Schule

Sie haben in der Schule Deutsch gelernt und Freunde gefunden

Da komme ich her: Abdi Shakuur Mahamud Mohamed (15), Najmo Mahamud Mohamed (14), Yahya Shikh Rashid (16), Lehrerin Nicola Peters, Mohamad Shikh Rashid (15) , Yasmine El Mokhtari (16) und Mesmani Maya (11) (v.li.) suchen am Globus ihre Herkunftsländer.

Da komme ich her: Abdi Shakuur Mahamud Mohamed (15), Najmo Mahamud Mohamed (14), Yahya Shikh Rashid (16), Lehrerin Nicola Peters, Mohamad Shikh Rashid (15) , Yasmine El Mokhtari (16) und Mesmani Maya (11) (v.li.) suchen am Globus ihre Herkunftsländer.

Foto: Svenja Hanusch

Herne.   Schüler haben nach Jahren in Auffangklassen in den regulären Unterricht gewechselt. Eine Lehrerin erzählt von tausenden WhatsApp-Nachrichten.

Sie wollen Autolackierer werden, Zahnarzt oder Bauingenieur. Das Abitur ist in jedem Fall das erste große Ziel der sechs Schülerinnen und Schüler der Mont-Cenis Gesamtschule (MCG). Die Jugendlichen haben „ganz normale“ Pläne; dabei sind sie doch erst vor zwei bis vier Jahren nach Deutschland gekommen. In internationalen Klassen (IK) haben sie an der Gesamtschule in Sodingen Deutsch gelernt - und Freunde gefunden.

Zum Hintergrund: Kinder mit Zuwanderungsgeschichte besuchen an der Mont-Cenis- Gesamtschule in den ersten zwei Jahren separate Klassen, die das Kollegium von „Auffangklassen“ in „Internationale Klassen“ umgetauft hat. Maya, Najmo, Mohamad, Abdi, Yahya und Yasmine aus Syrien, Somalia und Italien haben diese Klassen besucht. Nicola Peters begleitet sie als Lehrerin schon seit Jahren.

Herausforderung Busschilder

In mindestens zehn Wochenstunden lernen die Kinder Deutsch und besuchen außerdem den Deutschunterricht in den regulären Klassen - was schon früh eine Teilintegration möglich macht, wie es heißt. Die internationalen Klassen sind nach Kenntnisstand in drei Stufen aufgeteilt. In Stufe 1 geht es um Alphabetisierung: Viele Schüler müssen sich vom arabischen auf das lateinische Alphabet umgewöhnen. Nach der dritten Stufe gehen sie dann in die Regelklassen über.

„Wir achten darauf, dass wenige bis keine geflüchteten Kinder einer Sprache in die gleiche Regelklasse versetzt werden, damit keine Parallelgesellschaften entstehen“, sagt Nicola Peters. Obwohl Mathematik in einer fremden Sprache und unleserliche Busschilder eine Herausforderung seien, hätten sich die neuen Schüler zurecht gefunden und seien von den Mitschülern offen aufgenommen worden. Als IK-Lehrerin ist Peters selbst Ansprechpartnerin: „Manche Kinder aus den internationalen Klassen schreiben mir anfangs tausende Fragen über WhatsApp. Irgendwann hört das auf, dann weiß ich; die sind angekommen“.

Mehr Zeit und mehr Raum benötigt

Außer der Jüngsten – Maya (11) – haben die sechs Jugendlichen den Sprung in die Regelklassen alle schon geschafft. Abdi aus Somalia schreibt oft Einsen in den Deutscharbeiten und spielt in einem Herner Fußballverein. Yasmine geht mit ihren neuen Freunden ins Kino, Mohamad in die Stadt und Döner essen. „Ich mag an Deutschland, dass wir zur Schule gehen dürfen“, sagt die 16-jährige Yahya. „Und, dass es Gleichberechtigung gibt“, ergänzt ihr Bruder Abdi.

Für ihn war die Skifahrt mit der Regelklasse das bisher schönste Erlebnis seiner Zeit in Deutschland. Nicola Peters betont die Wichtigkeit der Teilnahme an Klassenfahrten für eine gelungene Integration, aber auch die bestehenden Defizite.

Man benötige mehr Stunden in den internationalen Klassen, mehr Lehrer, mehr Raum und Geld für Materialien und Einzeltische. So habe es in der Gesamtschule kein Somali-Wörterbuch gegeben und Yahya und ihr Bruder hätten Deutsch mithilfe von Bildern und „vielem Lesen“ lernen müssen.

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