Der für August geplante Friedensdorf-Hilfseinsatz nach Afghanistan droht zu scheitern. Der Grund: Das Auswärtige Amt sieht keine Möglichkeit, die für die schwerverletzten und -kranken Kinder benötigten Visa auszustellen. „Wir sind ratlos, verzweifelt und wütend“, sagt Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs. Es sei vor allem die Begründung, die ihn wütend mache, sagt Jacobs: „In einer E-Mail heißt es, dass es aufgrund zu hoher Antragszahlen, wegen Urlaub und Versetzungen nicht möglich sei, die Visa auszustellen.“

Es wäre das zweite Mal, dass die Kinderhilfseinrichtung mit Sitz in Oberhausen und Dinslaken einen Charter-Hilfsflug absagen müsste. Im Herbst 2017 war bereits ein solcher Flug – ebenfalls nach Afghanistan, Zentralasien und in den Kaukasus – aus dem gleichen Grund gescheitert.

Afghanische Helfer vor Ort sind verzweifelt

„Die Visastelle der Deutschen Botschaft in Kabul ist bei einem Anschlag im Mai 2017 beschädigt worden und nicht mehr besetzt,“ erläutert Jacobs. Viele Gespräche mit dem Auswärtigen Amt folgten, um Alternativen zu suchen: „Wir haben Sammelvisa vorgeschlagen. Aber nichts hat geklappt.“ Während der Einsatz im August 2017 abgesagt werden musste, fand sich für den Hilfseinsatz im Februar 2018 eine Lösung: Die Visastelle eines benachbarten Landes sprang ein. Doch auch dazu sieht sich das Auswärtige Amt nun nicht in der Lage.

Jacobs enttäuscht: „Unsere humanitäre Hilfe für Kinder, für die diese Einsätze oft die letzte Überlebenschance sind, droht an administrativen Problemen des Auswärtigen Amtes zu scheitern.“ Bei den Partnern des Afghanischen Roten Halbmondes habe die erneute Hiobsbotschaft Verzweiflung ausgelöst: „Die Menschen verlassen sich darauf, dass wir zweimal im Jahr kommen, um ihren Kindern zu helfen.“

Auch weiterer Hilfsflug ist gefährdet

Ob es noch eine Chance gibt, den Chartereinsatz im August zu fliegen, sei mehr als fraglich. „Wir müssen spätestens nächste Woche entscheiden, ob wir die Kinder aus den ebenfalls betroffenen Ländern Zentralasiens und dem Kaukasus über Linienflüge holen und so auch die in Deutschland behandelten afghanischen Kinder nach Hause bringen“, sagt Jacobs. Das bedeute eine immense logistische Herausforderung: „Zudem müssen wir ein Flugzeug bis zu vier Monate im Voraus chartern.“

Inzwischen habe das Auswärtige Amt in Aussicht gestellt, die Visastelle in Dubai könne einspringen – aber erst im September: „Dann müssten wir alle anderen Aktivitäten wie Projektreisen streichen; das geht nicht.“ Schlimmer sei aber, dass im November der nächste Angola-Hilfsflug ansteht: „So schnell hintereinander kriegen wir nie so viele Krankenhausfreibetten für die Kinder.“