Wettbewerb

Comedy-Gala „Tegtmeiers Erben“ in Herne hat langen Vorlauf

Christian Strüder (l.) beim Aufbau der Ausstellung zu Jürgen von Manger im Kulturzentrum.

Christian Strüder (l.) beim Aufbau der Ausstellung zu Jürgen von Manger im Kulturzentrum.

Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Der alle zwei Jahre stattfindende Wettbewerb erfordert einen hohen organisatorischen Aufwand. Künstler legen ihre Auftrittstermine immer früher fest.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wenn am Samstagabend um 23.15 im Kulturzentrum die Show zu Ende ist, hat Christian Strüder es mal wieder geschafft. Die Sieger sind gekürt, die Ehrenpreise verteilt. „Tegtmeiers Erben“ ist dann das zehnte Mal über die Bühne gegangen und zum zehnten Mal hat Strüder als Programmleiter der Flottmann-Hallen den Wettbewerb organisiert. Eine Mammutaufgabe, die der Vater des Formats mit seinen Mitarbeitern alle zwei Jahre stemmt.

Tournee abgeschafft

Das letzte Finale ist gerade ein paar Monate vorbei, da fängt Christian Strüder schon wieder an, sich Gedanken zu machen. Wer käme für die nächste Ausgabe als Ehrenpreisträger in Frage? Wer könnten die Wettbewerbsteilnehmer sein? Das Auswahlgremium wird einbestellt. „Das Problem ist, dass sich in den letzten Jahren der Buchungsvorlauf enorm vergrößert hat“, sagt Strüder. „Viele Kabarettisten und Comedians planen ihre Termine weit über ein Jahr im Voraus.“ Für die Veranstalter heißt das: Der eine oder andere ist schon anderweitig engagiert, zumal der November zur „Hochsaison“ zählt. Erschwert wurde die Suche in der Vergangenheit durch drei vorgeschalteten Gastspiele der sechs Finalisten in Ruhrgebietsstädten. „Deshalb machen wir das erste Mal keine Tournee mehr“, so Strüder. „Der Aufwand war nicht mehr zu leisten.“

Auch die Ehrenpreisträger sind teilweise sehr beschäftigt. „Jürgen von der Lippe ist noch mit einem eigenem Programm auf Tour, Olli Dittrich hat zahlreiche andere Termine“, nennt Strüder die beiden diesjährigen Ehrenpreisträger als Beispiel. So kommen die endgültigen Zusagen der zu Ehrenden, die natürlich anwesend sein sollen, manchmal erst im Frühjahr vor dem Wettbewerbsfinale. Dann spätestens soll auch der Vorverkauf starten. Die Finalisten standen dieses Mal schon um die Jahreswende fest: Sechs Comedians, die das Auswahlgremium überzeugt hatten, das sich zwei volle Tage lang über Videos ein Bild von den Kandidaten zu machen versucht hatte , die dann natürlich noch Zeit haben mussten. Auch Laudatoren wollen gewonnen werden, sie sollen möglichst die Ehrenpreisträger persönlich kennen.

Nach einigen ruhigen Monaten geht es dann spätestens nach der Sommerpause in die heiße Phase: Strüder: „Die Bronzekappen für die Ehrenpreisträger müssen bestellt und gegossen und die Stoffkappen in Witten gekauft werden.“ Eine andere Firma bestickt die Aufnäher für die Kappen. Die Künstler brauchen Hotelbetten und individuelle Ablaufpläne, das Publikum Stimmzettel und Wahlurnen - 1000 Details, die es zu beachten gilt.

Am Freitag hat Christian Strüder mit seinen Kollegen die Ausstellung zu Jürgen von Manger aufgebaut, während die Techniker im Kulturzentrum Licht und Ton vorbereiteten und die Bühnenanweisungen der Agenturen studierten. Auch Sonderwünsche erfüllt Christian Strüder noch kurz vor dem Start. So sendet WDR 2 um punkt 21.40 Uhr ein Live-Interview mit einem Preisträger noch während der Gala. Darf nur kein Künstler überziehen ...

Ehrenpreise für Olli Dittrich und Jürgen von Manger

Der Wettbewerb „Tegtmeiers Erben“ steht für hochkarätige Unterhaltung. „Eine überragende Kulturveranstaltung“, nennt ihn Peter Weber, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur. „Die Halle ist immer ausverkauft und die Nachfrage riesig.“ Stadt und Stadtwerke veranstalten die Gala gemeinsam.

Wie immer sind es sechs Anwärter, die ab 19 Uhr um Jury- und Publikumspreis wetteifern, dotiert mit jeweils 5000 Euro. Einer der Kandidaten ist der Herner Martin Fromme, er tritt gegen Özcan Cosar, Katie Freudenschuss, Friedemann Weise, Jan Phillipp Zymny und Martin Zingsheim an. Beim letzten Mal hatten HG Butzko (Publikumspreis) und Henning Schmidtke (Jurypreis) das Rennen gemacht.

Den „Tegtmeier-Ehrenpreis“ in Form einer Bronze-Kappe erhält heute Olli Dittrich, bekannt als bademanteltragender Imbissbuden-besucher Dittsche. Er folgt damit Preisträgern wie Helge Schneider, Hape Kerkeling, Georg Schrammm Horst Schroth oder Wilfried Schmickler. Mit dem „Jürgen von Manger-Preis für ein Lebenswerk“’ wird Jürgen von der Lippe ausgezeichnet. Der Preis wird nicht jedes Mal verliehen. Ausgezeichnet wurden damit bisher nur Tana Schanzara Hanns Dieter Hüsch, Gerhard Polt, Jochen Busse und 2013 Dieter Hallervorden.

„Tegtmeiers Erben“ fand 1997 das erste Mal statt, drei Jahre nach Jürgen von Mangers Tod.

Der Wettbewerb für Bühnenoriginale wird seitdem im zweijährigen Rhythmus veranstaltet. Nach den Anfängen in den Flottmann-Hallen zog das Finale 2011 um ins Kulturzentrum, wo 700 Plätze statt wie zuvor 250 belegt werden können.

Die vorgeschaltete Tour der Teilnehmer durch andere Städte ist aus organisatorischen Gründen abgeschafft worden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben