Es gibt sie noch. Diese unerschütterliche Treue, die einen Charakter fest an einen Ort schweißt. 45 Jahre, freilich mit Unterbrechungen versehen, wirkt Schauspieler Hartmut Stanke am hiesigen Theater. Sein fesselndes Spiel als Direktor Bruscon in dem von Peter Carp inszenierten und Thomas Bernhard geschriebenen Bühnenwerk „Der Theatermacher“ brachte ihm am Freitag den ersten Platz des 23. Oberhausener Theaterpreises ein.
Die Jury fand lobende Worte: „Das Notlicht kann ruhig ausgeschaltet bleiben, denn Hartmut Stanke leuchtet mit seiner Stimme den Bernhardschen Text so differenziert aus, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzuhören.“
Man musste nicht um allzu viele Ecken denken, dass der mit 3000 Euro dotierte erste Preis zugleich das beachtliche Lebenswerk des 1943 in Schlesien geborenen und in Göttingen aufgewachsenen Mimen verdient auf ein Podest hob.
Ehrennadel für Intendant Carp
Schon in den 1970er-Jahren spielte Hartmut Stanke mit Horst Butschke und dem unvergessenen Diether Krebs am hiesigen Theater die Komödie „Charleys Tante“.
Der Freundeskreis „Theater für Oberhausen“ prämierte besondere künstlerische Leistungen in der abgelaufenen Spielzeit. Und das Ergebnis der Kritiker-Jury passte dramaturgisch bestens zum Abend. Denn bevor die Inszenierung „Der Theatermacher“ ein letztes Mal über die Bühne lief, erhielt ein anderer Theatermacher, der scheidende Intendant Peter Carp, als anerkennenden Abschied die Ehrennadel der Stadt überreicht. So fügten sich einige Puzzle-Steine zusammen.
Thieß Brammer blieb in „Der Theatermacher“ zwar brillant wortlos, seine Preiswürdigkeit verdiente er sich jedoch in Carps aufwendigster Inszenierung „GB 84“. Der zweite Preis für den 27-Jährigen, mit 2000 Euro dotiert, fällt schwer ins Gewicht. Die Jury meinte: „Zwischen einem Dramen-Personal, das bei GB 84 aus etlichen Zynikern der Macht besteht, opfert Thieß Brammers facettenreiches Spiel diese treue Seele Martin in keinem Moment der Lächerlichkeit. Als Zuschauer bleibt man stets bei ihm.“
Zuschauer wählen eigenen Preis
Eike Weinreich, Schauspieler für die Darstellung des Adam in Neil LaButes „Das Maß der Dinge“, komplettiert das Trio mit dem durch 1000 Euro unterstützten dritten Preis. Die Jury spricht von einem kleinen Theaterwunder: „Er zieht einen in den Bann von Figuren, die scheinbar kein Geheimnis haben. Und wenn man ihnen immer näher und näher kommt, offenbaren sich plötzlich Abgründe, in denen man sich verlieren kann.“
Auch die Zuschauer durften wählen und entschieden sich beim mit 2000 Euro dotierten Publikumspreis für den in Hanau geborenen Jürgen Sarkiss, der seit neun Jahren am Theater Oberhausen mitwirkt.
Nachwuchspreis für Regisseurin Loibner
Den Günther-Büch-Nachwuchspreis erhielt die Regisseurin Andrea Loibner. Die 26-Jährige setzte „Das Maß der Dinge“ um. In der Begründung heißt es dazu: „Eine perfekte optische Entsprechung zu Neil LaButes grandiosem Theaterkniff, der am Schluss richtig weh tut. Ein ausgezeichnetes Regiedebüt.“
Loibner ist auf verschiedenen Ebenen versiert. So wirkt sie musikalisch auch in der Independent-Band „Piloterie“ mit.
>>> Sponsoren stiften die Preistgelder
Alle Auszeichnungen sind mit Geldbeträgen dotiert. Diese stammen von Sponsoren. So beteiligen sich MAN Diesel & Turbo, WBO, Nockmann & Gerstberger und die Stiftung der Sparkasse an der Prämierung.
Der Günther-Büch-Nachwuchspreis in Höhe von 500 Euro wird von einem Cousin des in den 1960er Jahren in Oberhausen wirkenden Theater-Regisseurs gestiftet.


