Theater

„Der blaue Engel“ als berührende Charakterstudie im Herner Kuz

Im Herner Kulturzentrum wird am Donnerstag, 09.01.14, das Schauspiel "Der blaue Engel" aufgeführt. Das Schauspiel lehnt sich an Heinrich Manns Roman "Professor Unrat" und den Film "Der blaue Engel" an. Die leichtlebige Varieté-Künstlerin Rosa Fröhlich, genannt Lola Lola, verdreht dem tyrannischen Gymnasialprofessor Rath -traditionsgemäß als "Unrat" verhöhnt- den Kopf. Er quittiert den Schuldienst, um Lola zu heiraten, verliert jeglichen Halt und geht jämmerlich zu Grunde. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool

Im Herner Kulturzentrum wird am Donnerstag, 09.01.14, das Schauspiel "Der blaue Engel" aufgeführt. Das Schauspiel lehnt sich an Heinrich Manns Roman "Professor Unrat" und den Film "Der blaue Engel" an. Die leichtlebige Varieté-Künstlerin Rosa Fröhlich, genannt Lola Lola, verdreht dem tyrannischen Gymnasialprofessor Rath -traditionsgemäß als "Unrat" verhöhnt- den Kopf. Er quittiert den Schuldienst, um Lola zu heiraten, verliert jeglichen Halt und geht jämmerlich zu Grunde. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool

Foto: WAZ FotoPool

Herne.   Das Eurostudio Landgraf gastierte mit „Der blaue Engel“ im Herner Kulturzentrum. In der Geschichte um den alternden Professor und die junge Lola glänzte Gerd Silbereisen als erst verführter und später gedemütigter Dr. Rath. Marlene Dietrich hat einst mit der Lola-Rolla den Grundstein ihres Weltruhms gelegt.

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„Der blaue Engel“ von Peter Turrini nach Motiven von Heinrich Mann und dem gleichnamigen Film mit den Ufa-Stars Marlene Dietrich und Emil Jannings überzeugte am Donnerstagabend im nahezu ausverkauften Kulturzentrum in einer Produktion des Eurostudios Landgraf Jung und Alt.

Das Thema ist alt und doch immer wieder neu: Ein Endfünfziger verliebt sich Hals über Kopf in eine attraktive junge Frau, die sich von einer Verbindung sozialen Aufstieg erhofft. Die Bühne von Karel Spanhak wechselt zwischen den beiden Welten: Zunächst zeigt sie das zwielichtige Kabarett „Der blaue Engel“, in dem die Künstlerin Rosa Fröhlich, genannt Lola (Stefanie Mendoni) mit dem lasziven Lolita-Charme einer naiv-erotischen Kindfrau sowohl gestandenen Männern wie einem Kapitän als auch zwei pubertierenden Schülern des städtischen Gymnasiums den Kopf verdreht.

Leichte Beute für Lola

Das wiederum ruft ihren Lehrer Professor Dr. Immanuel Rath (Gerd Silberbauer) auf den Plan. Der alleinstehende weltfremde Pädagoge, der sein Selbstbewusstsein aus seiner Position bezieht und seine Macht den Schülern Lohmann (Hans Machowiak) und von Ertzum (Roland Schreglmann) gegenüber immer wieder auszuspielen versucht, erweist sich als eine leichte Beute für Lolas psychologische und erotische Verführungskünste.

Regisseur Frank Matthus arbeitet die Polarität dieser beiden unvereinbaren Welten heraus, mit ironischen Seitenhieben auf den rohen Insiderumgangston der „Künstlertruppe“ ebenso wie auf die Selbstgerechtigkeit und Doppelmoral der gutbürgerlichen Gesellschaft: Dort trumpft Prof. Dr. Rath zwar gerne auf, aber der alternde Junggeselle kehrt seinem sozialen Milieu in der spontanen Gefühlswallung für die kaum 20-jährige Lola in einer zunächst befreienden Kurzschlussreaktion den Rücken.

Beklemmende Intensität

Die Unbeholfenheit des Professors, der sich nach dem Verlust seines Lehramtes und seiner Ersparnisse im Leben nicht mehr zurechtfindet und sogar mit dem geschäftstüchtigen Theaterdirektor Kiepert (Peter Schmidt-Pavloff) und seiner Frau (Judith Steinhäuser) in seiner Heimatstadt als zutiefst gedemütigter Clown auftreten muss, gestaltet Gerd Silbereisen nach anfänglichen Überzeichnungen mit beklemmender Intensität, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Während Regisseur Frank Matthus im ersten Teil des Schauspiels keine Situationskomik verschenkt und so immer wieder Gefahr läuft, in Klamauk abzudriften, lässt er das tragische Scheitern des Professors, der vergebens um die Wahrung seiner Identität und seiner Würde ringt und dabei immer mehr zum Spielball der anderen wird, im zweiten Teil deutlich zutage treten. Milieu- und Charakterstudie vereinen sich in einer berührenden Darstellung.

Das Stück des österreichischen Erfolgsautors Peter Turrini (Jahrgang 1944), greift den Stoff des Romans „Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen“ von Heinrich Mann aus dem Jahr 1905 auf.

Die Satire auf die wilhelminische Gesellschaft lag auch dem Ufa-Film „Der blaue Engel“ von Josef von Sternberg zugrunde.

Marlene Dietrich sollte in der Rolle der Lola zum Inbegriff des verführerischen Vamps werden und mit dem Friedrich Hollaender-Song „Ich in von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ den Grundstein ihrer Weltkarriere legen.

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