen seien zu groß. Damit das Gefühl von Ohnmacht nicht die Überhand gewinnt, sind sie aktiv geworden. Ihre neueste Idee: ein Spenden-Basar an ihrem Vereinssitz. Los geht es am Sonntag, 19. Februar.
„So viele Tränen wie in den vergangenen Tagen habe ich in den letzten zehn Jahren nicht geweint.“ Metin Şenocak scheut sich nicht, seine Gefühle zu zeigen. Erst waren es die Berichte im Fernsehen, im Internet, in der Zeitung und im Radio, die ihn erschüttert haben, später dann die Beileidsbesuche bei trauernden Angehörigen, die Verwandte in den Trümmern der eingestürzten Häuser verloren haben. Eine einzige Familie in Oberhausen habe 130 Angehörige zu beklagen, die bei dem Erdbeben gestorben seien. „Wir sind eine große Familie“, zitiert Şenocak das Motto der Türkischen Gemeinde. Dies stehe als Schriftzug an der Wand geschrieben und dies würden sie auch leben. „Es schmerzt uns alle, wenn einem von uns etwas widerfährt.“
Wie kommen die Spenden in die Türkei? Ohne persönliche Kontakte geht nichts
Nachdem die Nachricht vom Beben, dem schrecklichsten seit fast hundert Jahren in dieser Region, die Gemeindemitglieder erreicht hatte, seien sofort Kontakte in die Türkei aktiviert worden. „Ich wurde gefragt, ob wir in unseren Räumen Spenden für die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad sammeln könnten.“ Er habe sofort zugesagt. Kurze Zeit später hätten sie inmitten von Tüten und Taschen voller Kleidung, Decken, Zelte, Windeln und Babybrei gestanden. Es habe auch größere Spenden gegeben: „Von der Firma Radtke haben wir Heizgeräte im Wert von 3000 Euro bekommen.“

Jetzt mussten die vielen Hilfsgüter auf den Weg ins Erdbebengebiet nahe der syrischen Grenze gebracht werden. Auch dies sei dank des großen Netzwerks ihrer Gemeinde möglich gewesen, berichtet Şenocak. Verschiedene Logistikfirmen aus Gladbeck, Essen und Mülheim nahmen die Pakete an. Einiges hätten sie zur zentralen Sammelstelle der Stadt Duisburg in die Feuerwache in Homberg gebracht. Überall, wo noch ein Plätzchen frei war, seien Spenden untergebracht worden. Eine logistische Meisterleistung, die Metin Şenocak und die anderen Helfer viel Kraft gekostet hat. „Ich habe zeitweise nur drei bis vier Stunden geschlafen“, berichtet der 72-Jährige.
Geld fürs Erdbebengebiet: In Gaziantep soll etwas Längerfristiges entstehen
Nachdem diese erste akute Hilfsaktion abgeschlossen ist, wollen die Oberhausener eine längerfristige Idee finanziell unterstützen. In Gaziantep, einer der vom Erdbeben getroffenen Städte in Südostanatolien, plant ein Hilfsverein die Errichtung einer Kindertagesstätte oder Gesundheitsstation. Genaueres stehe noch nicht fest. Metin Şenocak bürgt jedoch persönlich für die Seriosität des Vorhabens. „Ich werde hinfliegen und über den Fortschritt des Projektes berichten“, verspricht er.
5000 Euro hat die Türkische Gemeinde bisher zusammen, weitere 5000 Euro wurden durch verwandtschaftliche Kontakte in der Stadt Telgte im Münsterland gesammelt. Şenocak: „Dort hat sogar der Bürgermeister die Aktion unterstützt.“ Das Geld kommt ebenfalls in den Oberhausener Topf. Jetzt wollen sie die Summe weiter aufstocken, mit Erlösen aus einem Basar, der von Sonntag, 19. Februar, bis Sonntag, 26. Februar, von 12 bis 18 Uhr in den Räumen der Türkischen Gemeinde an der Ackerfeldstraße 21 in Sterkrade stattfindet. Dort werden Kaffee, Kuchen, türkische Spezialitäten und auch andere Dinge zum Verkauf angeboten. Şenocak freut sich darauf: „Es ist ein wunderbares Gefühl, etwas tun zu können.“
>>> Spenden auf das Vereinskonto sind ebenfalls möglich
Wer nicht zum Basar gehen möchte, kann mit dem Vermerk „Erdbebenspende Türkei“ Geld auf das Konto der Türkischen Gemeinde Oberhausen überweisen (IBAN: DE48 3655 0000 0000 1429 50 BIC: WELADED1OBH).


