Singen

Rudelsingen weckt in Herne kollektive Glücksgefühle

Ohne Rudelsingen keine „Extraschicht“ - hier im Jahr 2015.

Ohne Rudelsingen keine „Extraschicht“ - hier im Jahr 2015.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Das Erfolgsformat macht am Donnerstag, 19. Januar, zum 25. Mal Station in den Flottmann-Hallen. Herne war 2012 eine der ersten Städte.

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Die Idee des „Rudelsingens“ ist so schlicht wie überzeugend: Man trifft sich, um zusammen Hits zu schmettern, die alle kennen, und wer nicht textsicher ist, liest von der Leinwand ab. Was der Münsteraner David Rauterberg vor fünf Jahren hier und da ausprobierte, sollte sich als Erfolgsmodell erweisen. In Herne schlug der unkonventionelle Chorgesang gleich so ein, dass in dieser Woche ein Jubiläum ansteht: Am Donnerstag findet das erfolgreiche Format zum 25. Mal statt.

Selbstläufer ohne Werbung

Gegen viertel nach sechs formieren sich die ersten in der Flottmannkneipe hinter der geschlossenen Tür zum Foyer. Es wird voll, das wissen die Fans. Susanne Skusa ist einer von ihnen „Das ist mein 23. Mal“, verrät die Hernerin beim vorweihnachtlichen Termin im Dezember. „Beim Singen vergisst man den Alltag und den Kummer“, erklärt sie. „Singen macht glücklich.“ Das werden wir so oder ähnlich noch viele Male hören an diesem Abend.

„Herne ist eine der ersten zehn Städte in denen wir 2012 angefangen haben“, erzählt David Rauterberg in der Flottmankneipe, wo er vor dem Auftritt noch kurz eine Käsesuppe löffelt. Die Kneipe füllt sich, man kennt und umarmt sich. Dass die, die heute da sind, beim nächsten Mal andere mitbringen, ist der Plan, der in 90 Städten aufgegangen ist. „Ein Viertel ist neu, drei Viertel waren schon mal da“, weiß Rauterberg. Das erspart die Werbung. „Wir bringen nur Flyer für die nächste Veranstaltung mit.“

Das Rudelsingen – ein Selbstläufer in Halb-Playback. Was machen der Mann mit dem Mikro, der nicht wie ein Popstar aussieht, aber die Massen mitreißt, und sein Kompagnon an Klavier – hier und heute Matthias Schneider aus Witten – richtig? Sie setzen auf die Lust am Singen, so banal sich das anhören mag.

Von „La Paloma“ bis Westernhagen

Gesungen wird, was sich nicht wehrt, von Abba bis Zappa, vom Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“ bis zum Weihnachtslied, von „La Paloma“ bis Westernhagen. Rauterberg macht den Vorsänger, und zwar mit Schmackes. Inzwischen schaffen sie es nicht mehr, die steigende Nachfrage allein zu befriedigen: „2017 haben wir zehn Teams, die von Cuxhaven bis zum Bodensee unterwegs sind.“

Inspiriert hat den Münsteraner Rauterberg die Kölner Kollegin Katrin Höpker, die mit „Frau Höpker bittet zum Gesang“ seit 2008 die Hallen bespielt. „Ich fand das ganz großartig“, sagt Rauterberg über sein erstes Erlebnis als mitsingender Zuschauer unter 500 anderen. So begann er selbst, sich von Münster aus dem Ruhrgebiet im Süden und Oldenburg im Norden zu nähern. Musik und Gesang waren für Rauterberg bis dahin Hobby, beruflich arbeitete er als Projektmanager in der Mobilfunkbranche.

Mittlerweile kann er vom „Rudelsingen“ leben, das er bisweilen mit über 1000 Menschen zelebriert. In Herne sind es gut 300. „Sonst wird es zu eng.“ Die Flottmann-Hallen seien schon etwas Besonderes, versichert er. Vom Klanggefühl hätten die Hallen etwas Kirchliches, andererseits mag er den Charme der Industriekultur. „Das passt hier perfekt.“

Frauen sind die größten Fans

Seine größten Fans sind Frauen ab 40. „Frauen in diesem Alter gehen gerne mit Freundinnen aus“, weiß David Rauterberg. „Und sie wollen nicht nur quatschen, sondern auch etwas erleben.“ Wer sich im Flottmann-Foyer umschaut, findet das bestätigt. Überall Grüppchen wie die Eishockey-Mütter, mit denen Sabine Hellwig unterwegs ist: „Das ist unser Date außerhalb der Eishalle.“ Ein Cocktail gehört dazu. Die Devise der Clique: „Wir singen nicht schön, aber es macht Spaß.“ So sieht es auch das Grüppchen mit den blinkenden Lichterketten um Christina Bielefeld, das jedes Mal „mit großem Spaß rein und wieder rausgeht“.

Keine Extraschicht ohne das Rudelsingen

Arno Schweißiger fremdelt dagegen noch ein bisschen: „Ich bin zwangsweise hier“, erklärt er und lacht. „Meine Frau hat gesagt, du kommst jetzt mit.“

Längst überzeugt ist indes Christian Strüder. Der Gastspielleiter der Flottmann-Hallen hat früh das Potenzial des Rudelsingens erkannt und Rauterberg & Co. deshalb auch wiederholt zur „Extraschicht“ eingeladen. Im nächsten Jahr passt das besonders gut: Da fallen die „Nacht der Industriekultur“ und der „Day of Song“ auf einen Tag.

>>> DAS JUBILÄUMSRUDELSINGEN

Das 25. Herner Rudelsingen startet am Donnerstag, 19. Januar, um 19.30 Uhr im Foyer der Flottmann- Hallen, Straße des Bohrhammers.

Zum Jubiläum erhält jeder einen Begrüßungssekt. Karten gibt es im Vorverkauf auf www.rudelsingen.de oder an der Abendkasse.

Der Eintritt kostet: 10 Euro, Einlass ab 18.45 Uhr.

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