Doppelmord-Prozess

Marcel Heße fiel bei Bewerbung als Berufssoldat durch

Vor Gericht steht in Bochum Marcel Heße (M.), rechts sein Anwalt.

Foto: Bernd Thissen

Vor Gericht steht in Bochum Marcel Heße (M.), rechts sein Anwalt. Foto: Bernd Thissen

Herne.   Ein Prüfer der Bundeswehr hat im Doppelmord-Prozess über Marcel Heße ausgesagt. Deswegen fiel der Angeklagte als Soldat durch.

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Zu träge, zu unzuverlässig, zu undurchsichtig: Deswegen ist Marcel Heße mit seiner Bewerbung als Berufssoldat durchgefallen. Das hat am Donnerstag im Doppelmord-Prozess ein Prüfer vom Bundeswehr-Karrierecenter in Düsseldorf gesagt.

„Wenn jemand mit 19 Jahren bisher nur dadurch aufgefallen ist, dass er so gut wie nie zur Schule geht“, sagte der Ob erstleutnant (59) als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht, dann sei diese Person schlichtweg ungeeignet. Der Angeklagte, mittlerweile 20, hatte in drei Jahren an verschiedenen Schulen mehr als 500 Fehlstunden angehäuft. Fazit der Bundeswehr: So jemand ist als Soldat nicht zu gebrauchen.

Plan B: Englisch-Austauschlehrer in Japan

In anderen Bereichen des Auswahlverfahrens hatte Heße aber auch positiv auf sich aufmerksam gemacht. Sowohl beim Sport- als auch beim Computer-Test habe er teils „überdurchschnittlich gute“ Ergebnisse erzielt, hieß es. Konkret beworben hatte sich der Angeklagte für die Unteroffizierslaufbahn im Sanitätsdienst. Für den Fall einer Absage sei sein „Plan B“ gewesen, „als Englisch-Austauschlehrer nach Japan zu gehen“. Auffallend, so der Bundeswehr-Prüfer weiter, sei gewesen, dass er sehr „umständlich“ und „gestelzt“ formuliert habe.

Als Antwort auf die Frage nach Freizeitaktivitäten habe er auf den Bogen geschrieben: „Meine Freizeit konsistiert derzeit aus sportlichen und sozialen Aktivitäten durch den Besuch englischsprachiger Seiten im Internet.“ Die K.O.-Formel „Sie haben leider nicht bestanden“ habe Heße zwar getroffen. Als persönlichen Weltuntergang für Heße habe er die Absage aber nicht eingeschätzt, so der Zeuge.

Sprachnachricht verbreitet

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Absage einer der Gründe war, warum der 20-Jährige im März zum Mörder geworden sein soll. In einer im Internet verbreiteten Sprachnachricht nach der ersten Tötung hatte er unter anderem gesagt: „Kein Bock mehr. Ich will nicht arbeiten. Ja, ich müsste bald Bewerbungen schreiben, aber (...) ne (...).“

Heße hat über seinen Verteidiger bereits gestanden, den neunjährigen Nachbarjungen Jaden und seinen Ex-Schulfreund Christopher umgebracht zu haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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