Vision

Herne im Jahr 2029 - ein gewagter Blick zurück nach vorn

Die Neuen Höfe werden 2029 fast ihr zehnjähriges Bestehen feiern können. Die WAZ hat sich ausgemalt, wie Herne in zehn Jahren aussehen könnte.

Die Neuen Höfe werden 2029 fast ihr zehnjähriges Bestehen feiern können. Die WAZ hat sich ausgemalt, wie Herne in zehn Jahren aussehen könnte.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Herne.  Mit dem neuen Jahr beginnt auch ein neues Jahrzehnt. Die WAZ nimmt dies zum Anlass nicht zurück zu schauen, sondern zehn Jahre nach vorne.

Das Jahr 2019 ist nur noch wenige Stunden alt, seit Tagen gibt es Rückblicke. Allerdings neigt sich auch Jahrzehnt dem Ende zu. Doch die WAZ blickt nicht zurück, sondern nach vorn. Ein ganzes Jahrzehnt. Zugegeben: ein kühnes Unterfangen. Im Jahr 2006 versuchten Experten einen Blick ins Jahr 2031. Obwohl es das Internet damals schon gab: Niemand der Autoren hatte einen Hauch von Ahnung, wie rasant die Informationstechnologie und die Datenvernetzung wachsen würden. Wir wagen trotzdem den Blick zehn Jahre voraus. Manche Vorhersage mag abstrus sein, manche furchteinflößend - und bei mancher Vision mag der Wunsch Vater des Gedanken gewesen sein. Das wird also das Jahr 2029 in Herne gewesen sein.

Daten

Die Datenvernetzung ist rasant vorangeschritten. Wer einen Bus der HCR betritt, wird automatisch gescannt, und der entsprechende Betrag wird beim Aussteigen vom Konto abgebucht. Allerdings: Das geht nur in Herne. Noch immer gibt es im Ruhrgebiet keinen ÖPNV aus einem Guss. In Supermärkten gibt es keine Kassen mehr, auch dort wird gescannt. Da Bargeld immer weniger eine Rolle spielt, ist die Zahl der Sparkassen-Filialen weiter gesunken. Immer mehr Menschen haben statt eines Smartphone einen Chip unter der Haut implantiert.

Verkehr

In der Herner Innenstadt ist ein Parkhaus für Fahrräder und E-Bikes entstanden, Fassungsvermögen: 3000 Räder. Dazu gibt es Duschen und Umkleidekabinen. Lieferverkehre in beiden Innenstädten sind nur mit Elektromobilen erlaubt. Herne nimmt als erste deutsche Stadt einen neuen Straßenbelag in Betrieb, mit dem Autos ihre Batterien laden können. Die Technologie wurde von der Carrera-Bahn abgeschaut.

Wohnen

Die Hochhaussiedlung an der Emscherstraße wird bundesweit zum Wohnprojekt des Jahres gewählt. Ein Gebäude ist abgerissen und in eine Grünfläche verwandelt worden. Die anderen Gebäude sind renoviert worden und haben nun einen Concierge, der jeden Bewohner persönlich begrüßt. Der frühere Besitzer Altro Mondo ist enteignet und aufgelöst worden. Nach einer Gesetzesänderung erreichte Altro Mondo ein Brief mit den Worten: „Sie haben sich als ungeeignet zum Bewirtschaften einer Wohnimmobilie erwiesen...“

Olympische Spiele

Das Ruhrgebiet hat tatsächlich den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032 bekommen. In Herne laufen die Vorbereitungen zur Errichtung des Medienzentrums. Es soll auf dem Gelände von General Blumenthal entstehen, als Zwischennutzung bis zur endgültigen Entwicklung. Die Gebäude bestehen aus umweltfreundlichen Hartfaserplatten, für die auch Stoffreste verwendet werden. Im Sommer 2029 hat auch der Abriss des Kraftwerks Shamrock begonnen.

Arbeitslosigkeit

Oberbürgermeister und Agentur für Arbeit verkünden, dass die Arbeitslosigkeit unter die Marke von sechs Prozent gesunken ist. Demgegenüber sind offene Stellen auf Rekordniveau - weil immer mehr Babyboomer in den Ruhestand gehen. Das Jobcenter präsentiert Start-ups, die in die oberen beiden Etagen ziehen. Für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen ist das Gebäude an der Koniner Straße zu groß geworden.

Der „Spiegel“

Der „Spiegel“ schreibt über das erstaunliche Aufblühen jener Stadt, die er 2019 noch in den dunkelsten Farben gezeichnet hatte. Schwerpunkt der Betrachtung: der Zuzug. Eine Faktor dafür: das WeHouse-Konzept, dass inzwischen auf alle anderen leerstehenden Bunker in der Stadt übertragen wurde.

Bündnis Herne

Das Bündnis Herne trifft sich zum 500. Mal auf dem Robert-Brauner-Platz. Längst hat sich das Treffen zu einem Kulturfestival entwickelt, nachdem die besorgten Bürger schon 2020 ihre Treffen eingestellt hatten. Jeden Dienstag können sich am Rondell Nachwuchskünstler präsentieren. Eine Gruppe möchte eine Choreographie mit gelb-roten Fahnen präsentieren. Die Organisatoren lehnen dankend ab.

Umwelt

Die Stadt Herne feiert die Pflanzung des 5000. Baumes. Sie hatte 2020 ein großes Aufforstungsprogramm begonnen, nachdem Baumfällungen zu einem großen Thema im damaligen Kommunalwahlkampf geworden waren. Im Zuge des Programms wird jede noch so kleinste Fläche genutzt, um Bäume anzupflanzen.

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