Bildung

Hernes SPD fragt: Werden Kinder zu früh eingeschult?

SPD-Bildungspolitiker luden für Dienstag zur Diskussion in die „Zille“ ein. Im Mittelpunkt stand ein Bericht von Schulleiterin Andrea Sdun.

SPD-Bildungspolitiker luden für Dienstag zur Diskussion in die „Zille“ ein. Im Mittelpunkt stand ein Bericht von Schulleiterin Andrea Sdun.

Foto: FUNKE Foto Services

Herne.   Mit dem „richtigen“ Einschulungsalter hat sich die SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung befasst. Referentin war Andrea Sdun, Leiterin der Schillerschule.

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Wann soll ein Kind eingeschult werden? Nach einem Stichtag, wie bislang, oder soll es eine flexible Regelung zum Schulstart geben?

Zu diesem Thema lud die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) der SPD Herne zur Diskussion. In der Gaststätte „Zille“ am Willi-Pohlmann-Platz begrüßten die AfB-Vorsitzende Birgit Klemczak und ihre Stellvertreterin Theres Boneberger die Leiterin der Grundschule Schillerstraße, Andrea Sdun, als Rednerin.

Aktuell gilt: Eingeschult wird zum 1. August jedes Kind, das bis zum 30. September desselben Jahres das sechste Lebensjahr vollendet hat. Gegen diese Regelung regt sich Widerstand. In ihrem Vortrag berichtete Sdun über die Probleme einer normierten Einschulung ohne Flexibilität. „In manchen Fällen“, sagte sie, „wäre es angebracht, das Kind noch nicht einzuschulen.“ Als Schulleiterin müsse sie aber zwingende Gründe wie ein Trauma oder eine schwere Krankheit angeben, um eine Zurückstellung zu erreichen.

Zurückstellung heißt: Die Einschulung wird verschoben, das Kind verbringt etwa noch ein weiteres Jahr in der Kindertagesstätte. Wenn ein Kind in der sozialen, emotionalen oder intellektuellen Entwicklung noch nicht so weit sei, dann helfe eine solche Zurückstellung dem Kind durchaus, meinte Sdun. Falls das Kind – so wie heute üblich – nach Stichtag eingeschult werde, obwohl es besser noch in der Kita geblieben wäre, dann seien Probleme in den ersten Jahren möglich, ebenso in der Folge eine Wiederholung der Klasse. Und das, fügte sie an, sei für das Kind kein schönes Gefühl.

Früherer Einstieg ist einfacher

Ein Jahr Aufschub, das sei heute eine Ausnahme, selbst wenn sowohl die Schulleitung als auch und die Eltern einer geplanten Zurückstellung zustimmten. Momentan sei es dagegen jedoch möglich, ein Kind bereits vor dem sechsten Geburtstag in die Schule zu schicken. Auch an dieser Stelle hegte Sdun Zweifel, ob das der richtige Weg ist: „Immer die Kleinste zu sein, das ist auch nicht gut für das Kind – gerade in den späteren Klassen.“

Gäste der Veranstaltung teilten die Auffassung der aus ihrem Schulalltag berichteten Pädagogin. „Ich habe mein Kind früh eingeschult und würde es nicht noch einmal machen“, sagte eine Besucherin. SPD-Mitglied Theres Boneberger scheute sich nicht, die rot-grüne Landesregierung zu kritisieren: Der Plan, jedes Kind solle individuell gefördert werden, werde zurzeit nicht in die Tat umgesetzt, kritisierte die AfB-Vize, die selbst Gesamtschullehrerin ist.

Das Fazit des schulpolitischen Abends: Eine flexible Regelung zum Einschulungsalter wäre die beste Variante – natürlich in Absprache mit Eltern, Lehrern und Ärzten. Dafür plädierten auch Kinderpsychologen, sagte Andrea Sdun.

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