Kirche

Herner Pfarrer: „Wir können noch viel von den Frauen lernen“

Dechant Nobert Walter bei der Gründungsfeier der Pfarrei St. Christoperus Wanne Eickel im Januar vergangenen Jahres.

Dechant Nobert Walter bei der Gründungsfeier der Pfarrei St. Christoperus Wanne Eickel im Januar vergangenen Jahres.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Herne.  Sinkende Mitgliederzahlen, keine Lockerung des Zölibats: Die WAZ hat mit dem Herner Dechanten über die wichtigen katholischen Themen gesprochen.

Keine Lockerung des Zölibats, ein neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und immer weniger Kirchenmitglieder: Zurzeit bewegen einige wichtige Themen die katholische Kirche. Die WAZ hat mit Norbert-Johannes Walter, Dechant des Dekanats Emschertal, über die Themen aus Sicht der katholischen Herner Kirchen gesprochen.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat seit wenigen Tagen einen neuen Vorsitzenden. Er gilt als kompromissbereit. Was halten Sie von Georg Bätzing?

Dechant Norbert-Johannes Walter: Ich kenne ihn nicht persönlich. Ich habe gehört, dass er in Limburg einen guten Job gemacht hat. Er hat das Vertrauen wieder aufgebaut. 2016 hat er die Nachfolge von Bischof Tebartz-van Elst angetreten, der ja – sagen wir mal – seltsame finanzielle Eigenheiten an den Tag gelegt hat und vor allem nicht mit den Leuten in die richtige Kommunikation getreten ist. Das können wir uns nicht mehr erlauben. Bätzing nimmt den synodalen Weg und nimmt das sehr ernst. Außerdem will er die Missbrauchsprobleme aufklären.

Also hat die katholische Kirche gerade jetzt so einen Vorsitzenden gebraucht?

Ganz genau. Ein evangelischer Präses hat wohl gesagt: Vielleicht hat die katholische Kirche in Deutschland jetzt einen neuen Anfang, und das scheint zumindest in der Person ein ganz klares Vorhaben zu sein. Er will zu klaren Ergebnissen kommen.

Wir haben erst vergangene Woche darüber berichtet: Die Mitgliederzahlen der Kirche sind so niedrig wie lange nicht mehr. Gibt es auch hier in Herne Menschen, die das Vertrauen zur Kirche verloren haben durch die Missbrauchsskandale?

Ich denke mal, dass das auch eine Rolle spielt. Bei jüngeren Leuten ist es aber auch die eigene Identifikation mit der Kirche. Viele unterscheiden zwischen der Institution Kirche und ihrem Leben als Christ. Kirche ist für manche nur noch Serviceleister für Beerdigungen und Hochzeiten. Mit der kirchlichen Struktur können sie nur wenig anfangen. Das ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch viele Vereine wahrnehmen.

Was tun sie denn, um solche Leute zu halten oder zurückzugewinnen?

Wir versuchen einiges: In der Adventszeit hatten wir in der Fußgängerzone Veranstaltungen auch von Laien, die versucht haben, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Außerdem stand in der Stadt ein Container mit der Aufschrift: „Gott kommt nach Herne“. Dort waren immer wieder Veranstaltungen, da gab es die Möglichkeit zu sprechen, sich segnen zu lassen oder persönliche Gespräche zu führen.

Wurde das gut angenommen?

Ja, das hat ein breites Echo gefunden. Und nicht zu vergessen: Die Frauen machen auch was. Maria 2.0, die auch jetzt am Muttertag ihre Aktion durchziehen möchten. Und dann haben wir natürlich noch das Friedensgebet jeden Donnerstag vor der Kreuzkirche. Wir können keine „Komm-Kirche“ bleiben. Wir müssen uns mehr einbringen, einmischen und dahin gehen, wo die Menschen sind. Wir können keine elitäre Kirche bleiben. Eine Religion abseits der Nöte der Menschen wäre keine christliche.

Sie haben es schon angesprochen: Maria 2.0. Immer mehr Frauen fordern Mitspracherecht in der Kirche. Wie stehen Sie dazu?

Ich halte es für notwendig, wenn nicht sogar für heilsnotwendig, dass kirchliche Ämter auch von Frauen ausgeführt werden können. Denn wir verzichten ja auf viel Intelligenz. Zudem sollen Frauen eine größere Intuition und größere Fantasie haben. Auch wenn es um Menschen und ums Kümmern geht. Frauen haben eine größere „Kümmer-Kompetenz“, das ist auch biologisch bedingt. Und dann wäre die Männer-Kirche blöd, wenn sie diese Kompetenzen nicht nutzt, finde ich. Wir Männer können noch viel von den Frauen lernen.

Wo wir schon beim Thema Frauen sind: Wie stehen Sie zu den Aussagen des Papstes zum Thema Zölibat?

Er ist im Unterschied zu den Erwartungen, die man hatte, sehr zögerlich. Er ist restriktiver, als wir erhofft haben. Auch was die Frage der Ämter der Frauen angeht. Das ist alles typisch „alte Denke“. Wir haben leider in dem Punkt größere Erwartungen gehabt. Papst Franziskus scheint noch nicht so weit zu sein, um eine größere Öffnung zu machen. Das ist enttäuschend und falsch. Denn: In der Bibel wurde zwar nicht viel von Frauen geredet. Aber nur weil sie nicht erwähnt wurden, heißt es nicht, dass Jesus sie ausgeschlossen hat. Entweder die Kirche ändert sich oder sie wird die jungen Frauen verlieren. Denn die sind nicht mehr bereit, die alten Rollenmuster zu übernehmen. Und nicht nur das: Wenn wir das nicht ändern, verlieren wir wahrscheinlich auch den Kontakt zu der nächsten Kindergeneration.

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