Kommentar

Die Straßenbahnlinie 105 hat frischen Wind in ihren Segeln

Foto: Funke Foto Services

Oberhausen.  WAZ-Redakteur Michael Bresgott kommentiert die neuen Bemühungen der Politik um eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 105.

Die Weichen werden neu gestellt in Richtung Straßenbahnlinie 105: Alternative und preisgünstigere Trassen werden geprüft, damit der Prellbock an der Endhaltestelle in Essen-Frintrop verschwinden kann und die Tram bis zur Neuen Mitte rollt.

Die Oberhausener Politik sollte diese Chance entschlossen ergreifen. VRR und Regionalverband Ruhr unterstützen weiterhin das Projekt. Finanzmittel stehen zur Verfügung. Und der Zeitgeist hat sich merklich verändert: Die Skepsis gegenüber dem Autoverkehr ist gewachsen, die Klimaschutzdebatte entfaltet mit Greta Thunberg und „Fridays for Future“ eine ungeahnte Durchschlagskraft, und die Zerrissenheit des Nahverkehrs im Ruhrgebiet ist nicht mehr länger ein Thema für ÖPNV-Experten und Fahrplan-Liebhaber, sondern wird in der Mitte der Gesellschaft diskutiert und kritisiert.

Die Politiker als gewählte Repräsentanten sollte den Mut beweisen, das Projekt mit geeigneter Trassenführung erneut aufs Gleis zu setzen und im kommenden Kommunalwahlkampf nicht verdruckst, sondern möglichst offensiv dafür werben. Damit könnten sie gerade auch viele junge Wählerinnen und Wähler neu für sich gewinnen. Denn zu den treuesten Kunden des öffentlichen Nahverkehrs zählen die jungen Menschen, für die Stadtgrenzen kaum eine Rolle spielen und die noch nie verstanden haben, warum in der angeblichen Metropole Ruhrgebiet eine Straßenbahn wie die Linie 105 an der Stadtgrenze drei Kilometer vor dem Centro endet.

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