Das Wunder von Sterkrade

Die Mutter vom guten Rat

Foto: WAZ FotoPool

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Das Gnadenbild in der Clemenskirche hat eine lange Geschichte. Es löst aber auch ganz persönliche Erinnerungen aus.

„Oma Sterkrade”, Muttis Mama, wohnte in der Hamburger Straße. Wenn ich mit meinen Eltern dort zu Besuch war, und das war alles andere als selten der Fall, überließ mein Vater gerne mal großzügig Mutter und Tochter sich selbst und nahm mich bei der Hand zu einem ausgedehnten Spaziergang. Und da mein Vater ein denkbar gottesfürchtiger Mann war, steuerten wir regelmäßig eine Kirche an. Aber nicht, wie man meinen könnte, die nahe gelegene Bernarduskirche. Das Ziel seiner frommen Wünsche war weiter weg – die ganze Brüderstraße runter, noch über die Holtener Straße hinweg zur Clemenskirche liefen wir. Für meine damals schon recht kurzen Beinchen ein ganz schönes Pensum.

Magisch angezogen

Das dortige Gnadenbild der „Mutter vom guten Rat”, das ihn magisch anzog und zum Gebet einlud, hatte bald auch mein kindliches Herz bewegt – und so musste mein Vater gar nicht mehr lange bitten. Im Gegenteil: Ich fragte bei jedem Besuch bei der Oma, ob wir wohl auch wieder „zur schönen Madonna” gingen. Und wir gingen, so viel stand fest.

Bis heute pilgern die Menschen zur Clemenskirche. Sterkrades Geschichte als Wallfahrtsort reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. In historischen Fragen des Stadtteils sind Alfred Lindemann und sein Sohn Ulrich bekanntlich eine Institution. Klar, dass man auf ihrer Homepage auch etwas über die Anfänge des Wallfahrtsortes Sterkrade findet, der zwar nicht so bekannt ist wie Kevelaer, Altötting oder gar Lourdes, gleichwohl auch seine Wunder kannte: „In den Jahren 1738 bis 1748 halfen dem Kloster und der St.-Clemens-Kirche zu Sterkrade wundersame Begebenheiten und Heilungen, die diese Klosterstätte zum Wallfahrtsort aufsteigen ließen. Mehrere trostbedürftige Menschen bezeugten eidesstattlich vor erzbischöflichen Kommissionen, dass sie durch ihr Gebet zur allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, vor ihrem Gnadenbild der 'Mutter vom guten Rat', dem Passauer Mutter-Gottes-Bild, unvorstellbare gesundheitliche Heilung erlangt hätten.”

Nachbildungen

Passauer Bild deshalb, weil es eine Nachbildung aus dem dortigen „Mariahülf-Altar” ist. Dieses Bild wiederum ist eine Nachbildung des zwischen 1517 und 1525 entstandenen Gnadenbildes Mariahilf von Lucas Cranach d. Ä. im Hochaltar des Innsbrucker Doms.

Für mich war, Nachbildung hin, Nachbildung her, das Sterkrader Bild stets ein Original. Und wenn ich heute, viel zu selten, mal wieder die Oase der Ruhe in der Sterkrader Mitte aufsuche und gedankenverloren das Gnadenbild hinter den unzähligen Kerzen betrachte, ist ein Stück Kindheit mit einem Mal wieder zum Greifen nah.

Und es ist fast, als wohnte „Oma Sterkrade” noch immer an der Hamburger Straße. Dabei ist sie von dort schon vor 43 Jahren weggezogen und hat noch elf Jahre in der Elly-Heuss-Knapp-Stiftung gewohnt, wo sie 1977 hochbetagt verstorben ist.

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