Gesundheit

Wenn der Glaube an die Wirkung der Medizin fehlt

Dr. Magnus Heier in seinem Vortrag  „Über das getäuschte Gehirn - vom Aberglauben bis zum Noceboeffekt“.

Dr. Magnus Heier in seinem Vortrag „Über das getäuschte Gehirn - vom Aberglauben bis zum Noceboeffekt“.

Foto: Fischer

Herne.   Der Neurologe Magnus Heier berichtete Erstaunliches aus dem Berich der Medizin im Archäologiemuseum.

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Der Vortragsraum im Archäologiemuseum war voll besetzt. Mitarbeiter schleppten noch zusätzliche Klappstühle und Hocker hinein. Magnus Heier, praktizierender Neurologe in Castrop-Rauxel und Journalist, präsentierte am Donnerstag seinen Vortrag „Über das getäuschte Gehirn“. Der Auftritt war Teil der aktuellen Sonderausstellung des Museums zum Thema Aberglaube.

Die Macht des Unterbewussten

Heier betonte in seinem Vortrag die Macht des Gehirns und des Unterbewussten in der Medizin - „Ärzte übersehen den Aberglauben“. Er präsentierte verschiedene wissenschaftliche Experimente, die sich mit dem Thema beschäftigten. So führen Franzosen ein allgemeines Unwohlsein vor allem auf die Leber zurück. In Großbritannien sei es hingegen der Verdauungstrakt, während in Deutschland der Übeltäter das Herz sei. „Nirgendwo werden so viele Herzkatheter gelegt wie in Deutschland“, sagt Heiner. Auch fragwürdige Bemerkungen von Ärzten verschlimmerten manchmal Krankheiten oder machten sie chronisch. Er ärgerte sich über die Bemerkung eines Orthopäden, der seiner Tante bescheinigte, dass sie die Wirbelsäule einer 110-Jährigen habe. Nun werde seine Tante dauernd an die negative Aussage denken und ihre Schmerzen würden dadurch sicherlich nicht weniger. „Formuliert positive Aussagen!“, lautete der Rat an seine Kollegen.

Andere Experimente beschrieben die unterbewusste Wirkung in Alltagssituationen: der Mensch sei tatsächlich glücklicher, wenn er teuren statt billigen Wein trinkt. Jedoch nur, wenn er vorher den Preis erführe. „Der Placebo- oder Nocebo ist in allen Bereichen zu finden“, betonte Heier. Wichtig sei deshalb kritisches Einnehmen von Medikamenten.

Auch Beipackzettel müssten hinterfragt werden. Sein Feind war der Beipackzettel. Macht euch nicht zum Sklaven der Statistik! Lest nicht die Nebenwirkungen auf dem Zettel, sondern fragt den Apotheker.“ Ähnlich kritisch sah er Check-Ups des ganzen Körpers. Wenn man nur lange genug suche, dann finde man immer etwas.

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