Babyklappe und anonyme Geburt

St. Anna will Frauen in Not auch weiterhin helfen

Das St. Anna-Hospital in Wanne will auch weiterhin Frauen in Krisensituationen mit medizinischer Hilfe zur Seite stehen. Seit neun Jahren bietet es die Möglichkeit einer anonymen Geburt an.

In der vergangenen Woche hat der Ethikrat empfohlen, künftig keine Babyklappen und auch keine anonyme Geburten in Krankenhäusern mehr anzubieten. Die Kinder hätten später keine Möglichkeit, etwas über ihre Herkunft zu erfahren - was oft für sie zu großen Problemen führe, hieß es. Im Wanner St. Anna-Hospital, das seit 2001 Müttern in Not eine anonyme Geburt ermöglicht, stieß diese Empfehlung auf ein geteiltes Echo: Während der Chefarzt der Geburtshilfe, Dr. Joachim Neuerburg, die Bedenken und Forderungen des Ethikrates nach besseren Informationsmöglichkeiten für werdende Mütter teilt, macht Geschäftsführer Theo Freitag unmissverständlich klar: „Wir werden auch weiterhin Mütter in Not nicht wegschicken, sondern ihnen eine medizinisch begleitete Geburt anbieten.” Das stellt, bei allen Vorbehalten, auch Dr. Neuerburg nicht in Frage. Aber: „Ich fürchte, dass wir Mütter, die so in Panik sind, dass sie eine Kindsaussetzung oder gar Tötung erwägen, auch mit unserem Angebot nicht erreichen. Für andere macht man die Abgabe eines Kindes vielleicht zu einfach planbar.”

Etwa 25 Frauen haben in den vergangenen Jahren von der Möglichkeit, ihr Kind mit professioneller medizinischer Hilfe zu bekommen, das Krankenhaus aber anschließend ohne Angaben zur Person zu verlassen, Gebrauch gemacht. In den letzten drei Jahren, so Dr. Neuerburg, sei die Zahl nahezu gegen Null gegangen. Jedes der so geborenen Kinder sei adoptiert worden.

„Wir haben nie ein Recht auf anonyme Geburt gefordert”, betont Theo Freitag. „Aber ich finde es unmöglich, wenn ein Krankenhaus einer Frau in einer extremen Krise medizinische Hilfe verweigert.” Empfehlung und Begründung des Ethikrates hält er für fern der Realität.

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