Tanzen

Herner Schüler erleben „Zuhause“ im Tanztheater-Projekt

Tanzpädagogin Rahel Steffen (vorn) leitet die Kinder bei den Proben an, zählt den Takt und hilft, die Einsätze zu erwischen.

Tanzpädagogin Rahel Steffen (vorn) leitet die Kinder bei den Proben an, zählt den Takt und hilft, die Einsätze zu erwischen.

Foto: Ralph Bodemer

Herne.  15 Schüler der Realschule Crange nehmen am Projekt des Tanzensembles Ensample teil.Gefördert wird das Engagement durch den Verein Ruhrwerk.

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Nach und nach tragen die Kinder rote Kisten auf die Bühne, stellen sie mit einem lauten Knall ab, nehmen darauf Platz. Nach einiger Zeit setzt Musik ein, sie stehen auf, laufen mit den Kisten herum. Musikpause, Textvortrag. Die Proben des Tanztheaterprojekts in der Realschule Crange laufen gut. Konzentriert setzen die Fünft- und Sechstklässler einzelne Choreographien um und sprechen den gleichen Text – mit der Besonderheit, dass sie ihn in ihrer Muttersprache vortragen. Geleitet wird das Projekt vom Tanzensemble Ensample, gefördert vom Verein Ruhrwerk. Am 25. Juni zeigt die Projektgruppe ihr Stück erstmals um 16 Uhr in der Aula der Realschule Crange.

„Letztes Jahr kam eher zufällig der Kontakt zu Herrn Deutsch zustande“, erklärt Cordula Klinger-Bischof, Vorsitzende des Vereins Ruhrwerk. Die Idee, ein Tanztheater zu unterstützen, begeisterte die engagierten Frauen des Vereins sofort. „Wir haben überlegt, welches Thema sich gut umsetzen lässt“, erklärt Christopher Deutsch vom Ensample. Schnell stand fest: Es sollte um das Zuhause der Kinder gehen. „Das ist ein Thema, mit dem sie alle etwas anfangen können.“

Weg vom Frontalunterricht

Im Januar informierten Ensample-Mitglieder die Schüler über das geplante Projekt. Zum ersten Treffen erwartete Christopher Deutsch rund 20 Kinder - es kamen 80. „Wir waren sehr überrascht, aber es hat sich schnell gezeigt, dass viele neugierig waren und erstmal schauen wollten.“ Übrig blieben am Ende 15 Schüler, die seither fleißig jede Woche zum Training kommen. In der Vorführung fließen Vorgaben der Tanzpädagogen und Ideen der Kinder ineinander.

„Wir möchten weg vom Frontalunterricht und die eigene Kreativität der Kinder fördern“, sagt Tanzpädagogin und Ensample-Mitglied Rahel Steffen. Deshalb sammelten die Kinder in den ersten Projektstunden Ideen zum Thema Zuhause. Die Antworten auf die Frage „Was macht ihr als erstes, wenn ihr nach Hause kommt?“ wurden in Bewegungen übertragen - Umziehen, Essen, Spielen.

Jugendgruppe in Planung

Es gebe eine zunehmende Entfremdung vom Körper, stellt Christopher Deutsch fest. „Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder lernen, ihren Körper wieder zu spüren und die Angst verlieren, sich vor anderen zu bewegen.“ Die roten Kisten seien dabei eine Hilfe gewesen. Sich mit einer Kiste zu bewegen, falle vielen leichter, als sich frei zu bewegen. „So werden sie Stück für Stück ans Tanzen herangeführt.“ Die Kisten stehen auch als Symbol für das Päckchen oder den Rucksack, den jeder durchs Leben trägt.

Die Kisten fand auch Yelda hilfreich. „Wir haben erst ein bisschen HipHop gemacht und dann mit den Kisten angefangen“, berichtet die 14-Jährige. „Das Tanztheater macht richtig Spaß, und ich würde nach dem Projekt gerne weitermachen.“ Nachhaltigkeit sei eines der Hauptziele des Projektes, sind sich Ruhrwerk und Ensample einig. Deshalb plane Ensample zurzeit den Aufbau einer Jugendgruppe. „Da können die Kinder aus dem Projekt weitermachen“, so Deutsch.

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