Theater

Theater Gegendruck zeigt in Herne intensives Dokumentartheater

Alina Stöteknuel, Johannes Thorbecke und Carla Camps Santasusana(v.l.) in „Der Kick“.

Alina Stöteknuel, Johannes Thorbecke und Carla Camps Santasusana(v.l.) in „Der Kick“.

Foto: Norbert Kriener

Herne.   In „Der Kick“ verarbeitet das freie Ensemble aus Recklinghausen eine wahre Gewalttat mit rechtsradikalem Hintergrund. Johannes Thorbecke führt Regie und spielt.

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Donnernde Elektroklänge wummern durch den Theatersaal der Flottmann-Hallen. Carla Camps Santasusana beginnt vorzulesen. Alina Stöteknuel nimmt auf der einen Seite des weißen Sofas Platz, auf der anderen sitzt Johannes Thorbecke.

Marinus Schöberl wurde am 12. Juli 2002 in Potzlow von Neonazis ermordet. Das ist keine Einleitung zu einer fiktiven Geschichte, sondern die traurige Wahrheit. Andreas Veiel und Gesine Schmidt haben den Vorfall in ihrem dokumentarischen Theaterstück „Der Kick“ verarbeitet. Das Ensemble des Theaters Gegendruck aus Recklinghausen schlüpft dabei immer wieder in verschiedenen Rollen. Thorbecke, der auch für die Regie verantwortlich ist, spielt mal die Mutter des Ermordeten, ein anderes Mal ist er ein Täter.

Die bedrohliche, hektische Musik des Berliner Duos „Mo et Moi“ führt zu einer angespannten Stimmung unter den Zuschauern. Es ist kein Mucks in den 80 Minuten wahrzunehmen. Selbst die überzeichnete sarkastische Darstellung der zwei Bürgermeister führt zu keiner Regung in den Gesichtern der (wenigen) Besucher.

„Der Kick“ ist kein Feel-Good-Theater, ein Happy-End gibt es nicht. Die Besucher zucken zusammen, wenn die Musik wie ein Blitz aus dem Nichts einschlägt und die bedrohliche Kulisse noch verstärkt - ein Kontrast zu dem ruhigen Kammerspiel auf der Bühne.

Das Sofa ist die Anklagebank, auf der Täter, deren Eltern und Bekannte nacheinander Platz nehmen. Als sich die Mutter des Verstorbenen äußert, gehörte das zu den emotionalsten Momenten des Stücks. Ein wütender, trauriger Text, der dem Stück noch mehr emotionale Tiefe verleiht.

Ein wichtiges, starkes Theaterstück war in den Flottmann-Hallen zu sehen, mit einer Thematik, die auch heute hochaktuell ist.

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