Sanierung

29 Millionen Euro für die „neue“ Sodinger Gesamtschule

Dieser 1974 errichtete und aus Sicherheitsgründen eingezäunte marode Bauteil der Gesamtschule Mont-Cenis  wird abgerissen. Als Ersatz soll auf dem Schulgelände ein Neubau entstehen. Foto:Klaus Pollkläsener

Dieser 1974 errichtete und aus Sicherheitsgründen eingezäunte marode Bauteil der Gesamtschule Mont-Cenis wird abgerissen. Als Ersatz soll auf dem Schulgelände ein Neubau entstehen. Foto:Klaus Pollkläsener

herne.   150 Millionen Euro sollen in Sanierungen von Schulen fließen. Allein 29 Millionen Euro erhält die Gesamtschule Mont-Cenis. Was geplant ist.

Mit 150 Millionen Euro will die Stadt in den nächsten zehn Jahren 19 marode Schulen auf Vordermann bringen. Das erste und gleichzeitig größte Projekt steht nun vor der Umsetzung: Knapp 29 Millionen Euro sollen in die Sanierung und einen Teilneubau an der in die Jahre gekommenen Sodinger Gesamtschule Mont-Cenis fließen. Der Schulausschuss hat am Donnerstag den Rahmen für diese Baumaßnahme gesetzt; nun steht die Konkretisierung an.

„Wir sind froh, dass es nun endlich los geht“, erklärt Sylke Reimann-Perez, die seit Anfang 2017 Schulleiterin ist, auf Anfrage. Der Handlungsbedarf sei groß und unübersehbar, sagt sie und verweist auf die aus Schutzgründen rund ums Schulgebäude aufgestellten Zäune.

Neubau soll auf dem Schulgelände entstehen

Und das ist an der zurzeit von 922 Schülern besuchten Gesamtschule geplant: Fünf der zehn Bauteile sollen in den kommenden 52 Monaten durch einen Neubau auf dem Schulareal ersetzt werden. „Dafür haben wir auf dem Schulgelände ausreichend Platz“, sagt Reimann-Perez. Beeinträchtigungen des Schulbetriebs würden so in Grenzen gehalten werden. Der Bereich mit Aula, Mensaküche und Speiseraum (Baujahr 1974) soll generalsaniert werden. Die weiteren Bauteile – Klassen- und Fachräume, Sporthalle und die erst 2013 eingeweihte Mensa – sollen „ertüchtigt“ werden.

Aus finanziellen Gründen Abstriche machen muss die Schule bei ihrem Altbau aus dem Jahr 1955: Da der ursprüngliche Etat von 33,7 auf knapp 29 Millionen Euro gekürzt werden musste, soll dieses Gebäude nicht generalsaniert, sondern ebenfalls nur „ertüchtigt“ werden.

16 Eingangsklassen in drei Gesamtschulen

Der Bedarf für die Sicherung der insgesamt drei Herner Gesamtschulstandorte sei vorhanden, berichtet die Stadt unter Verweis auf steigende Schülerzahlen. Die auf insgesamt 16 Eingangsklassen ausgerichteten Herner Gesamtschulen würden in Zukunft an Grenzen stoßen, so die Prognose der Fachverwaltung.

Die Gesamtentwicklung - nicht zuletzt im Bereich der Zuwanderung - deute nicht auf eine Entspannung hin. Die Gesamtschule Mont-Cenis müsse deshalb auch in Zukunft als sechszügiges System, sprich: mit sechs Klassen pro Jahrgang erhalten bleiben, auch wenn zurzeit nur eine Fünfzügigkeit erreicht werde.

Moderne Pädagogik und Architektur verbinden

Eine durch ein Essener Schulberatungsteam verstärkte Arbeitsgruppe soll unter Beteiligung von Lehrern, Eltern und Schülern bis zum Sommer Planungsgrundlagen erarbeiten. „Wir müssen die Architektur und eine moderne Pädagogik übereinander bringen“, so Klaus Hartmann, Fachbereichsleiter Schule.

Aspekte wie Barrierefreiheit und Digitalisierung müssten stets im Auge behalten werden. Das gelte auch für die anderen großen Schulsanierungsmaßnahmen, so Hartmann im Ausschuss auf Nachfrage von Ausschussmitglied Uwe Scholle.

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Der Sodinger Bezirksbürgermeister Mathias Grunert begrüßt die Bau- und Sanierungspläne für die Gesamtschule Mont-Cenis. „Das wurde höchste Zeit“, sagt der Sozialdemokrat zur WAZ.

Grunert lobt die jüngste Entwicklung der Gesamtschule und ausdrücklich auch die neue Leiterin Sylke Reimann-Perez. Diese habe die Erwartungen übertroffen. Er sei sehr froh, dass trotz der großen Herausforderungen eine derart kompetente Schulleiterin gefunden worden sei.

Stadt: Landesfördermittel werden komplett abgerufen

Trotz des Sanierungsstaus in Schulen sei im vergangnen Jahr mehr als die Hälfte der 500 Millionen Euro des NRW-Förderprogramms „Gute Schule 2020“ von den Kommunen nicht abgerufen worden, meldete jüngst das Land. Die Stadt Herne fühlt sich davon nicht angesprochen. „Wir sind auf einem guten Weg“, erklärt Stadtsprecher Christoph Hüsken auf WAZ-Anfrage.

In Zahlen: Rund 6,4 Millionen Euro stehen Herne bis 2020 jährlich aus diesem Topf zu. „2017 haben wir knapp 4 Millionen Euro abgerufen“, berichtet Hüsken. Die nicht abgerufene Summe sei unter anderem auf längere Vorlaufzeiten von Projekten zurückzuführen.

Die 2,4 Millionen Euro seien jedoch nicht verfallen, sondern auf 2018 übertragen worden, berichtete die Stadt am Donnerstag im Schulausschuss. Auch der Herne für 2018 zustehende „Gute Schule“-Etat von 6,4 Millionen Euro werde komplett verbaut, so der Fachbereich Immobilien.

Mit 3 Millionen Euro fließt 2018 der größte Teil der Förderung in „gebäudewirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen“. Jeweils 750 000 Euro gibt es für den Ausbau der digitalen Infrastruktur und das Toilettensanierungsprogramm.

OGS: Stadt erhöht und senkt die Elternbeiträge

Herne ändert die Satzung für die Beiträge in den Offenen Ganztagsschulen (OGS): Während Eltern mit geringerem Einkommen entlastet werden, will die Stadt finanziell besser gestellte Erziehungsberechtigte für die Nachmittagsbetreuung stärker als bisher zur Kasse bitten. So brachte Klaus Hartmann, Leiter des Fachbereichs Schule, die Änderungen für Grund- und Förderschulen am Donnerstagabend im Schulausschuss auf den Punkt. Die Politik stimmte zu; die Entscheidung fällt im Februar im Rat.

Mit der Reform knüpfe die Stadt an die letzte Anpassung von 2016 an, berichtete Hartmann. Damals habe es zwar wesentliche Verbesserungen für die „unteren sozialen Bereiche“, aber auch Unbehagen über überproportional hohe Anstiege in dieser Gruppe gegeben.

Das neue System sieht nun vor, dass die Beiträge für Eltern mit einem Jahreseinkommen bis 50 000 Euro gesenkt werden und Eltern mit einem Einkommen ab 55 000 Euro von zwei Euro bis zu 20 Euro mehr zahlen müssen. Ausgeschöpft wird dabei die vom Land maximal zulässige Obergrenze von monatlich 185 Euro für Menschen mit einem Einkommen über 95 000 Euro. Bisher lag die Grenze bei 170 Euro.

Ein OGS-Platz koste jährlich etwa 2000 Euro, erklärte Fachbereichsleiter Hartmann. Das Land übernehme 60 Prozent der Kosten, der Elternanteil liege bei 30 Prozent und der Eigenanteil der Stadt betrage rund 10 Prozent.

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