Theater

Gruseliges Puppenspiel in Herne

Ein achtköpfiges Ensemble zeigte in den Flottmann-Hallen ein Stück mit gruseligen Comicpuppen für Erwachsene.

Ein achtköpfiges Ensemble zeigte in den Flottmann-Hallen ein Stück mit gruseligen Comicpuppen für Erwachsene.

Foto: FUNKE Foto Services

Herne.   Das Duo „half past selber schuld“, Sieger der Castingshow „Die Puppenstars“, überzeugte mit dem Drama „Pinocchio Sanchez“ in den Flottmann-Hallen.

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Tod, Mord, Blut, Krieg – Begriffe, die nicht unbedingt mit einem Puppenspiel verbunden werden. Dennoch war das die Realität im schrecklich-schönen Puppendrama „Pinocchio Sanchez“, das in den Flottmannhallen aufgeführt wurde. Das israelisch-deutsche Künstlerduo „half past selber schuld“ aus Düsseldorf steckt hinter dem Spiel, bestehend aus Musikerin und Komponistin Ilanit Magarshak-Riegg und Comiczeichner und -poet Sir ladybug beetle.

Im einstündigen Stück wird die Geschichte von Pinocchio Sanchez anhand von großen Puppen im Comicstil erzählt. Die grotesken Puppen werden dabei von einem achtköpfigen Team auf der Bühne bewegt. Der kleinwüchsige Bettler Pinocchio Sanchez aus Florenz schließt sich im Laufe der Geschichte dem Militär als Kriegstrommler unter Napoleon Bonaparte an und wird dabei verwundet. Er gerät einem verrückten Forscher in die Hände, der seine zerstörten Beine durch Holzbeine ersetzt. Er möchte den perfekten Menschen erschaffen und auch Pinocchios gesunde Arme amputieren und durch Holz ersetzen. Der Name des Verrückten? Carlo Collodi – Autor des literarischen Werkes „Die Abenteuer des Pinocchio“. Die Geschichte, die hier in den Flottmannhallen läuft, sei nämlich die „wahre“ Geschichte der beliebten Holzpuppe, so heißt es am Anfang der Aufführung.

Es finden sich viele Merkmale des Kinderromans im Stück wieder, wenn auch auf die ein oder andere bizarre Art. Die bekannte Grille? Pinocchio zerquetscht sie bereits am Anfang mit seiner Hand, die dem Zuschauer riesig erscheint und von mehreren, schwarz vermummten, Künstlern getragen wird.

Selbst geschriebene Musikstücke

Damit setzen die beiden Autoren bereits zum Anfang den Ton: Das hier sei kein Stück für Kinder. Das ist es definitiv nicht, aber Erwachsene kommen voll auf ihre Kosten. Die gruseligen Comicpuppen ziehen den Zuschauer in den Bann, zwischen Schmunzeln und Zittern. Das Stück bietet tolle, selbst geschriebene Musikstücke, die direkt ins Ohr gehen. Die Geschichte um den kleinen Pinocchio ist spannend inszeniert und langweilt zu keinem Zeitpunkt.

Das Stück handelt auch von der Frage, wie die Gesellschaft mit Behinderungen umgeht. „Du wirst immer ein Freak sein“, schreit Collodi Pinocchio entgegen, „du brauchst mich“. Dem Zuschauer wird deutlich vor Augen geführt, wie Menschen mit Behinderung Stigmata und Diffamierung ausgesetzt sind. Da passt Collodis krankhafte Suche nach dem perfekten Menschen sehr gut ins Bild. Apropos Bild: Das Stück bedient sich verschiedener Erzählformen. Leinwandspiele, Schauspiel mit „echten“ Menschen, Puppenspiel und Musikeinlagen vermischen sich zu einem sehr runden Ganzen und treiben die Geschichte an. Kein Wunder also, dass das Künstlerduo „half past selber schuld“ die RTL-Show „Die Puppenstars 2016“ (siehe Kasten) gewann.

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