Bildung

Projekt soll Mathe-Defizite von Grundschülern verringern

Spielerisch die Mathematik kennen lernen: Professor Thorsten Jungmann, Geschäftsführer des Jungmann Instituts, mit ein paar Utensilien des BASIS-Angebots.

Spielerisch die Mathematik kennen lernen: Professor Thorsten Jungmann, Geschäftsführer des Jungmann Instituts, mit ein paar Utensilien des BASIS-Angebots.

Foto: Ralph Bodemer

Das Herner Pilotprojekt BASIS soll möglichen Defiziten von Grundschülern in der Mathematik entgegenwirken. Start ist nach den Sommerferien.

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Das Herner Bildungsnetzwerk wird enger gestrickt: Professor Thorsten Jungmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Instituts, bringt „BASIS Mathematik Grundschule“ auf den Weg. Damit will er eine außerschulische Lernumgebung anbieten, um die mathematische Kompetenz von Grundschulkindern zu fördern. „Dabei handelt es sich nicht um Nachhilfe, sondern um Coaching“, betont Jungmann im Gespräch mit der WAZ-Redaktion.

Den Impuls für die Schaffung des neuen Angebots lieferten wissenschaftliche Studien, die offenbarten, dass mathematische Defizite, die in der Grundschule auftreten, im weiteren Bildungsverlauf - weiterführende Schulen und Hochschulen - kaum kompensiert werden können. Die Begeisterung für Mathe sei in der ersten Klasse vorhanden, nehme aber mit der Zeit kontinuierlich ab. Ein Problem, so Jungmann. Mathe werde in vielen beruflichen Zusammenhängen gebraucht.

Einbettung in die Bildungslandschaft

Dem will Jungmann mit seinem „BASIS“-Angebot entgegenwirken. In einer kindgerechten Umgebung sollen Mädchen und Jungen in Kleingruppen von zwei bis drei Kindern unter Anleitung von qualifizierten Trainern neugierig auf Mathe gemacht werden und so entdecken, dass Rechnen viel Spaß machen kann. Durch eine individuelle Diagnostik durch Gespräche und Beobachtung soll die Mathe-Kompetenz ebenso gefördert werden wie durch eine lernfreundliche Atmosphäre. Außerdem sollen die Kinder unterschiedliche Lernformate kennenlernen.

Verbindung mit Talent-Kolleg und zdi-Netzwerk

An der Pilotphase, die nach den Sommerferien starten soll, nehmen Kinder der Südschule in Röhlinghausen teil, ein Projektbeirat soll Jungmanns Konzept überprüfen. Mittelfristig möchte er „BASIS“ auf ganz Herne ausdehnen und in das Herner Bildungsnetzwerk sowie in die städtische MINT-Strategie einbetten. So gehören dem Projektbeirat unter anderem Schuldezernentin Gudrun Thierhoff, Talentkolleg-Leiter Frank Meetz und Ekkehard Hostert, Leiter des zdi-Netzwerks an. Am Talentkolleg werden die Bildungs-Chancen für Schüler aus nicht-akademischen Familien erhöht, das zdi-Netzwerk ist eine Gemeinschaftsoffensive zur Förderung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses. Jungmann sieht „BASIS“ als Ergänzung der beiden Einrichtungen, weil das Konzept eine Altersstufe früher ansetze.

Kosten für ein Coaching sollen erschwinglich sein

Im nächsten Schritt will Jungmann ein Trainer-Team aufbauen, die Eltern der Südschule informieren und Schnupper-Coachings anbieten. Die Kosten für ein Coaching sollen erschwinglich sein, so Jungmann. Das Projekt sei gemeinnützig. Deshalb sucht er Förderer, die seinen Ansatz unterstützen, erste Gespräche mit potenziellen Unterstützern laufen.

>> KOMMENTAR: VORBILDCHARAKTER

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - kurz MINT, sind seit Jahren das Sorgenkind in der Bildungslandschaft. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass sich inzwischen eine Reihe von Initiativen gebildet hat, um die Defizite der Kinder in diesem Bereich aufzuholen.

Die Notwendigkeit ist offensichtlich. Wollen Unternehmen nicht in die Falle des Fachkräftemangels tappen, brauchen sie gut ausgebildetes Personal. MINT-Fähigkeiten spielen dabei eine große Rolle - bei Akademikern, aber auch bei Handwerkern. Ohne ausreichende Mathekenntnisse kommen Dachdecker nicht klar.

Deshalb macht es Sinn, möglichen Defiziten früh entgegen zu wirken. Herne kann vom Konzept eines Didaktik-Experten wie Thorsten Jungmann nur profitieren. Es könnte Vorbild-Charakter über die Stadtgrenzen hinaus bekommen.

>>INFO: DAS JUNGMANN-INSTITUT

Thorsten Jungmann ist promovierter Ingenieur, aber auch Experte für Didaktik. In seiner Doktorarbeit entwickelte er ein Modell für forschendes Lernen in der Ingenieurwissenschaft. An der TU Dortmund gründete er die Forschungsgruppe Ingenieurdidaktik.


Mit dem von ihm gegründeten Jungmann-Institut berät und unterstützt der 39-Jährige mehr als 30 Hochschulen in ganz Deutschland dabei, deren Wissensvermittlung - hauptsächlich in den technischen Fächern - zu verbessern.

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