Sand-Recycling

Neues Unternehmen bereitet Bodenaushub zu frischem Sand auf

Bauen auf das Geschäftsmodell Sand: Andreas Krause und Daniel Nienhaus (beide zukünftige Geschäftsführer BMRH), sowie Mirko Strauss (Geschäftsführer BAV) und Stefan Schulte (Bereichsleiter BAV, v.l.)

Bauen auf das Geschäftsmodell Sand: Andreas Krause und Daniel Nienhaus (beide zukünftige Geschäftsführer BMRH), sowie Mirko Strauss (Geschäftsführer BAV) und Stefan Schulte (Bereichsleiter BAV, v.l.)

Foto: Dietmar Wäsche

Herne.   Die Herner Stadtwerke und Gelsenwasser haben ein gemeinsames Unternehmen gegründet. Ziel: Bodenaushub zu frischem Sand aufbereiten.

Es ist ein bisschen wie im Märchen, wie bei dem Mädchen, das aus Stroh Gold spinnt. Die Stadtwerke Herne haben sich jetzt mit Gelsenwasser zusammengetan wie die Müllers-Tochter mit dem Rumpelstilzchen und gewinnen aus wertlosem Bodenaushub wertvollen feinen Sand.

Bislang haben der Wasserversorger und der Strom- und Gaslieferant das gleiche Problem: Immer, wenn sie Gräben ausheben für ihre Leitungen, müssen sie den Aushub irgendwie entsorgen und weit weg transportieren. Irgendwohin, wo er zum Beispiel als Füllmaterial für den Autobahnbau Verwendung findet. Diese Zeiten sollen bald vorbei sein. Die beiden Versorgungsunternehmen stiegen in das gleiche Boot, ließen eine bereits existierende Siebmaschine für ihren Zweck perfektionieren. Ihr Zweck: aus Bodenaushub wiederverwertbaren Sand herstellen.

„Herne ist dicht besiedeltes Gebiet“, sagt Andreas Krause, neben Daniel Nienhaus zukünftiger Geschäftsführer des neuen Unternehmens BMRH (Bodenmanagement Rhein-Herne GmbH). Unter den Bürgersteigen der Stadt lägen jede Menge Leitungen, die man bei Störungen offenlegen müsse. Der anfallende Bodenaushub werde jetzt gesiebt, so dass er keine Bestandteile mehr enthalte, die größer als zwei Millimeter seien. Fortan könne man das Endprodukt wiederverwenden und damit die Gräben mit den Versorgungsleitungen wieder verfüllen. „Das war bisher nicht möglich, weil man mit groben Bestandteilen des Aushubs, wie Steinchen oder auch eine weggeworfene Coladose, die Leitungen hätte beschädigen können“, so Krause.

„Bislang mussten wir den Füllsand kaufen, beispielsweise Halterner Sand, das waren Kosten und weite Transportwege, die wir jetzt optimieren können“, erläutert Daniel Nienhaus. Auch aufgrund des Booms in der Baubranche ist die Nachfrage nach Sand als Rohstoff gestiegen und damit auch der Preis. So entstand die Idee des Recyclings, die passende Siebanlage wurde in Österreich ausfindig gemacht und auf die Herner Bedürfnisse ausgerichtet.

80 Prozent des Materials recycelbar

Die Anlage hat ihren Standort unter einem Hallendach des Entsorgungsbetriebes BAV Aufbereitung im Schatten des Steag-Kraftwerkes in Baukau. „Ein optimaler Standort, wir können das vorhandene Gelände mitbenutzen“, sagt Nienhaus.

Jährlich sollen etwa 60 000 Tonnen Aushub zu Sand gesiebt werden, jeweils 30 000 Tonnen bekommen Gelsenwasser und die Stadtwerke. Bis zu 80 Prozent des Erdmaterials können auf die Weise wiederverwertet werden. Kein besonders gewinnträchtiges Geschäft, wie Nienhaus erläutert, „aber ein ressourcenschonendes.“

Momentan befindet sich das Projekt noch in der Probephase. Offizieller Start des neuen Unternehmens soll im März sein. „Dann soll auch die Gesellschaft gegründet werden, wir benötigen zuerst grünes Licht von allen Ratsgremien“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Hendrik Peuser.

>> BAV: GELÄNDE MIT DEUTSCHER HISTORIE

Das Gelände der BAV Aufbereitung hat mehrere Stücke deutscher Geschichte: Teile der Berliner Mauer.

Dieter Trutschler, damaliger Geschäftsführer, sicherte sich in Berlin-Pankow 500 Meter der Berliner Mauer, bevor sie zerbröselt werden sollten. Im Betrieb dienen sie immer noch als Schüttgut-Trennung.

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