Ungewöhnliches Geschäft

Secondhand Musicland: An- und Verkauf für Gitarren in Herne

Dirk Gerlach ist Sänger der Herner Band Los Gerlachos. Seine Brötchen verdient der 48-Jährige mit seinem Geschäft  „Secondhand Musicland“.

Foto: Ralph Bodemer

Dirk Gerlach ist Sänger der Herner Band Los Gerlachos. Seine Brötchen verdient der 48-Jährige mit seinem Geschäft „Secondhand Musicland“. Foto: Ralph Bodemer

Wanne.   Dirk Gerlach betreibt in Wanne „Secondhand Musicland“ – einen An- und Verkauf für Gitarren. Er hat Kunden aus ganz Deutschland.

Ein Gebrauchtwarenhändler für Gitarren – so oder so ähnlich beschreibt Dirk Gerlach das neue Konzept seines „Secondhand Musicland“, während er im Eingangsbereich des Ladens einer E-Gitarre neue Saiten aufzieht. Seit einem Jahr betreibt er sein Geschäft an der Pastoratstraße in Wanne. Kunden können ihre alten Gitarren dort verkaufen und echte Raritäten finden.

„Neben dem An- und Verkauf bin ich auch als Gitarrenscout unterwegs“, erzählt Dirk Gerlach. „Kunden sagen mir, welche Gitarre sie gerne hätten – und ich besorge sie.“ Viele seien zum Beispiel auf der Suche nach besonderen Gitarren aus ihren Geburtsjahren. Wie genau Dirk Gerlach die Sammlerstücke findet, bleibt sein Geheimnis. Er verrät nur so viel: „30 Jahre Erfahrung und viele Kontakte in der Branche sind da sehr hilfreich.“

Früherer Laden mit anderem Konzept

Das „Secondhand Musicland“ hat es in Herne bereits von 1993 bis 2006 gegeben, allerdings mit anderem Konzept. „Damals habe ich mit vielen Mitarbeitern ausschließlich im Laden Gitarren verkauft und angenommen“, erzählt der 48-Jährige. Sein Laden sei auch bei Promis der Szene sehr beliebt gewesen. Am Ende sei der Verkauf wegen der neuen Möglichkeiten des Internets immer schwieriger geworden. „Mir blieb nichts anderes übrig, als zu schließen“, erinnert sich Gerlach. Danach habe er weiterhin in der Branche gearbeitet, sei aber mit den Verdienstmöglichkeiten im Einzelhandel nicht zufrieden gewesen. „Deshalb habe ich den Laden mit einem neuen Konzept hier wieder aus dem Boden gestampft“, erzählt der Musiker.

Jetzt betreibt er das Geschäft allein, bietet neben der Tätigkeit als Gitarrenscout auch Reparatur und Instandhaltung der Instrumente an. Außerdem gibt es im „Musicland“ keine festen Öffnungszeiten, An- und Verkauf laufen ausschließlich nach Terminvereinbarungen: „Mein Schaufenster ist jetzt das Internet“, sagt Dirk Gerlach.

Rund 40 Gitarren hat der Herner zurzeit in seinem Sortiment, sowohl akustische als auch elektronische. Die meisten stehen im Showroom, einem großen Raum mit rotem Teppich und grüner Tapete. „Das war früher das Büro von Pieper“, erzählt der Herner. In den großen weißen Schränken, in denen früher die Aktenordner gestanden hätten, finden nun die Gitarrenkoffer Platz. Im Nebenraum entsteht ein Büro und eine richtige Werkstatt, noch werden die Gitarren im Eingangsbereich repariert. „Das ist alles noch in Arbeit und dauert seine Zeit.“

Jede Menge Zubehör

Im Laden finden Kunden außerdem jede Menge Zubehör: Saiten, Stimmgeräte, Gurte oder Ersatzteile. „Ich habe hier alles, was ein Gitarrist zum Musikmachen braucht.“ Wer sich die Sammlung der Gitarren genau anschaut, findet einige ganz besondere Raritäten: „Ich habe zum Beispiel eine Gretsch White Falcon. Die hat ein Kunde in den 90er Jahren bei mir gekauft, und jetzt verkaufe ich sie wieder weiter.“ Ein anderes Lieblingsstück von Gerlach ist eine braune Gibson Moderne. Das Modell wurde 1958 entworfen und hat einen sehr asymmetrischen halben Stern. „Die ist so hässlich, dass ich sie schon wieder cool finde“, sagt der Musiker, der selbst mit seinem Bruder bei Los Gerlachos regelmäßig auf der Bühne steht und Musik macht. Preislich liege sie bei den Liebhaberstücken mit 2500 Euro noch im günstigen Bereich.

Viele Kontakte von früher

Gerade jetzt sei es immer schwieriger, hochpreisige Sammlerstücke zu verkaufen. „Die Kunden müssen sich zurzeit wegen des Dieselskandals zum Beispiel zweimal überlegen, ob sie 8000 Euro für eine Gitarre ausgeben können oder sich bald ein neues Auto kaufen müssen.“ Trotzdem sei das Geschäft durch die vielen Kontakte von früher und den Service-Aspekt gut angelaufen. Kunden aus dem ganzen Ruhrgebiet und aus Süddeutschland kämen immer wieder gerne auf ihn zurück.

„Ich möchte auch in 20 Jahren immer noch ein Geheimtipp sein“, sagt Gerlach lachend. „Der Opa im Hinterhof, der noch weiß, wie man Saiten richtig aufzieht.“

>>> Informationen zu diesem ungewöhnlichen Geschäft gibt es auf: www.secondhand-musicland.de

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