Oberhausen. Bauern müssen jetzt mit der Weizen-Ernte beginnen, obwohl die Ähren nicht voll ausgebildet sind. Auch der Mais macht Sorgen.

Seit Wochen hat es in Oberhausen nicht geregnet. Und laut Wetterbericht ist auch in den nächsten Tagen keine Abkühlung von oben in Sicht. Den meisten gefällt das angenehm warme Sommerwetter, aber Landwirt Friedrich von der Bey vom Dieckerhof wünscht sich dringend Regen für seine Felder und sein Getreide. Auf 70 Hektar baut die Familie im Oberhausener Süden Weizen, Mais, Geste und Raps an.

In seiner Brust schlagen derzeit zwei Herzen. „Zum Ernten brauchen wir Sonne, aber das, was noch blüht, braucht jetzt dringend Wasser“, sagt der Juniorchef. Aber bloß keine Unwetter mit Starkregen und Hagel, so wie es sie an den schwül-heißen Tagen im Mai und Juni regelmäßig gab.

Ernte beginnt zwei Wochen früher

Die Ernte läuft auf den Feldern der Familie von der Bey wegen des warmen und trockenen Wetters auf Hochtouren, der Großteil der Gerste ist schon eingefahren. „Die Ernte läuft gut, aber vieles davon ist notreif. Die Ähren sind kleiner und nicht voll ausgebildet“, erklärt Friedrich von der Bey. Am Wochenende wird er wahrscheinlich mit der Ernte des Weizens beginnen, etwa zwei Wochen früher als in vergangenen Jahren. Auch der Mais macht ihm Sorgen. „Der braucht jetzt ganz schnell Wasser, am besten noch heute“, hofft der Bauer. Die Kolben sollten jetzt zu wachsen beginnen, in dieser Phase benötigt der Mais besonders viel Wasser.

Friedrich von der Bey zeigt: Die unteren Körner dieser Weizen-Ähren sind nicht richtig ausgebildet, auch die darüber sind zu klein,
Friedrich von der Bey zeigt: Die unteren Körner dieser Weizen-Ähren sind nicht richtig ausgebildet, auch die darüber sind zu klein, © Gerd Wallhorn

Die Familie von der Bey besitzt auch Grünflächen. Der Juniorchef und seine Mitarbeiter werden in diesem Jahr aber deutlich weniger Heu einfahren. „Nach dem ersten Schnitt kommt nichts mehr“, beklagt Friedrich von der Bey. Es seien nur noch wenige Gräser nachgewachsen. Der zweite Schnitt wird deutlich weniger Ertrag bringen oder vielleicht sogar ganz ausfallen. „Man merkt jetzt auch, dass es in Oberhausen weniger geregnet hat, als in anderen Städten im Ruhrgebiet und am Niederrhein“, sagt Friedhelm von der Bey. Der lockere, sandige Boden könne nicht so gut mit der Trockenheit umgehen.

Auch in den Oberhausener Wäldern macht sich die Trockenheit bemerkbar. Der Deutsche Wetterdienst hat den Waldbrandgefahrenindex in fast ganz NRW auf die Stufe vier (von fünf) hochgesetzt. In Teilen von Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern herrscht sogar die höchste Warnstufe.

Förster in Alarmbereitschaft

„Bürger sollten extrem vorsichtig sein“, sagt Ralf Bögeholz, Sprecher der Oberhausener Gebäudemanagement GmbH, die auch für die Wälder in der Stadt zuständig ist. Die Gefahr sei in Oberhausen aber nicht größer als in anderen Städten. Dennoch: „Die Förster sind natürlich in Alarmbereitschaft.“

Bürger sollten auf keinen Fall im Wald rauchen, Zigaretten fallen lassen oder grillen. „Auch nicht in der Nähe der Wälder“, betont Ralf Bögeholz. Durch die Sonnenstahlen könnten auch Glasscherben ein Feuer entzünden. Deswegen sollten auf keinen Fall Glasflaschen in den Wald geworfen werden. „Diese Regeln gelten natürlich immer“, sagt der OGM-Sprecher, „aber jetzt im besonderen Maße.“

Besonders leicht entzündbar sei Totholz, das auf dem Waldboden liegt. Nadelhölzer seien bei diesem Wetter am gefährdetsten, aber „davon haben wir hier nicht so viele“, beruhigt Ralf Bögeholz.

>>> Bürger sollen Bäume vor der Haustür gießen

Auch das Straßengrün leidet unter der extremen Trockenheit. „Mehr als im üblichen Rahmen kann aber nicht bewässert werden“, sagt OGM-Sprecher Ralf Bögeholz. „Dafür fehlt einfach das Personal.“ Deswegen appelliert die OGM: „Denken Sie auch an die Bäume vor Ihrer Haustür.“ Die OGM ist dankbar für jeden, der eine Gießkanne voll Wasser für das Straßengrün übrig hat. Insbesondere Neupflanzungen sind auf Hilfe angewiesen. „Das Wurzelwerk junger Bäume reicht nach dem Pflanzen nicht bis in die tieferen, feuchteren Erdschichten, um dort genügend Wasser zu ziehen“, erklärt Frauke Ölsner vom Fachbereich Ökologische Planung der Stadt.