Statistik

So bunt ist Herne: (Fast) die ganze Welt in einer Stadt

In Herne leben über 160 000 Menschen. Rund 26 000 haben keinen deutschen Pass.

In Herne leben über 160 000 Menschen. Rund 26 000 haben keinen deutschen Pass.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   In Herne leben 26 163 Ausländer mit 138 Staatsangehörigkeiten. Bei fünf Menschen ist das Geschlecht sogar unbekannt.

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So bunt ist Herne: In der Stadt leben Menschen mit 138 Staatsangehörigkeiten. Das teilte die Verwaltung auf Anfrage der WAZ mit. Unter den 161 250 Einwohnern leben demnach 26 163 Ausländer, hinzu kommen „Staatenlose“, „Ungeklärte“ und Personen „Ohne Angaben“.

Allgemein gilt: Die Flüchtlingslage hat großen Einfluss auf die aktuelle Statistik. „Der starke Zuzug von Flüchtlingen in das Stadtgebiet in jüngster Vergangenheit führte zu einer erheblichen Steigerung der absoluten Zahlen, insbesondere der Gesamtzahl in Herne wohnhafter Ausländer“, sagt Stadtsprecher Christoph Hüsken.

Hälfte der Türkischstämmigen besitzt deutschen Pass

Türken, Syrer und Polen führen demnach die Top zehn der Herkunftsländer an (siehe Grafik). Das sei, so sagt Stadtsprecher Christoph Hüsken, „eine Folge verschiedener, bekannter Migrationsbewegungen“.

Klar auf Platz eins bei den Ausländern in Herne sind die Türken mit fast 10 000 Menschen. Hüsken erinnert an das Anwerbe-Abkommen der Bundesrepublik im Jahre 1961 mit der Türkei: „In der Folge erfolgte ein Zuzug türkischer Staatsbürger.“ Viele Menschen mit türkischem Hintergrund leben mittlerweile in zweiter oder dritter Generation in Deutschland, haben mittlerweile einen deutschen Pass und sind entsprechend nicht oder nicht mehr in der Ausländer-Statistik verzeichnet – andere dagegen schon.

Ältere haben emotionale Bindung zum türkischen Pass

Muzaffer Oruc, Vorsitzender des Integrationsrats, spricht von 20 000 Menschen in Herne mit türkischen Wurzeln. Dass nur die Hälfte einen deutschen Pass besitze, „hat viele Gründe“, meint er. Der 43-Jährige verweist auf seine eigene Familie: Die ältere Generation wie die seiner Eltern, die in den 1960er und 70er Jahren nach Deutschland gekommen seien, habe „eine andere emotionale Bindung“ zum türkischen Pass und wolle ihn, weil er die Heimat präsentiere, ungern abgeben.

Hinzu komme, dass bei Frauen früher Rentenansprüche in der Türkei verloren gegangen seien, wenn sie den Pass gewechselt hätten. Viele Jüngere, darunter sein Bruder, hätten zwar keine so große emotionale Bindung zum türkischen Pass, scheuten aber den großen bürokratischen Aufwand und die hohen Kosten, sich einen deutschen Pass anzuschaffen.

2000 Polen leben in Herne

Oruc selbst hat einen deutschen Pass – und ist „froh, deutscher Staatsbürger zu sein“. Der gelernte Bau-Ingenieur denkt über eine Einbürgerungskampagne nach, um mehr Ausländer zu ermuntern, Deutsche zu werden – gerne mit der Stadt. Ein deutscher Pass, sagt Oruc, sei auch ein Privileg.

Zur Vervollständigung: Dass über 2000 Polen in Herne leben, erklärt die Stadt durch den Zuzug „schon zu Hochzeiten der Industrialisierung“ ins Ruhrgebiet. Dass Ausländer aus Syrien auf Platz zwei sind, ist laut Hüsken „Folge aktueller Flucht-Bewegungen“. Allein: „Eine gewisse Anzahl syrischer Staatsbürger hat bereits vorher in Herne gelebt.“

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