Mont-Cenis-Gesamtschule

Schüler erhalten Preis für Projekt über jüdische Familie

Am Shoah-Gedenktag: Mont-Cenis-Gesamtschüler erinnern an die  jüdische Familie Frank aus Sodingen.

Am Shoah-Gedenktag: Mont-Cenis-Gesamtschüler erinnern an die jüdische Familie Frank aus Sodingen.

Foto: Jürgen Theobald

Herne.   Elftklässler der Mont-Cenis-Gesamtschule hatten für den Holocaust-Gedenktag eine szenische Lesung entwickelt. Nun erhielten sie eine Würdigung.

Die szenische Lesung berührte am jüngsten Shoah-Gedenktag im Kulturzentrum eine große Zuhörerschaft. Sodinger Schülerinnen und Schüler hatten die Geschichte der jüdischen Familie Frank erforscht und sie für die städtische Erinnerungsveranstaltung am 27. Januar 2017 multimedial aufbereitet. Jetzt hat das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten die Arbeit des Geschichts-Grundkurses der Mont-Cenis-Gesamtschule gewürdigt: Die Jugendlichen bekommen für ihr Projekt „Zum Osten abgeschoben – Die Geschichte der Familie Frank aus Sodingen“ den Margot-Spielmann-Preis.

Drei Projekte und zwei Facharbeiten erhalten in diesem Jahr den Preis, der das Engagement von Jugendlichen für das Thema anerkennt, auch wenn kein Preisgeld damit verbunden ist. Thomas Ridder, Mitarbeiter des Museums: „Für die Schüler ist es schon etwas Besonderes, wenn sie merken, dass ihr Projekt über die Schule hinaus eine gewisse Aufmerksamkeit bekommt.“ Man habe nicht auf den Preis hingearbeitet, versichert Jan Mackowiak, einer der Schüler. Aber er sei eine zusätzliche Bestätigung. „Eine tolle Anerkennung“, findet auch Ralf Piorr. Der Historiker und Autor mehrerer Bücher über den Nationalsozialismus in Herne hatte die Schüler zusammen mit deren Lehrerin Céline Spieker bei der Arbeit am Projekt begleitet.

Recherche mit Hindernissen

Der Präsentation war im vergangenen Jahr eine intensive Recherche vorausgegangen. Louis und Julie Frank hatten an der Mont-Cenis-Straße 251 gewohnt, nicht weit entfernt von der Schule. Anhand von Zeitungen, Adressbüchern und Deportationslisten verschafften sich die Schüler einen Eindruck vom Leben der Familie Frank, das im Konzentrationslager endete: Die Eltern und ihre Tochter Ruth starben 1942 und 1944. Der Sohn Kurt überlebte. Bei den Recherchen vor Ort seien sie oft zurückgewiesen worden, berichten die Schüler. „Viele wussten nichts oder wollten nicht antworten.“ Durch die Deportationslisten seien ihm die Schicksale nahe gerückt, sagt ein Schüler: „Man weiß, jeder Name ist ein Menschenleben.“

Mit Kurts Sohn Dan Frank hatten die Schüler ein Skype-Interview geführt. Er ist heute 80 Jahre alt und lebt in Israel. Ralf Piorr hat ihn dort besucht, Céline Spieker mit ihm geskypt, als sie kürzlich Israel besuchte. „Er ist unglaublich offen“, sagt sie, und jemand der das Gespräch suche. „Es gibt auch schweigende Zeitzeugen.“

„Nahtstellen“-Tafel ist geplant

Einen Auszug der szenischen Lesung wollen die Schüler, inzwischen in der Jahrgangsstufe 12, bei der Preisverleihung in Dorsten präsentieren.Nach dem Gedenktag hatten Eltern, Freunde und das lokale Umfeld noch einmal die Gelegenheit, in der Schule die Präsentation zu sehen. Auch im Ortsteil soll das Projekt Spuren hinterlassen. Eine neue „Nahtstellen“-Erinnerungstafel soll am ehemaligen Haus der Franks an deren Schicksal erinnern.

Außerdem möchte Céline Spieker in der Oberstufe einen Projektkurs einrichten, der zusätzlich zur biografischen Arbeit nach Auschwitz fahren könnte. Es werden noch Sponsoren gesucht. Für sie als Lehrerin sei es „ein sehr schönes und befriedigendes Gefühl“ zu sehen, „wie sich Schüler an dem Thema entwickeln“.


>> IM BLICKPUNKT: Der Preis

Margot Spielmann war ein jüdisches Mädchen aus Gelsenkirchen, geboren 1926. Es starb, schwer zuckerkrank, mit 16 Jahren im Koma auf der Flucht in Mülhausen.

Seit 2009 schreibt das Jüdische Museum West­falen in Dorsten einen Wett­bewerb für junge Menschen aus, der seit 2015 Margot-Spielmann-Preis heißt.

Gefragt sind Arbeiten, die sich mit jüdischer Geschichte, Religion und Gegen­wart sowie der Geschichte des Nationalsozialismus befassen.

Der diesjährige Preis wird am Dienstag, 5. Dezember, 18 Uhr, im Jüdischen Museum an der Julius-Ambrunn-Straße 1 in Dorsten verliehen. Besucher sind willkommen.

Mehr über das Jüdische Museum in Dorsten gibt’s im Internet.

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