Prozessauftakt

Eltern sollen Baby vernachlässigt und schwer misshandelt haben

Wegen Vernachlässigung und Kindesmisshandlung stehen ein 25-Jähriger und eine 22-Jährige seit Mittwoch vor dem Bochumer Landgericht.

Foto: Ralf Rottmann

Wegen Vernachlässigung und Kindesmisshandlung stehen ein 25-Jähriger und eine 22-Jährige seit Mittwoch vor dem Bochumer Landgericht. Foto: Ralf Rottmann

Herne.   Anklage wirft einer 22-Jährigen und einem 25-jährigen Herner vor, ihr neugeborenes Kind böswillig vernachlässigt und brutal geschlagen zu haben.

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Das erschütternde „Prügel-Schicksal“ eines drei Monate alten Säuglings aus Herne beschäftigt seit Mittwoch das Bochumer Landgericht. Angeklagt sind die Eltern (sie 22, er 25) des Jungen. Es geht um Schreie, Wut und lebensgefährliche Kopfverletzungen.

Wuchtige Schläge, gewaltige Schwellungen, dazu ein Haarbruch des Schädelknochens: Die Anklage wirft den Eltern vor, ihr neugeborenes Kind böswillig vernachlässigt und brutal misshandelt zu haben. Tatort der mutmaßlichen Prügelattacken soll die von den zwei Angeklagten zur Jahreswende 2014/15 noch gemeinsam bewohnte Familienwohnung in Holthausen gewesen sein. Heute leben die Eltern, die offenbar auch nie verheiratet waren, in getrennten Wohnungen, aber immer noch in Herne. Die 22-jährige Mutter ist mittlerweile mit einem anderen Mann verheiratet und erneut schwanger.

Vater soll völlig die Kontrolle verloren haben

Laut Anklage soll der Vater zu Jahresbeginn 2015 mindestens zweimal völlig die Kontrolle verloren haben. Der 25-Jährige soll über das Schreien des Säuglings derart in Wut geraten sein, dass er dem Baby krachende Schläge ins Gesicht verpasst hat. Bei einem der Schläge muss der Babykopf gegen einen harten Gegenstand gestoßen sein, so dass der Schädelknochen auf einer Länge von 2,5 Zentimetern durch einen Haarriss brach. Obwohl das Baby aufgrund der unübersehbaren Gesichts- und Kopfverletzungen quasi unaufhörlich geschrien haben soll, brachten es die Eltern nicht zum Arzt. Laut Anklage ließ sich die 22-jährige Mutter letztlich dazu von dem Vater überreden, um seine Prügelaussetzer zu vertuschen. Erst nachdem sie das schwer misshandelte Baby am 10. Januar 2015 anlässlich einer privaten Feier bei der Stiefmutter gelassen hatten und diese auf einen Arzt pochte, gingen die Eltern in die Klinik.

Als der Säugling im Januar 2015 in die Kinderklinik des Bochumer St. Josef Hospitals eingeliefert wurde, war sein Gesundheits- und Pflegezustand dramatisch schlecht. Die Gefahr einer folgenschweren Hirnblutung wurde von den Notärzten als „sehr hoch“ eingestuft. Zudem stießen die Ärzte auf katastrophale Hygienezustände (dicker Dreck im Bauchnabel und unter den Zehennägeln). Glücklicherweise konnte das Baby die Kinderklinik jedoch recht schnell verlassen. Nachdem das Jugendamt eingeschaltet und der heute zweieinhalb Jahre alte Junge kurzzeitig bei einer Pflegefamilie untergebracht worden ist, lebt er heute offenbar wieder bei der Mutter.

Eltern kündigen Erklärungen an

Zum Prozessauftakt haben sich weder Vater noch Mutter zur Anklage geäußert. Beide kündigten jedoch über ihre Verteidiger für den nächsten Prozesstag (19. Juni) Erklärungen an. Nach Angaben einer Sozialarbeiterin hatte der 25-jährige Vater ihr gegenüber die Prügelaussetzer bereits zugegeben. „Er hat mir gesagt, er war damals alleine zu Hause, war überfordert und hat den Jungen dann geschlagen und fallen lassen“, erinnerte sich die Zeugin.

Die Anklage lautet auf schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen. Mindeststrafe: ein Jahr Haft.

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