Literatur

„Weg vom Fenster“: Ein Bergmannsleben auf der Bühne

Der Schauspieler Till Beckmann (re.) und der Musiker Christian Donovan in „Weg vom Fenster“.

Der Schauspieler Till Beckmann (re.) und der Musiker Christian Donovan in „Weg vom Fenster“.

Foto: Dietmar Wäsche

Herne.   Ralf Piorr bringt „Die Männer von Luise“ auf die Bühne. Der Schauspieler Till Beckmann und der Musiker Christian Donovan führen das Programm auf.

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Den Abschied von der Kohle dürften in diesem Jahr viele Veranstaltungen begleiten. „Wir wollen eine Stimme in dem Kanon sein“, sagte am Mittwoch Ralf Piorr zur Einstimmung auf eine Zwölf-Minuten-Kostprobe von „Weg vom Fenster“. Der Historiker hat 2015 das Typoskript eines unbekannten Bergmanns entdeckt und daraus erst ein Buch und dann das Bühnenprogramm gemacht. Am Dienstag, 20. Februar, beginnt um 19 Uhr im Literaturhaus die Uraufführung.

„Wir wollen an die Schwere der Arbeit erinnern“

Nostalgie soll in dieser Stimme nicht durchklingen, wie Piorr versicherte: „Wir wollen an etwas anderes erinnern: an die Schwere und an die Opfer der Arbeit.“ Denn davon ist die Rede in der Erzählung, die unter dem Titel „Die Männer von Luise“ 2017 im Klartext-Verlag erschienen ist. Die Hauptfigur Bernhard Holler ist an Silikose erkrankt, auch bekannt als Staublunge oder „weißer Tod“, bei den Bergleuten seiner Generation im vorindustriellen Bergbau ein verbreitetes Leiden, das den Betroffenen nach und nach die Luft nahm. Die Arbeitsbedingungen im fiktiven Bergwerk „Vereinigte Höhen und Tiefen“ mit all ihren Gefahren sind ebenso Gegenstand nüchterner Beschreibung wie das Leben in der Kolonie.

Ralf Piorr hat für die Bühnenfassung den Text auf ein Drittel seines ursprünglichen Umfangs gestrafft und die düsteren Zeichnungen der Illustratorin Anna-Lina Mattar aus dem Buch als Bühnenhintergrund gewählt. Der Schauspieler Till Beckmann, bekannt in Herne vor allem vom Theater Kohlenpott, liest zum Teil, zum Teil trägt er die Betrachtungen des Bergmanns frei vor. Er habe gleich gesehen, sagt Beckmann, dass er sich in diesem Fall „als Akteur in den Dienst des Textes zu stellen“ habe. Wenn man anfange, zu „spielen“, mache das den Text nur kleiner.

„Die Stimme des Textes rüberbringen“

„Wir wollen die Stimme des Textes rüberbringen“, sagt auch Ralf Piorr, der die „Erinnerung an den Bergbau nicht dem Nostalgiekitsch überlassen“ möchte. Und so tritt der Schauspieler ebenso wenig in Bergmannskluft auf wie der Musiker, der ihn begleitet. Beide tragen Schwarz.

Christian Donovan heißt der Musiker, Folksänger aus Gelsenkirchen, und mit Ralf Piorr bekannt, seit ihn die inzwischen nicht mehr existierende Szenekneipe „Sonne“ auf die Bühne holte. Bei den „Schachtzeichen“ im Kulturhauptstadtjahr 2010 sah man sich wieder. Donovan singt vor allem irische und schottische Bergmannslieder zur Gitarre. Ihre Texte werden bei dem Programm in Auszügen an die Wand projiziert. Dazu gehören auch ein Song, den der Engländer Colin Wilkie unter dem Eindruck des Grubenunglücks von Lengede geschrieben hat, und der Rock’n’Roll -Schlager „So wie ein Tiger“.

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„Weg vom Fenster“. Ein Bühnenprogramm mit Till Beckmann und Christian Donovan. Uraufführung ist am Dienstag, 20. Februar, um 19 Uhr im Literaturhaus Herne Ruhr an der Bebelstraße 18.

Es gibt nur noch wenige Restkarten. Sie kosten 10 Euro und können unter HER 1476714 telefonisch vorbestellt werden.

Es gebe schon etliche Anfragen für weitere Aufführungen, sagt Ralf Piorr, u.a. von der Bochumer Zeche Lothringen.

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