Bühne

Publikum feiert „Weg vom Fenster“ im Literaturhaus

Till Beckmann (li.) und Christian Donovan im Literaturhaus Herne.

Till Beckmann (li.) und Christian Donovan im Literaturhaus Herne.

Foto: Sabrina Didschuneit

herne.   Ralf Piorrs Bühnenprogramm zu „Die Männer von Luise“ überzeugte am Dienstag durch ein stimmiges Zusammenspiel von Text, Bildern und Musik.

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Das Interesse war riesig. Noch 30, 40 Tickets mehr hätte Ralf Piorr für diesen Premierenabend von „Weg vom Fenster“ im Literaturhaus verkaufen können. Mit einem stimmigen Zusammenspiel von Text, Bild und Musik hielt das Bühnenprogramm am Dienstagabend zu der Bergmanns-Erzählung „Die Männer von Luise“, was es versprochen hatte. Ein bewegtes Publikum bedankte sich mit viel Applaus und Standing Ovations.

Begegnung auf Augenhöhe

Vor den düsteren Zeichnungen von Anna-Linar Mattar begegnen sich der in Herne aufgewachsene Schauspieler Till Beckmann und der Gelsenkirchener Folk-Musiker Christian Donovan auf Augenhöhe, beide in Schwarz. Aus der Perspektive des alten Bergmanns Kwasny entwirft Till Beckmann ernst, aber ohne Pathos Szenen eines Bergmannslebens, das in den 60er Jahren ziemlich sicher die Silikose beendete, wenn nicht vorher ein Grubenunglück zugeschlagen hatte. Manchmal keucht er leise, dann wird klar, was der „weiße Tod“ mit der Lunge von Bernhard Holler gemacht hat, den es mit 52 Jahren dahin rafft und dessen Leben so etwas ist wie der rote Faden des Programms.

Finale Expertenrunde erreicht Publikum nicht

Donovan startet mit einem beiläufig gezupften „Steigerlied“, um danach immer wieder Themen musikalisch aufzunehmen. Mit „Lungs“ von Townes van Zandt, mit Bergbauliedern wie „The Blantyre Explosion“, zur Gitarre, einmal auch a capella. Kleiner Gag: Auf Beckmanns Zuruf („Ich hab’ mit Ralf gewettet, dass ich das Literaturhaus zum Mitsingen bringe“) spielt er erst „Blowing in the Wind“, dann „Atemlos“ an, bevor zu „Freut euch des Lebens“ tatsächlich der Saal zu singen beginnt.

Ein wunderbarer Abend also, fern des Bergmannskitsches ... wäre da nicht der Versuch gewesen, durch eine anschließende Expertenrunde noch einen draufzusetzen, anstatt die Eindrücke einfach nachhallen zu lassen. Fußballkenner Ulrich Homann, Sozialwissenschaftler Stefan Goch und der Literaturwissenschaftler Arnold Maxwill mögen vieles zu Fußball, Ruhrgebiet und Bergbaugeschichte beizutragen haben: Sie hatten keine Chance, das Publikum so zu erreichen, wie es den Künstlern gelungen war.

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