Gedenken

Schutz für Shoah-Mahnmal soll im Mai 2019 installiert werden

Probelauf in Waltrop: Vertreter der beauftragten Firma, Konstruktionsexperten, Vertreter der Stadt und der Schöpfer des Shoah-Mahnmals, Wilfried Venne (re.), begutachten

Probelauf in Waltrop: Vertreter der beauftragten Firma, Konstruktionsexperten, Vertreter der Stadt und der Schöpfer des Shoah-Mahnmals, Wilfried Venne (re.), begutachten

Foto: Horst Martens, Stadt Herne

herne.   Ab Mitte Mai, also mehr als fünf Jahre nach der Verhüllung soll die Schutzkonstruktion fürs Shoah-Mahnmal installiert werden, meldet die Stadt.

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Vier Anschläge sind im Jahr 2014 auf das Shoah-Mahnmal verübt worden, seitdem ist die Gedenktafel auf dem Willi-Pohlmann-Platz aus Schutzgründen verhüllt. Nun teilt die Stadt mit: Voraussichtlich von Mai bis Mitte Juni 2019 werde die Schutzkonstruktion für das Mahnmal installiert - mehr als fünf Jahre nach der Verhüllung.

Wie berichtet, will die Stadt das Mahnmal künftig durch ein Portalsystem schützen, das sich auf Schienen nach zwei Seiten hin öffnet und (nachts) schließt. Das Konstruktionsbüro habe nun den ersten von vier Teilen der Öffnungsmechanik vorgestellt, berichtet die Stadt nach einem Probelauf in Waltrop bei der beauftragten Firma Middeldorf und Söhne.

Konstruktion soll massiven Angriffen standhalten

„Die Konstruktion soll einfach zu bedienen sein, gleichzeitig massiven Angriffen standhalten und wenig störanfällig sein“, sagt Architekt Dirk Godau. Außerdem solle das Kunstwerk seine Strahlkraft behalten. Die Lösung der Entwickler: Sie setzen eine Spindel in Form eines Schneckengetriebes ein, das verhindern soll, dass die Tore sich zu schnell schließen und dadurch beschädigt werden.

Bevor diese Variante gefunden worden sei, seien unterschiedliche technische Lösungen ausprobiert worden. Auch die Schöpfer des Shoah-Mahnmals, Winfried Venne und Gabriele Graffunder, seien dabei einbezogen worden. „Der Entwicklungsprozess ist eine komplexe Geschichte, deshalb zieht er sich so lange hin“, so Venne. Im Grunde genommen handele es sich um eine Produktentwicklung. Und: Die Teile würden handgefertigt.

Montage der Baubronze-Platten in Süddeutschland

Die Schutzvorrichtung sei wie ein Segel im Wind, auf das große Kräfte wirkten, erklärt der für die Standsicherheit zuständige Ingenieur Dieter Röber. Eine spezielle Befestigung sei notwendig, denn diese schwere, aus Stahl bestehende Vorrichtung stehe im Grunde auf der Tiefgarage des Kulturzentrums.

Das Fazit des fürs Shoah-Mahnmal federführenden städtischen Gebäudemanagements (GMH): „Alles im Fluss, die Grundkonstruktion funktioniert“, so GMH-Mitarbeiter Ulrich Graeve. Das bedeute: Die Konstruktionsfirma könne nach dem gleichen Muster die drei anderen Tor-Teile herstellen.

Wenn die vier Tore fertig seien, würden sie nach Süddeutschland zur Montage der Platten aus Baubronze transportiert, so die Stadt. Gestaltet werden sollen die Platten mit dem Herner Stadtplan, auf dem die „Nahtstellen“ der jüdischen Verfolgung eingraviert sind. In Waltrop wird anschließend letzte Hand ans Mahnmal gelegt.

Stadt: Produktion bleibt im Kostenrahmen

Für die Montage Mitte 2019 seien bestimmte Witterungsbedingungen erforderlich, berichtet die Stadt. Wegen der Segelwirkung der Platten müsse Windstille herrschen; außerdem seien Temperaturen von mehr als fünf Grad notwendig.

Gut 30 Personen seien mit dem Werk befasst, berichtet GMH-Mitarbeiter Graeve. Die zuletzt veranschlagten Kosten von 235.000 Euro hätten sich nicht erhöht.

Nach dem Ratsbeschluss über die Verhüllung des Shoah-Mahnmals war es mehrfach zu Verzögerungen gekommen. Die Stadt hatte dies nicht zuletzt auf Lieferprobleme der beteiligten Firmen und die personelle Situation in der Verwaltung zurückgeführt.

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