Stadtentwicklung

General Blumenthal: Ärger über Zufahrt zu Brache in Herne

Die Stadt Herne hat das Haus an der Bielefelder Straße 92 gekauft. Es soll abgerissen werden, um eine breite Zufahrt zur Brache General Blumenthal zu ermöglichen. Auch die Brücke (rechts daneben) soll erneuert werden.

Die Stadt Herne hat das Haus an der Bielefelder Straße 92 gekauft. Es soll abgerissen werden, um eine breite Zufahrt zur Brache General Blumenthal zu ermöglichen. Auch die Brücke (rechts daneben) soll erneuert werden.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Herne will die Brache General Blumenthal über die Bielefelder Straße anbinden. Deshalb ist die Bürgerinitiative Stadtwald darüber entsetzt.

Die Stadt Herne will die Brache General Blumenthal über die Bielefelder Straße erschließen. Dazu plant sie den Abriss eines Wohnhauses und den Neubau einer Brücke an der Kreuzung zur Dorstener Straße. Die Brücke soll auch für den Schwerlastverkehr geeignet sein. Die Bürgerinitiative Stadtwald Herne-Wanne zeigt sich empört. Ihr Vorwurf: Die Stadt versuche, auf Kosten der Bürger Tatsachen für die Nutzung des Geländes zu schaffen, sagt Sprecher Heinrich Kill. Dafür gebe die Verwaltung „Steuergelder in unfassbarer Höhe“ aus.

Die Bürgerinitiative fordert auf der 80 Hektar großen Brache zwischen Dorstener Straße, Kastanienallee, Acker- und Sennestraße einen öffentlichen Klimawald, die Stadt dagegen will dort Unternehmen ansiedeln, auch eine Grünfläche ist geplant. Die Bürgerinitiative fühlt sich nach Aussage von Kill von der Stadt „an der Nase herumgeführt“.

Haus weit über Marktwert gekauft

Grund ist der Kauf des Grundstücks mit Haus an der Kreuzung Bielefelder Straße/Dorstener Straße, um dort eine neue, größere Straße und Brücke zu bauen – für ein Gewerbegebiet. Dadurch wäre der vorgeschlagene Klimawald vom Tisch, sagt Kill. Nach Auskunft der Initiative hat die Stadt an der Kreuzung ein 900 Quadratmeter großes Grundstück mit Wohnhaus an der Bielefelder Straße 92 für 1,15 Millionen Euro gekauft. Der Marktwert, kritisiert sie, betrage nur 300.000 Euro. Die Stadt, so ihr Vorwurf, verschwende Steuergelder, um „ihr“ Projekt stemmen zu können.

Auf Anfrage der WAZ wollte die Stadt keine Auskunft zu dem Kauf und seinen Hintergründen geben. In einem nicht öffentlichen Bericht der Verwaltung an die Politik, der der WAZ vorliegt, erläutert die Stadt die Notwendigkeits des Grundstückskaufs. Die Kosten über dem dreifachen Marktwert, heißt es, seien „vertretbar“ – „aus strategischer Sicht in Bezug auf eine wahrscheinlich mögliche Erschließung des ,Geländes General Blumenthal’“.

Das Haus mit sieben Mietparteien soll demnach „sozialverträglich entmietet“ und dann abgerissen werden, anschließend soll über das Grundstück eine neue Straße und eine neue Brücke gebaut werden, um die Brache anzubinden.

Neue Brücke muss gebaut werden

Die bisherige Brücke über das Bahngleis zwischen über den Häusern Holsterhauser Straße 92 und 95, so der Bericht, sei 1915 gebaut worden und längst marode. Nötig sei deshalb ein Brückenneubau und zudem eine Verbreiterung der Bielefelder Straße an der Kreuzung zur Dorstener Straße — „zur Anpassung an die heute üblichen Verkehrsverhältnisse“.

Laut Bericht will sich die Stadt um eine Förderung des Neubaus bemühen. Für die Erschließung der Brache, heißt es weiter, sei möglicherweise der Kauf weiterer Grundstücke nötig.

Oberbürgermeister lehnt Stadtwald ab

In einem Brief an alle Ratsmitglieder und an Oberbürgermeister Frank Dudda hat die Bürgerinitiative Stadtwald Herne-Wanne für ihre Idee, auf Blumenthal eine Grünfläche anzulegen, geworben. „Die Anlage eines Waldstücks inmitten der besiedelten städtischen Fläche würde dem Kleinklima der Stadt gut tun“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem könnten dadurch Insekten geschützt werden, die Naherholung könnte verbessert werden und die Stadt wäre insgesamt attraktiver.

In seiner Antwort schreibt OB Frank Dudda, dass Herne schon jetzt die grünste Stadt im Ruhrgebiet sei, weitere Waldpflanzungen sollen folgen. Herne, so der Oberbürgermeister, befinde sich zudem finanziell in einem „knallharten Überlebenskampf“. Deshalb sei eine „Entwertung werthaltiger Gewerbeflächen“ auf dem Areal nicht möglich: Würde das Areal als Waldfläche ausgewiesen, drohten erhebliche Schadenersatzforderungen der Grundstückseigentümer“. BI-Sprecher Heinrich Kill, auch Anwalt, widerspricht: Solche Schadenersatzansprüche gebe es gar nicht, sagt er.

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